Jülich: Kein Atommüll-Export in die USA!

Im Zwischenlager im Forschungszentrum Jülich lagern 152 Castor-Behälter mit 288.161 Graphitkugeln aus dem Betrieb des AVR-Forschungsreaktors. Mithilfe einer „Notverordnung“ dürfen die Behälter in dem nicht mehr genehmigten Lager bleiben, ein Transport in das Zwischenlager Ahaus ist gescheitert. Nun planen die Betreiber den Export in die USA.

The Savannah River Site, Quelle: en.wikipedia.org

The Savannah River Site, Quelle: en.wikipedia.org

Bis Anfang 2015 wollen die Betreiber des FZ Jülich und die US Energiebehörde (DOE) eine endgültige Vereinbarung abschließen, auf dem Gelände des Atombombenkomplex Savannah River Site (SRS) den deutschen Atommüll wiederaufzuarbeiten. Dabei soll mithilfe neuartiger Technologie das Graphit abgetrennt und der Brennstoff aufgearbeitet werden. Für die Technologieentwickung, Durchführung der Aufarbeitung sowie Konditionierung und Endlagerung soll Deutschland finanziell aufkommen. Letzte Woche hat die US-Behörde ein Umweltprüfungsverfahren für das Projekt angekündigt. In den Kugeln stecken 2,2 Kilogramm Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium 232. Allein das ist Stoff genug für mehrere schmutzige Bomben.

Im Zusammenhang mit der Umweltprüfung muss es laut Gesetz eine öffentliche Anhörung geben, die am 24. Juni Ortszeit, in North Augusta, in der nähe des SRS, stattfinden wird. Lokale Umweltgruppen und Bürger_innen aus South Carolina und Georgia werden vor Ort sein, um ihren Protest und ihre Sorgen zu äußern.

  • Außerdem können Kommentare schriftlich an die Mailadressen drew.grainger@srs.gov, Kopie an askNEPA@hq.doe.gov, eingereicht werden. Kommentare können bis zum 21. Juli 2014 geschickt werden.

Das deutsche Atommüll-Dilemma, wie mit dem Atommüll umgegangen werden soll, darf kein Atommüllproblem für Savannah River Site werden. Deutschland müsse ihn selbst entsorgen und unsinnige und gefährliche Transporte verhindern, fordert der US-Atomkraftgegner und Leiter der lokalen Umweltorganisation Savannah River Site Watch, Tom Clements.

Savannah River Site ist ein US-Atomkomplex im Bundesstaat South Carolina und etwa 800 km² groß. Es gibt dort 5 stillgelegte militärische Reaktoren, der zur Produktion von Plutonium und Tritium für Atomwaffen dienten. Weiterhin existieren zwei Wiederaufarbeitungsanlagen auf dem Gelände, von denen noch eine in Betrieb ist. In der Anlage wurde Material aus Atomwaffen verarbeitet, dabei entstanden 180 Millionen Liter flüssiger hochaktiver Abfälle, die in 51 großen Tanks gelagert werden. Die Tanks stammen aus den 1950’er Jahren und altern bedenklich. Der Tankinhalt wird nun, da Leckagen drohen, umgepumpt und in großen Containern verglast.

„Das ist keine gute Lösung und es ist ganz wichtig für uns, dass nicht noch zusätzlicher Atommüll aus Deutschland oder von irgendwo sonst bei uns abgeladen wird“, so Tom Clements.

Die US-Behörden rechtfertigen die Annahme des AVR-Mülls mit Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffenmaterial. In der Realität hoffen allerdings privatwirtschaftliche Partner von Savannah River auf gute Profite mit diesem Müll.

„Und Deutschland schiebt einfach seine Müllprobleme in andere Länder ab. Das alles ist nicht hinnehmbar“, so Clements im März 2014 in einer Absichtserklärung.

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Quellen (Auszug): anti-atom-liste, west-castor.de, heise.de; 12.06.2014

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