Forschungszentrum Jülich: Was wussten Bundes- und Landesregierung von Atomforschung?

Für die Sitzung des Aufsichtsrats des Forschungszentrums Jülich am heutigen Mittwoch, den 14.05.2014, fordern Umweltverbände und Anti-Atomkraft-Initiativen das sofortige Ende der Atomforschung am Forschungszentrum sowie das Ende der Vorbereitungen für einen Export der 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln in die USA. Zudem fordern sie eine umfassende Krebsstudie für Jülich und Umgebung, um mögliche Risiken des jahrzehntelangen Pannenbetriebs zu untersuchen.

Damit reagieren die AtomkraftgegnerInnen auf die Nachrichten, dass im FZJ weiter Atomforschung zum Bau von Hochtemperaturreaktoren betrieben wird, dass das FZJ jahrzehntelang Störfälle bagatellisiert hat, und dass das Forschungszentrum bereits einen Hafen sucht, um die 152 Jülicher Castoren in die USA zu verschiffen.

Siegfried Faust, der Jülicher Sprecher des Aktionsbündnis Westcastor untermauert die Forderungen nach einer Krebsstudie:

„Nach Bekanntwerden der jüngsten Untersuchungsergebnisse sind wiederholt Menschen auf mich zugekommen, die mir von Leukämiefällen in der Nachbarschaft des Versuchsreaktors berichteten. Die Betreiber des AVR sind gefordert, endlich verlässliche Studien über Krebserkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Betrieb des AVR stehen könnten, in Auftrag zu geben.“

Jahrelange Atomforschung mit rot-grüner Duldung!

„Es ist verrückt, wenn in der Bundesrepublik Deutschland die beiden Hochtemperaturreaktoren in Jülich und Hamm mit Beinahe-Katastrophen gescheitert sind, aber die Jülicher Wissenschaftler 25 Jahre später noch immer so ein Atomprojekt in China unterstützen“, so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

In der anstehenden Aufsichtsratssitzung muss nicht nur die Rolle der Bundesregierung sondern auch die der zuständigen Atomaufsicht im NRW-Wissenschaftsministerium aufgeklärt werden. Hier wurde offenbar jahrelang ein Auge zugedrückt und die Atomforschung geduldet. Die frühere rot-grüne Landesregierung hatte noch am 12. Juli 2004 in einem Schreiben an die BI Umweltschutz Hamm die Jülicher Reaktorforschung als „wertvollen Beitrag zur internationalen Sicherheit von HTR-Reaktoren“ bezeichnet. Zahlreiche solcher Verlautbarungen hat die BI Umweltschutz Hamm im Laufe der Jahre von rot-grünen Landesregierungen erhalten.

Castor-Transport-Wahnsinn per LKW und Schiff

Seit Juni 2013 lagern die 152 Castoren mit den 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln ohne Genehmigung in dem Jülicher Zwischenlager. Nun versuchen die Verursacher nach dem Scheitern der Transportpläne nach Ahaus nun den USA die Entsorgung aufzudrängen. Offenbar sucht das FZJ bereits einen Hafen zur Verschiffung.

„Das wird ein großer und risikoreicher Aufwand. Denn die 152 Castoren müssen monatelang mit 6 Spezial-LKW zu einem Hafen gebracht, dort gesammelt und dann über den Atlantik verschifft werden,“ so Udo Buchholz.

Dabei ist der Export von Atommüll laut Atomgesetz unzulässig, da es sich bei dem Atommüll um Hinterlassenschaften eines Versuchsreaktors mit Leistungsbetrieb handelt. Atommüllexport ist hingegen nur für reine Forschungsreaktoren ohne Stromproduktion erlaubt.

„Als Verursacher müssen sich die Jülicher Forscher endlich ihrem Problem stellen und dafür Kosten und Verantwortung tragen. Wir fordern eine Lagerhalle nach neuesten Standards in Jülich – damit sind die Transportrisiken vom Tisch.“

Transparenz, Aufklärung und Verantwortungsübernahme

Claudia Baitinger vom BUND NRW erklärt zusammenfassend:

„Wenn das Forschungszentrum Jülich sein strahlendes Atom-Image loswerden möchte, bedarf es der umfassenden Aufklärung und Verantwortungsübernahme für entstandene Schäden und radioaktive Altlasten. Hier sind die beiden Regierungen als Betreiber und die verantwortlichen WissenschaftlerInnen gleichermaßen gefragt.“

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Quelle: PE Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Aktionsbündnis Stopp Westcastor, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Bund für Umwelt und Naturschutz NRW (BUND NRW), BI Umweltschutz Hamm; 13.05.2014

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