E.ON macht den ersten Schritt

Mit E.ON macht ein erster Energiekonzern in Deutschland einen wichtigen Schritt und reicht den Antrag auf Abriss des Atomkraftwerks Isar-1 ein. Damit ist der „sichere Einschluss“ – das Einbetonieren für Jahrzehnte – vom Tisch und der Rückbau kann bald beginnen. Atomkraftgegner fordern alle AKW-Betreiber auf, an den stillgelegten Anlagen endlich Fakten zu schaffen und sich der Verantwortung zu stellen.

Aus lauter Verzweiflung hatten die Energiekonzerne den „sicheren Einschluss“ ins Spiel gebracht, weil sie nicht wissen, wohin mit den tausenden Tonnen strahlenden Abfällen. Beim sicheren Einschluss wird ein stillgelegtes Atomkraftwerk für rund 30 Jahre buchstäblich eingemauert und erst dann mit dem Rückbau begonnen. Ruinen in Lingen (seit 1988 eingemauert) und Hamm-Uentrop (seit 1997 eingemauert) zeigen die Ergebnisse: Millionen müssen zur Aufrechthaltung aufgebracht werden – und eine Lösung für den Atommüll müssen Folgegenerationen finden. Auch ist fraglich, ob und wie in 30 Jahren mit den Abfallstoffen umgegangen wird, und ob genügend Fachpersonal für den Abbau zur Verfügung steht.

Nun haben Recherchen des Bayerischen Rundfunk ergeben, dass E.ON den Antrag auf Rückbau des AKW Isar-1 gestellt hat. Dieser muss nun vom bayrischen Umweltminister geprüft werden, dann folgt eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Bürgerbeteiligung – und erst dann kann mit tatsächlichen Arbeiten begonnen werden.

Atomkraftgegner begrüßen den Schritt, nachdem sich die Energiekonzerne ein Jahr lang vor der Verantwortung gedrückt haben:

„Das Dilemma Atomkraft wird mehr als sichtbar, keiner weiß wohin mit dem strahlenden Schutt. Und einfach zumauern und stehenlassen ist keine Lösung, denn damit wird das Problem nur verschoben. Wir fordern für alle stillgelegten Meiler ein Rückbaukonzept, mit dessen Umsetzung sofort begonnen wird!“, so Jan Becker von contrAtom.

In der Vergangenheit waren Tricks der Energiekonzerne bekannt geworden: durch die zu geringe Anzahl von Castorbehältern sei das Entladen der Reaktorkerne nicht möglich – damit bleibt die potentielle Möglichkeit einer Wiederinbetriebnahme erhalten. Mit Verbleib der Brennelemente im Reaktorkern der alten Siedewasserreaktoren ist die Gefahr eines schweren Unfalls erhöht: die Gebäude weisen eine geringere Sicherheit auf, als zum Beispiel Zwischenlager. Zudem sind Studien zufolge die gebildeten steuerfreien Rücklagen zu gering, um den Rückbau zu finanzieren. Bei einer Finanzkrise geht das Unternehmen Pleite – und die Kosten trägt der Steuerzahler.

  • Greenpeace: Versorger haben zu geringe Atom-Rücklagen
    11. April 2012 – Allein der “grobe” Rückbau von Atomanlagen dauert mindestens 20 Jahre. Und schon dafür kann das Geld, was seit Jahren von den Betreiberkonzernen der AKW steuerfrei als Rücklage gebildet wird, nicht ausreichen. Laut einer Greenpeace-Studie ist es nämlich nicht krisensicher, weil die Konzerne es nicht zurücklegen mussten, sondern investieren durfen.

Quelle (Auszug): br.de; 11.05.2012

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