Das nächste Wahlkampfmanöver: Stefan Birkner verteidigt Plutonium-Transporte

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner wirft den Kritikern des bevorstehenden Transportes plutoniumhaltiger Mischoxid-(MOX)-Brennelemente nach Niedersachsen Unredlichkeit vor. Atomkraftgegner wollen wegen Sicherheitsbedenken ein Verbot. Selbst AKW-Betreiber E.ON rät von einem Einsatz ab.

Gerade die Grünen hätten es laut Birkner in ihrer Regierungszeit im Bund so gewollt, dass das bei der Wiederaufarbeitung entstehende Plutonium in neue Brennelemente eingesetzt werde, sagte der FDP-Politiker am Freitag im „Nord-West-Radio“. Jetzt müsse Deutschland die MOX-Brennelemente auch zurücknehmen. Es sei das „gemeinsame Interesse“, dass das Plutonium nun in den Kernkraftwerken abgebrannt werde. Zu Einzelheiten des Transportes machte Birkner keine Angaben.

Atomkraftgegner verweisen auf Sicherheitsbedenken: MOX-Brennelemente enthalten Plutonium, das in geringster Dosis tödlich wirkt. Bei der Wiederaufarbeitung war auch eine Verglasung für die Endlager möglich gewesen, anstatt Brennelemente herzustellen. Stattdessen wird nun durch den Einsatz in Reaktoren ein erhöhtes Risiko in Kauf genommen.

Laut der Webseite umweltfairaendern.de rät selbst der Betreiberkonzern E.ON von dem Einsatz von MOX ab. Im Herbst 2011 räumte Wolfgang Faber, Leiter für Brennelementeinsatz und Entsorgung bei der E.ON Kernkraft GmbH, ein, dass plutoniumhaltige MOX-Brennelemente eine Vielzahl von Nachteilen bei der Herstellung, im Reaktoreinsatz und danach bei der Entsorgung hätten. Sie seien teurer, schwieriger herzustellen, in der Handhabung und Lagerung komplizierter und bräuchten auch eine längere Verweildauer in Zwischenlagern nach dem Einsatz. Zudem würden sie von der IAEA stärker überwacht als herkömliche Uran-Brennelemente.

„Auch der niedersächsische Wahlkampf kann solche unprofessionellen Manöver von Stefan Birkner nicht rechtfertigen“, so Jan Becker von contrAtom. „Wir fordern ein sofortiges Verbot von MOX! Die Verantwortlichen in Industrie und Politik müssen eine Entsorgungslösung vorweisen, die keine Risikoerhöhung durch den Einsatz in Atomkraftwerken bedeutet!“

Nach Protesten vor den Toren des AKW Grohnde und im Hafen von Nordenham haben Atomkraftgegner nun auch den Hafenausschuss des niedersächsischen Landtags eingeschaltet. In einem Brief an den Vize-Chef und hafenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion Olaf Lies (SPD) meldeten sie am Freitag Sicherheitsbedenken gegen das Transportschiff an. Die „Atlantic Osprey“ hat keine Doppelwand, kein zweites Antriebssystem und kein Querschott zum Abdichten von eindringendem Wasser. Der Hafenausschuss solle sich deshalb in einer Sondersitzung des Themas annehmen.

  • Plutoniumfrachter Atlantic Osprey: britische Umweltschützer warnen vor Sicherheitsmängeln
    10. September 2012 – Die britische Umweltorganisation CORE warnt vor Sicherheitsmängeln bei dem für den Transport von Plutonium-Brennelementen zum AKW Grohnde geplanten Einsatz des Frachters Atlantic Osprey. Im Gegensatz zu anderen britischen Atomfrachtern, die bei Transporten von und nach Sellafield eingesetzt werden, fehlen der Atlantic Osprey mehrere sicherheitsrelevante Vorkehrungen.
  • Grohnde: MOX-Gegner bereiten Proteste vor
    14. September 2012 – Am Mittwoch ist der Atomtransporter morgens den nahe der Atomfabrik Sellafield in südliche Richtung gestartet, um in der Nacht umzukehren. Atomkraftgegner um das AKW Grohnde bereiten unterdessen Protestaktionen vor.
  • Fehlalarm: Erster Plutonium-Transport nach Grohnde möglicherweise gestartet
    12. September 2012 – Das britische Transportschiff “Atlantic Osprey” hat heute Vormittag den Hafen von Workington wenige Meilen nördlich der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield mit südlichem Kurs verlassen. Atomkraftgegner erwarten für die 2. Septemberhäfte einen Transport von acht plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen. Möglicherweise hat die Atlantic Osprey diese Fracht an Bord. Update: Um 18.00 Uhr änderte das Schiff abermal den Kurs und befindet sich nun im Heimathafen Workington.
  • Plutonium-Brennelemente: Atomkraftgegner fordern Verbot im Atomgesetz
    12. September 2012 – Atomkraftgegner haben im Vorfeld des geplanten Transportes von Sellafield nach Grohnde ein Verbot des Einsatzes und Transportes von plutoniumhaltigen Mischoxidbrennelementen im Atomgesetz gefordert. E-On-Vorgängerin pochte im Jahr 2000 auf den Einsatz von MOX-Brennelementen.

Quellen (Auszug): umweltfairaendern.de, abendblatt.de, radiobremen.de; 14.09.2012

2 Kommentare

  1. Der wesentliche Zweck der Wiederaufarbeitung ist ja die Gewinnung von Plutonium (ursprünglich für Atombomben und heute für MOX-Brennelemente zur besseren Ausnutzung des Urans). Man hätte das Plutonium bei der Wiederaufarbeitung zwar auch verglasen können aber dann hätte man sich die Wiederaufarbeitung und die damit verbundene Freisetzung von flüchtigen Spaltprodukten auch gleich ganz sparen können.

