Jülich & Ahaus: Doppelter Protest gegen Castor-Exporte in die USA

Der bereits angekündigte Widerstand gegen die Pläne, 457 Castoren in die USA zu exportieren, nimmt nun konkrete Formen an: Für den kommenden Sonntag rufen Anti-Atomkraft-Initiativen zu Protest-Sonntagsspaziergängen in Jülich und Ahaus auf. Die Sonntagsspaziergänge beginnen beide um 14 Uhr, Treffpunkt in Ahaus ist vor dem Atommülllager, in Jülich an der Rurtalbahn-Haltestelle „Forschungszentrum“.

Geht es nach den Plänen von Politik und Kugelhaufenreaktor-Lobby, sollen die Castoren mit Brennelementekugeln von den beiden derzeitigen Atommüllstandorten Ahaus und Jülich zur Erforschung von Wiederaufarbeitungstechnologie in der Atomanlage Savannah-River-Site in die USA (South Carolina) exportiert werden.

Der Atommüll-Export ist nach Atomrecht illegal, da beide Kugelhaufenreaktoren als kommerzielle Pilotanlagen von Stadtwerke-Konsortien betrieben wurden und auch beim Bundesamt für Strahlenschutz und IAEO als kommerzielle Kraftwerke gelistet sind.

US-Gastredner in Jülich

Bei dem Sonntagsspaziergang in Jülich wird Tom Clements von der amerikanischen Umweltorganisation Savannah-River-Site-Watch sprechen. Er und die deutschen Anti-Atomkraft-Initiativen sind sich einig: Der Export von Atommüll ist unverantwortlich gegenüber der Bevölkerung in den USA, besonders am Standort Savannah-River-Site. Dort lagern bereits Massen an Atommüll aus der Herstellung von Atomwaffen, bei denen auch die USA nicht wissen, wohin damit. Eine fertige Technologie zur Wiederaufarbeitung der Brennelementekugeln aus Deutschland existiert auch in den USA nicht und müsste erst entwickelt werden – ein schwieriges und sicherheitstechnisch bedenkliches Unterfangen.

Vergangene Erfolge in Ahaus nutzen

Auch in Ahaus wollen die AtomkraftgegnerInnen mit einem Sonntagsspaziergang gegen den Abtransport der Castoren ein Zeichen setzen. Das hatte bereits 2010/2011 Erfolg, als die Politik in genauso unverantwortlicher Weise 18 Castoren in die veralteten und unsicheren Atomanlagen nach Majak in Russland exportieren wollte.

Verantwortung übernehmen statt Atommüll exportieren

Das Vorgehen der Kugelhaufenforscher aus Jülich und der Politik, den problematischen Atommüll einfach den Bevölkerungen anderer Länder vor die Füße zu kippen, halten die Anti-Atomkraft-Initiativen für verantwortungslos: „Wer hier Verantwortung abgibt, verliert auch die Kontrolle über eine weitere mögliche zivile oder militärische Nutzung des Atommülls und schafft einen politischen Präzidenzfall.“ Sie fordern einen Stopp der Exportpläne und eine verantwortungsvolle Politik, die allen in Deutschland existierenden Atommüll langfristig betrachtet. Diese Forderungen sollen mit Unterschriftenlisten untermauert werden.

  • Atomkraftgegner kündigen Proteste an: Export von Atommüll muss gestoppt werden
    22. Juli 2014 – Das Forschungszentrum Jülich plant den Transport von 152 Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll in die USA. Gegen alle Versprechen wollen die Bundesregierung und die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen als Jülich-Gesellschafter jetzt also doch strahlende Abfälle exportieren. Atomkraftgegner kündigen Proteste gegen den geplanten Transport an.
  • Atommüllexport aus Jülich ist illegal!
    8. Juli 2014 – 152 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll sollen das Zwischenlager im Forschungszentrum Jülich verlassen. Favorisiert wird ein Transport in die USA. Dieser wäre rechtswidrig, meint Atomexperte Heinz Smital von Greenpeace. Am Standort müsse ein neues Zwischenlager gebaut werden.
  • Gutachten: Verbot von Atommüllexport ist möglich
    24. April 2013 – Ein Gutachten der grüne Bundestagsfraktion zeigt: Die Bundesregierung könnte den Export von Atommüll ohne Mühe gesetzlich verbieten. Bundesumweltminister Altmaier bekräftigte zwar noch einmal, dass ein Export nicht geplant sei. Ein Verbot gibt es trotzdem nicht. Kritiker vermuten ein “Schlupfloch”, dass als Möglichkeit offen gehalten werden soll. Denn der Export findet ohnehin statt.
  • “Das ist doch Unsinn”: Unser Atommüll bleibt hier
    5. Januar 2013 – Die vorgesehene 14. Änderung des Atomgesetzes schlägt Wellen. Insbesondere die Möglichkeit eines Exports von Atommüll steht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Führungsspitze der CDU ist sich unterdessen einig: Unser Atommüll bleibt hier, sagt Frau Merkel. Denn ein Export wäre “Unsinn” sagt Altmaier. Atomkraftgegner warnen vor Tricksereien und fordern die Verankerung eines Verbots von Atommüllschiebereien und das Umdeklarieren zu “Wertstoff” im Grundgesetz.

Quelle: PE BUND NRW / Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen / Aktionsbündnis Stop Westcastor / Attac Inde/Rur / Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“; 16.09.2014

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