AKW Brunsbüttel meldet zwei Störfälle

Auch stillgelegte Atomkraftwerke sind weiter störanfällig, müssen doch alle Sicherheitskomponenten weiter funktionieren, um etwa die hochradioaktiven Brennstäbe zu kühlen. Im Meiler Brunsbüttel ist es zu einem Leck einer Kühlkomponente gekommen.

Standortzwischenlager Brunsbüttel

Bald mit Mauer: Standortzwischenlager Brunsbüttel

Im Rahmen einer „wiederkehrenden Prüfung“ ist laut Betreiber Vattenfall an einer Rohrleitung des Nebenkühlwassersystems eine Leckage festgestellt worden. Das Elbwasser führende Nebenkühlwassersystem sorgt für eine Kühlung der Notstromdiesel, die jederzeit für einen Ausfall der Stromversorgung einsatzbereit sein müssen. Mit dem Strom werden dann die Kühlpumpen weiter betrieben, um ein Überhitzen der Brennstäbe zu verhindern, die sich im Abklingbecken befinden. Auf Veranlassung der Atomaufsicht wird jetzt unter Einbeziehung von Sachverständigen die Übertragbarkeit auf andere Kühlwasserleitungen geprüft.

Weiterhin ist es bereits am 11.01. im Standortzwischenlager zum Ausfall einer Batterie der unabhängigen Spannungsversorgung gekommen. Bei einem Stromausfall sollen die Batterien Energie für den Weiterbetrieb der Überwachungseinrichtungen des Zwischenlagers liefern. In der Halle stehen Behälter vom Tyo „CASTOR“, gefüllt mit hochradioaktiven Brennelementen, die im Reaktor zum Einsatz kamen. Die Aufsichtsbehörde prüft zurzeit unter Beteiligung von Sachverständigen, ob weitere Batterien vergleichbaren Typs Mängel aufweisen.

Obwohl das AKW Brunsbüttel seit Jahren keinen Strom mehr produziert und nach dem GAU von Fukushima im Rahmen des Atomausstiegs seine Betriebgenehmigung verlor, bleibt das Risikopotential am Standort groß: Im Standortzwischenlager befindet sich hochgefährliches Potential, das nur unzureichend gegen Terroranschläge geschützt ist. Eine Schutzmauer soll um den Bau errichtet werden, lässt aber seit über einem Jahr auf sich warten. Die Castoren sollen so lange in der Halle stehen bleiben, bis ein „Endlager“ gefunden ist. Die Betriebsgenehmigung war auf 40 Jahre beschränkt worden, diese Frist wird aber mit Sicherheit nicht ausreichen.

Im Reaktor selbst lagern weiterhin Brennelemente, die ebenfalls unzureichend gegen zum Beispiel Flugzeugabstürze gesichert sind. Der Reaktortyp „Siedewasserreaktor Baulinie ’69“ wurde stillgelegt, weil er u.a. in der Gebäudedimensionierung Defizite gegenüber den großen Druckwasserreaktoren aufweist. Dazu gehört auch die Tatsache, dass die Hülle um den Reaktor weniger Wandstärke aufweist – und damit weniger Sicherheitsreserven bietet.

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Quellen (Auszug): schleswig-holstein.de, vattenfall.de; 16./18.01.2013

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