  2. Plutonium: 1 Millionstel Gramm Plutonium ist TÖTLICH, und da wird den Atomgegnern UNREDLICHKEIT vorgeworfen….schon seltsam wie die Tatsachen verdreht werden.
    Infos zu Plutonium Pu-239 und Uran U-235:

    Plutonium Gefahrstoffkennzeichnung nicht von der EU eingestuft – bitte von der EU die Gefahrstoffkennzeichung
    für das chemische Element Plutonium offiziell beantragen:

    Plutonium auf Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium
    http://en.wikipedia.org/wiki/Plutonium

    Toxizität

    Plutonium ist wie andere Schwermetalle giftig und schädigt besonders die Nieren. Es bindet ebenfalls an Proteine im Blutplasma und lagert sich unter anderem in den Knochen und der Leber ab. Die für einen Menschen tödliche Dosis liegt wahrscheinlich im zweistelligen Milligrammbereich, für Hunde beträgt die LD50-Dosis 0,32 mg/kg Körpergewicht.[23] Die chemische Giftigkeit von Plutonium wird jedoch von vielen anderen Stoffen übertroffen.

    Viel gefährlicher als die chemische Wirkung ist seine Radioaktivität, die Krebs verursachen kann. Bereits die Inhalation von 40 Nanogramm 239Pu reicht aus, um den Grenzwert der Jahres-Aktivitätszufuhr für Inhalation bei Arbeitern zu erreichen. Diese Menge ist so winzig, dass die Giftigkeit von Plutonium noch gar nicht zum Tragen kommen kann.[55] Die von Plutonium 239Pu ausgesendete a-Strahlung wird außerhalb des Körpers bereits durch die oberste Hautschicht aus abgestorbenen Zellen abgeschirmt. Diesen Schutz gibt es nicht bei Inkorporation, beispielsweise Inhalation von Plutonium enthaltendem Staub, oder durch verunreinigte Nahrung. In diesen Fällen kann die mit dem umgebenden Material stark wechselwirkende a-Strahlung unmittelbar die Zellkerne lebender Zellen treffen.

    Nach Untersuchungen des Forschers Arnulf Seidel vom Institut für Strahlenbiologie des Kernforschungszentrum Karlsruhe führen kleine Dosen 239Pu im Langzeitversuch erst nach frühestens zehn Jahren bei Hunden zu Knochenkrebs, wobei es eine fünf mal größere Gefährlichkeit als Radium zeigt. Der Grund dafür kann eine ungleichmäßige Verteilung des Plutoniums im Skelett sein, die zu punktuell stark bestrahlten Stellen führt.[56]

    Das wie auch 240Pu in Kernreaktoren immer miterbrütete 241Pu zerfällt zum größten Teil in Americium 241Am, das große Mengen relativ weicher Gammastrahlung abgibt. Die Konzentration von 241Am erreicht nach 70 Jahren ihren Höchststand. Weil die Plutoniumisotope selbst kaum Gammastrahlung abgeben, nimmt diese Strahlung (und damit die Dicke der benötigten Abschirmung) wegen des gebildeten Americiums zunächst deutlich zu, um dann nach etwa 70 Jahren Lagerung wieder abzunehmen. Wegen der längeren Halbwertzeit von 241Am erfolgt diese Abnahme deutlich langsamer als der Anstieg.[57]
    Sicherheitshinweise

    Einstufungen nach der Gefahrstoffverordnung liegen nicht vor, obwohl die chemische Giftigkeit bekannt ist.
    Beim Umgang mit Plutonium ist vor allem wegen seiner starken Radioaktivität äußerste Vorsicht geboten.
    Da die a-Strahlung des Plutoniums nur auf kurze Reichweiten wirkt, ist besonders darauf zu achten,
    dass das Metall nicht in den Körper gelangt. Da während des Zerfalls Wärme entsteht, muss diese abgeführt werden.
    Dazu bewahrt man Plutonium am besten unter trockener, zirkulierender Luft auf.[22] Feinverteiltes Plutonium ist pyrophor.

    Weiterhin muss unbedingt verhindert werden, dass eine kritische Masse entsteht, die zur nuklearen Kettenreaktion und damit zu unkontrollierter Energie- und Strahlungsfreisetzung führt. Die Unterkritikalität kann entweder durch ausreichend kleine Massen oder eine sichere Geometrie erreicht werden. Bei dieser ist die Oberfläche groß genug, so dass mehr Neutronen verloren gehen als bei neutroneninduzierten Spaltungen entstehen. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz neutronenabsorbierender Materialien wie Bor, die diese vor möglichen neuen Spaltungsreaktionen abfangen. Grundsätzlich ist zu beachten, dass die kritische Masse durch die Anwesenheit bestimmter Stoffe, insbesondere Wasser, aufgrund deren neutronenmoderierender oder -reflektierender Wirkung auch stark gesenkt werden kann.

    KEINE EU Gefahrstoffeinschätzung für Thorium, Protactinium, Plutonium, Americium, Curium, Berkelium 
    = sowohl die H- und P-Sätze als auch die R- und S-Sätze fehlen für Thorium, Protactinium, Plutonium, Americium, Curium, Berkelium
    in Wikipedia.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Uran
    http://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium
    http://de.wikipedia.org/wiki/Thorium

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