Atomkonzerne gegen Öffentlichkeitsarbeit: E.ON schließt Informationszentren an AKW

Sparkurs oder Milliardengewinne? Beim deutschen Energieriesen E.ON geht es gerade schyzophren zu, zu Ungunsten der Öffentlichkeitsarbeit zu den Atomkraftwerken, denn an den AKW-Standorten werden die Informationszentren geschlossen. Atomkraftgegner sehen das als weiteren Beweis für die Tatsache, das Atomenergie nicht mehr gesellschaftsfähig ist, die Propaganda nicht mehr fruchtet. Wie will der Konzern aber künftig die Öffentlichkeit informieren?

Die vor einem Jahr beschlossene frühere Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke machte E.ON zu schaffen. Denn seitdem muss der Konzern auf zwei Gewinnbringer, die Meiler Isar 1 und Unterweser, verzichten. „Negative Einmaleffekte“ wie hohe Rückstellungen für den früheren Abriss der AKW und Abschreibungen auf nicht mehr verwendbare Brennelemente mussten geleistet werden. Die Atomwende und das schwache Gasgeschäft hatten E.ON im vergangenen Geschäftsjahr den ersten Nettoverlust seiner Unternehmensgeschichte eingebracht. Am Ende des Jahres stand nach Anteilen Dritter ein Fehlbetrag von 2,2 Milliarden Euro in den Büchern. Nun klingeln wieder die Kassen: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei voraussichtlich auf 6,7 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Konzernüberschuss legte um 255 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zu.

Kurz nach der atomare Trendwende hatte E.ON 2011 verkündet, wegen der Belastungen in Deutschland 6.000 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Jetzt will der Atomkonzern seine Besucherzentren an den AKW-Standorten zum Jahresende schließen. Betroffen sind nach Medienberichten die Standorte Grohnde und Unterweser. E.On betreibt darüberhinaus die AKW Isar, Grafenrheinfeld und Brokdorf.

„Wir sind nicht verpflichtet, Besucherzentren an den Kernkraftwerken zu betreiben“, so E.ON-Sprecherin Petra Uhlmann. In der Vergangenheit hatte der Energieerzeuger stets den hohen Anspruch eines Dialoges mit den Bürgern betont. „Transparente Information, spannende Eindrücke und auch die Auseinandersetzung mit kritischen Fragen stehen im Mittelpunkt unserer Aufklärungsarbeit“, so die E.ON-Sprecherin damals.

Atomkraftgegner sehen in der Schließung der Infozentren einen weiteren Erfolg jahrelanger Aufklärungsarbeit:

„In ihren Propagandastätten haben die Atomkonzerne Halbwahrheiten und Verharmlosungen über den Betrieb ihrer Atomkraftwerke verbreitet. Mit Rund-um-Sorglosprogrammen wurden ganze Schulklassen mit einseitigen Informationen versorgt, ein Ende begrüßen wir“, so Jan Becker von contrAtom. „Offenbar sind die vielen kritischen Fragen unbequem geworden.“

Hinsichtlich des Rückbaus der Anlagen, die noch Jahrzehnte dauern wird, muss allerdings die Frage gestellt werden, wie E.ON künftig kommunizieren wird. Auch dass die Infozentren an noch laufenden AKWs Isar-II und Grafenrheinfeld geschlossen werden, ist bedenklich.

„E.ON bleibt in der moralischen Pflicht, einer kritischen Bevölkerung Rede und Antwort zu ihren Anlagen zu stehen. Und das, bis der letzte Reaktor zurückgebaut ist“, so Becker.

httpv://www.youtube.com/watch?v=X3YMY5Z7ll0

  • AKW-Betreiber fordern 15 Milliarden für Atomausstieg
    13. Juni 2012 – Wegen des Atomausstiegs fordern Energieversorger wie Eon und RWE 15 Milliarden Euro Schadenersatz von der Bundesregierung. Atomkraftgegner verlangen im Gegenzug die Übernahme sämtlicher Entsorgungskosten durch die Konzerne – deren Höhe nicht mal abzuschätzen ist. Die Konzerne haben Schadensersatz an die Bevölkerung zu zahlen – nicht umgekehrt!
  • E.ON macht den ersten Schritt
    11. Mai 2012 – Mit E.ON macht ein erster Energiekonzern in Deutschland einen wichtigen Schritt und reicht den Antrag auf Abriss des Atomkraftwerks Isar-1 ein. Damit ist der “sichere Einschluss” – das Einbetonieren für Jahrzehnte – vom Tisch und der Rückbau kann bald beginnen. Atomkraftgegner fordern alle AKW-Betreiber auf, an den stillgelegten Anlagen endlich Fakten zu schaffen und sich der Verantwortung zu stellen.
  • EON setzt weiter auf Atomkraft: Expansion ins Ausland statt erneuerbar im Inland
    4. Mai 2012 – Anstatt in Deutschland intensiv in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren, plant Deutschlands größter Energiekonzern EON, seine Geschäfte im Ausland auszuweiten. Dies gab das Unternehmen auf seiner Aktionärsversammlung in Essen bekannt. Das Aktionsbündnis „Atomausstieg selber machen“ ruft EON-Kunden daher auf, dem Großkonzern zu kündigen.

Quellen (Auszug): wiwo.de, 13.08.2012; ndr.de, 08.08.2012; welt.de, dewezet.de, 07.08.2012

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv