AKW Isar-1: Kritik an Abbauplänen

Der Betreiber des bayrischen Atomkraftwerk Isar-1 will mit dem Rückbau des Meilers, der nach dem Beginn des GAU von Fukushima stillgelegt wurde, „noch warten“. Atomkraftgegner kritisieren das Rückbaukonzept und fordern mehr Sicherheit. Die Landesregierung mauert.

AKW Isar; Bild: suedbayer / Panoramio

AKW Isar; Bild: suedbayer / Panoramio

Weil E.ON gegen die vom Bund erzwungene Stilllegung vor drei Jahren klagt, will der Konzern vor den ersten Rückbauschritten „endgültig Rechtssicherheit“ abwarten. Mit einer Verfassungsbeschwerde will der Konzern „einen angemessenen Ausgleich für die Kraftwerksschließung“ erzwingen. Isar 1 hat als Siedewasserreaktor die gleiche Bauweise wie die im März 2011 havarierten Reaktoren von Fukushima. Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für die Stillegung und den Abriss des Atomkraftwerks.

Atomkraftgegner kritisieren die Pläne und weisen auf Risiken hin, die auch von dem abgeschalteten AKW ausgehen. So lagern zum Beispeil in dem Abklingbecken des Kraftwerks noch 1.700 hochradioaktive Brennelemente, die teilweise nur von einer 50cm-dicken Betonwand geschützt sind: Unzureichend gegen Angriffe von außen. Auch will E.ON beim Abbau große Mengen an Radioaktivität freisetzen: der Konzern hat beantragt, dass beim Abriss doppelt so viel Radioaktivität freigesetzt werden darf wie Isar 2 im laufenden Betrieb, kritisieren die Grünen. Das stellt „eine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung“ dar. Dieses Obergrenze sei viel zu hoch, meint die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger. Auch sei der Antrag „zu ungenau“. Details, wann und wie der Abriss ablaufen soll, lasse der Energiekonzern offen. Es dürfe nicht sein, dass das Umweltministerium ein Verfahren, das so sehr im Ungefähren schwebt, einfach weiterlaufen lässt.

Kürzlich hat E.ON beim bayerischen Umwelt den Abbau beantragt. Bei einer Genehmigung könnte der Abriss im Jahr 2016 beginnen. Erwin Huber, wirtschaftspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, setzt weiter auf das „traditionell-bayrische) Vertrauen in die Atomkonzerne: er glaube daran, dass E.ON alle Vorkehrungen treffen würden, „die eine Belastung der Bevölkerung und der Umwelt ausschließen“. Die Bedenken der Kritiker seien „hinfällig“ – weil man es ihnen „nie Recht machen könne“.

  • E.ON will 250 Millionen Euro Schadensersatz für AKW-Abschaltung
    16. April 2014 – Der Energiekonzern E.ON will für die zwangsweise Abschaltung seiner Atomkraftwerke Unterweser und Isar-1 nach dem GAU von Fukushima etwa 250 Millionen Euro vom Staat kassieren. Atomkraftgegner weisen diese Forderung zurück. Der Konzern müsse vielmehr für den produzierten Atommüll zahlen.
  • “Das Zeug ist unkontrollierbar”: Rückbau-Abfälle aus AKW will niemand haben
    14. November 2013 – Der Rückbau zahlreicher Atomkraftwerke steht in Deutschland an. Nicht nur die Herausforderung von einzigartigen und neuen Projekten oder Techniken, die Jahrzehnte dauern werden, sondern auch die Entsorgung von tausenden Tonnen Abfall muss gelöst werden. Doch niemand will diese Abfälle haben, weil das Zeug “unkontrollierbar” ist, so Atomkraftgegner. Es braucht eine neue Debatte über Grenzwerte.
  • “Kernkraftwerke sind nicht für den Rückbau gebaut”
    31. Januar 2013 – Eine interessante Einsicht bekommt ein Reporter der Schweizer Webseite “swiss.ch” beim Besuch des deutschen Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich, das nur ein Jahr in Betrieb gewesen ist und dann wegen ungeklärter Risiken stillgelegt werden musste. Seit 2004 läuft der “Rückbau” – doch von außen ist nichts davon zu sehen. “Kernkraftwerke sind nicht für den Rückbau gebaut”, meint ein beteiligter Ingenieur.
  • Bundesrat lehnt strengere Regeln für AKW-Rückbau ab
    14. Dezember 2012 – Der Bundesrat hat einen Antrag abgelehnt, die Regeln für Rückbau von Atomkraftwerken zu verschärfen. Das Land Schleswig-Holstein hatte den Vorstoss gemacht, weil bislang abgeschaltete Anlagen für Jahrzehnte nicht rückgebaut werden müssen. Atomkraftgegner weisen auf weitere Risiken hin.
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    15. September 2012 – Bayerns Strommix besteht im 1. Halbjahr 2012 immer noch zu einem großen Teil aus Kernenergie. Dieser Anteil ist zwar rückläufig, dennoch dominiert die Atomkraft mit 58,3 Prozent immer noch die bayerische Stromerzeugung. Heut vor 30 Jahren wurde mit dem Bau des größten deutschen AKW Isar-II begonnen – das sich in Bayern befindet.
  • E.ON macht den ersten Schritt
    11. Mai 2012 – Mit E.ON macht ein erster Energiekonzern in Deutschland einen wichtigen Schritt und reicht den Antrag auf Abriss des Atomkraftwerks Isar-1 ein. Damit ist der “sichere Einschluss” – das Einbetonieren für Jahrzehnte – vom Tisch und der Rückbau kann bald beginnen. Atomkraftgegner fordern alle AKW-Betreiber auf, an den stillgelegten Anlagen endlich Fakten zu schaffen und sich der Verantwortung zu stellen.
  • 30 Mal Tschernobyl im AKW Isar 1: Fukushima ist überall, auch in Ohu
    10. März 2012 – Ein Jahr nach der verheerenden Atomkatastrophe in Fukushima werden die stark strahlenden Brennelemente im Atomkraftwerk Isar 1 in derselben unverantwortlichen Weise gelagert wie im Block 4 des Atomkomplexes Fukushima. Das Abklingbecken in Isar 1 ist prall gefüllt und nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze oder gar Terroranschläge geschützt. Der Unfallverlauf in Fukushima hat gezeigt, dass die Lagerung in den Abklingbecken schon bei einem Versagen der Stromversorgung unbeherrschbar wird.
  • 18 Milliarden Euro Abrisskosten für Atomkraftwerke
    28. September 2011 – Laut einer Studie wird der Abriss der 17 letzten Atomkraftwerke in Deutschland für die Energiekonzerne richtig teuer: mehr als 18 Milliarden Euro müssen dafür eingeplant werden. Atomkraftgegner bemängeln, dass die Kosten für eine Endlagerung gar nicht berechnet werden können und fordern das endgültiges Aus des vermeintlich “günstigen” Stroms.
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    12. Juli 2011 – Deutschland steigt aus. Bis 2022 sollen in einem Stufenplan alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, das erste bereits 2015. Schwarz/gelb feiert das eigene Einknicken im Fortbestand der Atomenergie als Erfolg, rot/grün stimmt mit dem Argument “alternativlos” zu. Und wegen einer Änderung des Strahlenschutzgesetzes landen tausende Tonnen radioaktiver Abfälle statt in einem Endlager auf Hausmülldeponien oder werden wiederverwendet.

Quellen (Auszug): br.de, augsburger-allgemeine.de; 29.04.2014

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