Tschechien: Das Aus für den AKW-Neubau Temelin?

Die umstrittenen Ausbaupläne des tschechischen Atomkraftwerks Temelin haben zwei Dämpfer erhalten: EU und die neue Regierung lehnen eine vom Betreiber geforderte Preisgarantie für Atomstrom ab. Der AKW-Neubau rückt in die Ferne.

Stoppt Temelin!

Stoppt Temelin!

Die neue Mitte-Links-Regierung ist laut Deutscher Presse Agentur nicht bereit, Preisgarantien für Atomstrom zu finanzieren, sagte der sozialdemokratische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka am Donnerstag im Abgeordnetenhaus in Prag. Dies würde bedeuten, Haushalte und Unternehmen über Jahrzehnte „dramatisch“ zu belasten. Auch die EU hat die Gewährung von Preisgarantien geprüft – und urteilt, diese staatlichen Subventionen sind mit dem EU-Recht nicht vereinbar. Damit rückt ein Neubau in Temelin in weite Ferne.

Der Atomkonzern CEZ hatte gefordert, dass für den Bau von zwei Reaktoren am Standort Temelin die Bevölkerung eine notwendige Bürgschaft für den Großteil der Investitionssumme übernehmen sollte. Außerdem wollte die Regierung dem Betreiber einen wertgesicherten Strompreis von 108 Euro pro Megawattstunde über 35 Jahre garantieren. Damit sollten die Milliardenkosten der Erweiterung abgesichert werden.

CEZ betreibt die beiden bestehenden tschechischen AKW Temelín und Dukovany. Zusammen mit einem Partner soll zudem im slowakischen Jaslovské Bohunice am Standort des bestehenden AKW Bohunice ein neuer Reaktorkomplex errichtet werden.

Das Atomkraftwerk Temelin liegt rund 60 Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt. Seit Jahren protestieren Atomkraftgegner gegen den pannengeplagten Betrieb der Meiler. Nach deutschen Sicherheitsanforderungen dürften die Blöcke nicht betrieben werden.

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  • Studie: Atomkraft ist auch in Tschechien nicht selber überlebensfähig
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    24. September 2013 – Bereits Mitte August gab der tschechische Energiekonzern CEZ bekannt, dass der Ausbau des Atomkraftwerks Temelin wegen Zweifeln am Strombedarf und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens vorerst um zwei Jahre verschoben wird. Parallel setzt sich der Atomkonzern auf EU-Ebene für staatliche Subventionen ein.
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Quelle: dpa, 06.02.2014

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