Erechneter GAU in Frankreich: 430 Milliarden Euro – 100.000 Menschen auf der Flucht

Eine französische Atomkatastrophe wie in Fukushima würde rund 100.000 Menschen zur Flucht zwingen und das Land 430 Milliarden Euro kosten. Das ergibt eine offizielle Studie der Behörde für Atomsicherheit (IRNS). Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung der ältesten Meiler.

atomanlagen stilllegen!Es ist das erste Mal, dass eine öffentliche Institution die wirtschaftlichen Folgen eines größten anzunehmenden Atom-Unfalls (GAU) in Frankreich berechnete. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • „Ein großer Unfall würde schreckliche Konsequenzen haben, aber wir müssen uns damit befassen, denn das Land würde nicht aufhören zu existieren“, sagte IRNS-Chef Jacques Repussard.

Laut IRNS-Chefvolkswirt Patrick Momal sei die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls zwar sehr gering, „aber diese Berechnungen helfen Politikern, die Kosten für die Atom-Sicherheit ins Verhältnis zu setzen.“ Die errechnete Größe entspricht einem Fünftel der französischen Wirtschaftsleistung.

Ein mit Fukushima vergleichbarer Unfall rund 100.000 Atomflüchtlinge verursachen, betroffen wären „unter Umständen“ auch Nachbarländer. Allein der Kampf gegen die Verstrahlung der Umwelt würde laut Studie rund 110 Milliarden Euro kosten. Die meisten finanziellen Verluste würden durch den beschädigten Ruf des Landes entstehen: die Exporte von Nahrungsmitteln wie Wein und Käse würden einbrechen, Touristen fernbleiben. Allein dieser Faktor koste dann 160 Milliarden Euro. Selbst bei einem kleineren Unfall rechnet das staatliche Institut mit Schäden von etwa 120 Milliarden Euro. Teuer würde im Zuge eines GAUs aber auch die Abschaltung weiterer Atomreaktoren in der Folge, der Umstieg auf andere Energien und der notwendige Stromimport.

Frankreich betreibt derzeit 58 Reaktoren und es setzt wie kein anderes europäisches Land auf Atomstrom. Präsident Francois Holland will allerdings den Atomstrom-Anteil von heute 75 Prozent bis 2025 auf 50 Prozent zurückfahren. Bis 2017 soll als erstes der älteste französische Reaktor in Fessenheim abgeschaltet werden.

Die Haftpflicht für den AKW-Betreiber EDF sei beispielsweise auf 91 Millionen Euro begrenzt. Das von IRNS ermittelte Schadensausmaß liege laut der Grünen Sylvia Kotting-Uhl fast beim Fünftausendfachen.

Atomkraftgegner fordern umgehendes Handeln: sofort müssen die ältesten Atomkraftwerke, die sich in Fessenheim unmittelbar an der deutschen Grenze befinden, vom Netz:

„Wir fordern von der Bundesregierung, alles für eine notwendige und sofortige Stilllegung der alten Anlagen zu tun! Denn ein atomarer GAU endet nicht vor einer Staatsgrenze – und wir wären die ersten Betroffenen, auch von den nun errechneten Folgekosten“, so Jan Becker von contrAtom. „Die Konzerne gehen nach einem GAU bankrott – und die Zeche zahlen die Menschen. Die angekündigten Ausstiegspläne sind nichts wert, so lange die Meiler weiterlaufen!“

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Quellen (Auszug): 20min.ch, reuters.com, n24.de; 07.02.2013

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