Atomaufsicht: Furcht vor Pannen in zehn französischen Reaktoren

Der Chef der nationalen nuklearen Sicherheitsagentur ANS in Frankreich warnt vor möglichen Pannen in zehn Atomreaktoren. Die Meiler seien „standardisiert“, Einzelereignisse könnten wegen ihrer Übertragbarkeit weitreichende Folgen haben. Er plädiert, dass die Kraftwerke bei Zweifeln geschlossen werden müssen.

Atomstandorte in Frankreich

Atomstandorte in Frankreich

Die Standardisierung bedeute, dass ein Problem, das bei einem Reaktor auftrete, auch bei anderen Reaktoren auftreten könne, so Pierre-Franck Chevet, Chef der regierungsunabhängigen Sicherheitsagentur. Bei einer schwerwiegenden Anomalie, etwa bei einem Austritt nuklearer Gase oder Flüssigkeiten, oder bei Korrosionen sei es vorstellbar, dass gleich fünf oder zehn Reaktoren betroffen seien. Und dann würde seine Behörde diese fünf oder zehn Reaktoren auf unbestimmte Zeit stilllegen – was „plausibel, möglicherweise realistisch, jedenfalls nicht unmöglich“ wäre. Es habe in den letzten 20 Jahren schon einige Beispiel gegeben: im AKW Bugey waren Risse im Deckel des Reaktorbeckens entdeckt worden. Im Kraftwerk Tricastin gebe es Probleme mit dem Reaktorkessel. Das AKW Blayais an der Atlantik-Küste wurde überschwemmt.

Mit Blick auf die Probleme warnt die Atomaufsicht auch vor der Planung, bei bestehenden Atomkraftwerke automatisch die Gesamtlaufzeit auf 60 Jahre zu verlängern. Der Stromkonzern EDF müsse „erheblich an der Sicherheit der Reaktoren arbeiten“, wenn das Unternehmen darauf setze, die Laufzeiten zu verlängern. Könnten Zweifel zum Beispiel baulich nicht behoben werden, würde der Reaktor stillgelegt.

Schon im kommenden Jahr muss EDF entscheiden, wie man den zukünftigen Kraftwerkspark gestalten wolle. Viele AKW erreichen bals die 40 Jahres-Marke. Frankreich erzeugt momentan 78 Prozent seines Energiebedarfs in 58 Meilern. Information der französischen Zeitung JDD zufolge ist der Atomstrom im Vergleich zur Wasserkraft teuer: 42 Euro pro Megawattstunde kostet Energie aus Uran, zwischen 25 und 30 Euro pro Megawattstunde aus Wasserkraftanlagen.

Die Laufzeit des umstrittenen Atomkraftwerks nahe der deutschen Grenze bleibt dennoch weiter offen. Bislnag gibt nach Informationen von dpa keinen Antrag auf Verlängerung der Laufzeit. Der Reaktor-Park hat nach ASN-Aussagen im vergangenen Jahr im Durchschnitt vier Pannen pro Monat aufgewiesen. Das Saarland, Rheinland Pfalz und Luxemburg fordern, dass das AKW sofort stillgelegt wird. Der Betreiber hingegen plant den Betrieb nach Ablauf der bisher genehmigten 40 Jahre Laufzeit – das ist für Block 1 im Jahr 2027 – zwei weitere Jahrzehnte am Netz lassen.

  • Weitere Störfälle in französischen Atommeilern
    25. Juni 2013 – Im französischen Atomkraftwerk Bugey hat es gestern gebrannt, ein Feuer im AKW Cattenom vor zwei Wochen wird als “sehr gefährlich” bewertet. Das grenznahe AKW Fessenheim meldete kürzlich einen Störfall der Klasse ” INES 1? und deutsche Poliker fordern weiter die Stilllegung der alten Reaktoren.
  • Marodes Atomkraftwerk Fessenheim darf weiter am Netz bleiben
    16. Mai 2013 – Die Berufungskammer des Verwaltungsgerichts im französischen Nancy urteilt: das marode Atomkraftwerke Fessenheim an der Grenze zu Deutschland darf weiter in Betrieb bleiben. Eine Klage über die sofortige Schließung des ältesten AKW im Land wurde abgewiesen.
  • “Nationale Angelegenheit”: Französisches AKW Cattenom soll bis 2052 laufen
    16. März 2013 – Die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF investiert weiter in das grenznahe Atomkraftwerk in Cattenom. Noch bis 2052 sollen die Meiler laufen. Unterdessen lehnt die deutsche Bundesregierung ab, mit dem Nachbarstaat Verhandlungen über ein schneller Aus zu führen. Atomkraftgegner sind erbost, denn ein Atomunfall macht vor Grenzen nicht halt.
  • Atom-Ausstiegsplan für Frankreich
    11. Februar 2013 – Greenpeace hat in Frankreich, dem Land mit dem höchsten Atomstromanteil in Europa, einen Ausstiegsfahrplan veröffentlicht: bis 2025 sollen 35 der 58 Atommeiler vom Netz. Nur so könne Präsident Hollande sein Versprechen erreichen, bis dahin nur noch 50 anstatt wie heute 75 Prozent nuklearen Anteil im Strommix zu haben.

Quellen (Auszug): tageblatt.lu, dpa; 18./19.09.2013

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