Zwei Störfälle in französischen AKW

In Frankreichs Meilern haben sich zwei Störfälle ereignet, die zur automatischen Abschaltung der Reaktoren führte. Die auch betroffenen ältesten Blöcke in Fessenheim sollen 2016 stillgelegt werden. Dabei soll es dann bleiben – Frankreich setzt weiter auf Atomkraft.

Atomkraftwerk Cattenom / Frankreich; Bild: google

Atomkraftwerk Cattenom / Frankreich; Bild: google

Am Freitagabend um 21.30 Uhr musste der Reaktor Nummer 3 des Atomkraftwerks Cattenom aufgrund eines Zwischenfalls abgeschaltet werden. Grund war laut „wort.lu“ ein Problem mit dem Kühlwasser im „circuit secondaire“, welcher sich im nicht-nuklearen Bereich der Anlage befindet. Cattenom besitzt vier Reaktoren und liegt etwa 30 Kilometer von Deutschland entfernt.

„Die Sicherheitskultur als auch die technische Zuverlässigkeit beim französischen Atomkraftwerk Cattenom hat sich auch 2013 als nach wie vor mangelhaft erwiesen“, betont die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Energieministerin Eveline Lemke. „Die Pannen-Statistik erfüllt uns mit Besorgnis und wir werden nicht locker lassen, um eine Abschaltung dieses AKW zu erreichen.“

Dem rheinland-pfälzischen Energieministerium liegen für das Jahr 2013 sieben Meldungen über ungeplante Reaktorabschaltungen vor, die durch technische Defekte verursacht wurden. Zudem wurden sieben weitere Störfälle der INES-Stufe 1 gemeldet.

Atomkraftwerk Fessenheim / Frankreich; Bild: google

Atomkraftwerk Fessenheim / Frankreich; Bild: google

Block zwei des grenznahen AKW Fessenheim wurde am vergangenen Wochenende automatisch heruntergefahren. Techniker mussten ein Kabel am Wechselstromgenerator im Maschinenraum ausgetauscht. Eine Sprecherin sagte, es habe „keine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung bestanden“. Seit Montagmorgen befindet sich der Reaktor wieder am Netz. Wie die „Badische Zeitung“ berichtet war zuzletzt Block eins für eine Reparatur im Maschinenraum am 5. Januar vorübergehend abgeschaltet worden.

Fessenheim ist das älteste AKW in Frankreich und soll nach Regierungsversprechen 2016 stillgelegt werden. Das dafür notwendige Gesetz lässt allerdings auf sich warten – und ohne Gesetzesänderung darf die Regierung die zwei Meiler nicht abschalten lassen. Nun versuche das Umweltministerium, Abschaltung und Demontage als Verfahren voneinander zu trennen und eine Klausel in das Gesetz einzubauen, die ein Hochfahren zu einem späteren Zeitpunkt an eine erneute Betriebsgenehmigung knüpft. Dennoch würde es für die Regierung schwierig, die Frist bis Ende 2016 einzuhalten, meint die ehemalige Umweltministerin und Anwältin des Trinationalen Atomschutzverbandes (Tras), Corinne Lepage. Sie rechnet mit Klagen vonseiten der Atomkraftbefürworter.

Die Französische Regierung wird, nachdem das älteste Atomkraftwerk des Landes in Fessenheim geschlossen worden sein wird, keine weiteren AKWs mehr abschalten, meinte Industrieminister Arnaud Montebourg in einem Interview: „Meine Antwort ist nein, meine Antwort ist klar“. Aktuell hat Atomkraft in Frankreich einen Anteil von etwa 75 Prozent, 58 Meiler befinden sich in Betrieb. Ein Atommüllendlager für den hochradioaktiven Müll gibt es nicht.

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Quellen (Auszug): wort.lu, 18.01.2014; bundespresseportal.de, badische-zeitung.de, 20.01.2014; oekonews.at, 12.01.2014; iaea.org/pris

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