„Risiko an der Elbe“: Atomkraftwerk Brokdorf darf wieder ans Netz

Erneut hat die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein dem Atomkraftwerk Brokdorf grünes Licht zum Wiederanfahren nach der Jahresrevision gegeben. Atomkraftgegner kritisieren das Risiko durch die Anlage, die fehlende Entsorgungsperspektive und fordern die sofortige Stilllegung.

Vor drei Jahren hatten noch hunderte Menschen unter dem Motte „BLock Brokdorf“ den Neustart des AKW Brokdorf mit Aktionen begleitet. Jetzt hat die Atomaufsicht des Energieministeriums in Kiel dem Meiler an der Elbe erneut den Start in ein weiteres Betriebsjahr genehmigt. Seit dem 20. Juni war Brokdorf für Wartungsarbeiten und den Austausch von Brennelementen abgeschaltet. Laut Betreiber EON wurden vorsorglich auch beide Eigenbedarfstransformatoren ausgetauscht. An anderen AKW-Standorten hatte es erhebliche Probleme mit Trafos gegeben, u.a. war es 2007 in Krümmel oder letztes Jahr im französischen Cattenom zu einem Großfeuer gekommen.

Nach Defekten in den AKW Grohnde, Grafenrheinfeld und Philippsburg-2 wurden auch in Brokdorf „umfangreiche Untersuchungen an allen 132 sogenannten Drosselkörpern ausgeführt“. Dabei mussten fünf ausgetauscht werden. Defekte Drosselkörper können Schäden im Reaktor verursachen und das ordnungsgemäße Einfahren der Steuerstäbe behindern, kritisiert ausgestrahlt. Betreiber EON spricht von „keiner sicherheitstechnisch relevante Funktion“. Es kommen nun auch wieder die sog. „MOX-Brennelemente“ zum Einsatz, in denen sich das Ultragift Plutonium befindet.

Zuletzt hatte anlässlich des Tschernobyljahrestages am 26. April etwa 1.500 Menschen protestiert: Das AKW ist überflüssig, unwirtschaftlich und hoch riskant: es muss abgeschaltet werden! Die Entsorgung des hochradioaktiven Mülls ist ungeklärt und der Müllberg wächst mit jedem Betriebstag. Mit jedem Tag steigt das Risiko eines schweren Unfalls, der bei entsprechender Wetterlage ganz Hamburg unbewohnbar machen kann.

  • “AKWs endlich abschalten” – Demos am Tschernobyl-Jahrestag
    27. April 2014 – In vielen Städten Deutschlands fanden am Samstag, den 26. April, zum 28. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl, Mahn- und Protestkundgebungen statt. Sie gedachten der bis zu 100.000 Todesopfer, die die Katastrophe in der Ukraine 1986 bis heute das Leben gekostet hat.
  • Karawane und Radtour für die Stilllegung der AKW
    18. Juli 2013 – Ab dem 10. August ist es mal wieder soweit: An diesem Tag beginnt die Revision des AKW Brokdorf. Der Reaktordeckel wird geöffnet, um Brennelemente zu wechseln. Der Ausstoß radioaktiver Edelgase wird ungefähr auf das 160-Fache steigen, dabei ist er schon im Normalbetrieb unerträglich hoch: Rund um das AKW Brokdorf erkranken anderthalb mal so viele Menschen an Krebs, wie statistisch zu erwarten wäre. Aus Protest gegen den Weiterbetrieb des Meilers findet ab Samstag eine “Protestkarawane” statt.
  • “Kernschmelze im AKW Brokdorf jederzeit möglich”
    8. Februar 2013 – Die Sicherheitssysteme des Atomkraftwerks Brokdorf reichen nicht aus, um eine Kernschmelzkatastrophe mit massiver Freisetzung radioaktiver Stoffe zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer gutachterlichen Stellungnahme, die Dipl.-Ing. Dieter Majer, Ministerialdirigent a.D., im Auftrag der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt verfasst hat.

Quelle (Auszug): ndr.de, 16.7.2014

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