Gundremmingen: Erneut Hinweis auf defektes Brennelement

Im Atomkraftwerk Gundremmingen gibt es erneut Hinweise auf ein defektes Brennelement. Trotzdem bleibt die Anlage vollständig in Betrieb. Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung der letzten zwei Siedewasserreaktoren in Deutschland.

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 20. August 1995

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 20. August 1995

„Die Anlage müsse nicht abgeschaltet werden“, schreibt der Betreiber RWE. Denn das Kraftwerk sei „so ausgelegt, dass es auch mit defekten Brennelementen betrieben werden könne“. Alle Grenzwerte würden sicher eingehalten. Nach Ansicht der Kraftwerksleitung handele es sich bei dem Defekt nicht mal um ein Ereignis, das nach dem Atomrecht als meldepflichtig eingestuft wird.

  • Schadhafte Brennelemente bedeuten immer auch eine erhöhte Freisetzung von radioaktiven Stoffen in das Kühlwasser. Der Betreiber verweist auf spezielle Filter – aber auch immer auf Abgaben an die Umwelt, die „unterhalb der Grenzwerte“ liegen. Das ist auch keine Kunst – denn Grenzwerte wurden entsprechend ausgelegt, dass sie den reibungslosen Betrieb der Atomkraftwerke garantieren, merken Atomkraftgegner an.

Defekte Brennelemente haben im AKW Gundremmingen schon fast „Tradition“ und lassen den Verdacht eines Serienfehlers zu: Mitte September wurde Block B vorsorglich abgeschaltet, um ein Brennelement zu tauschen. Mitte März war ebenfalls ein Leck in einem Brennstab aufgefallen, der Meiler lief dann aber noch bis zum Beginn der Jahresrevision am 06. April weiter – dann wurde getauscht. Betreiber RWE teilt auf seiner Webseite mit, dass „drei unbeschädigte Mischoxid-Brennstäbe aus Block B in einem Speziallabor untersucht“ würden. „Die Erkenntnisse daraus sollen unter anderem dazu genutzt werden, Rückschlüsse auf Schadensmechanismen für defekte Brennstäbe gewinnen zu können“, so RWE. Laut einem Kraftwerkssprecher kommen derzeit in Block B aber keine MOX-Brennelemente, die neben Uran auch aus dem Ultragift Plutonium bestehen, zum Einsatz.

Atomkraftgegner weisen jetzt erneut auf diesen offentsichtlichen Serienfehler hin: denn schon seit etwa dem Jahr 2010 häufen sich undichte Spaltstäbe im AKW Gundremmingen. Bisher habe das AKW aber noch keine Ursache der Undichtheit mitgeteilt, so Raimund Kamm von der Initiative „FORUM“. Insbesondere wurden im Vorgriff auf die beantragte Leistungsausweitung für die beiden Blöcke die Spaltelemente stärker gemacht indem die Anreicherung mit dem eigentlichen Spaltstoff, dem Uran-235 und dem Plutonium-239, erhöht wurde. Und offenbar, so Kamm, „wird diese Technik nicht sicher beherrscht“.

„Aus Sicht von uns Gesundheits- und Umweltschützern ist es unverantwortlich ohne Klärung der Schadensursachen und ohne bessere Qualität bei den Spaltelementen die Reaktoren einfach weiter laufen zu lassen. Denn undichte Spaltelemente führen tendenziell zu höheren Abgaben von Radioaktivität über den Abgaskamin und über das Abwasser. Zwar werden wohl die Grenzwerte eingehalten, aber diese sind nicht so bemessen, dass keine gesundheitlichen Schäden wie Krebserkrankungen zu befürchten wären“, so Kamm. „Wann endlich schreitet die Bayerische Atomaufsicht ein?“

  • Defekte Brennelemente im AKW Gundremmingen-B
    18. September 2013 – Das Atomkraftwerk Gundremmingen-B muss wegen defekter Brennelemente vom Netz. Die Anlage sei “dafür ausgelegt”, meint Betreiber RWE. Atomkraftgegner fordern erneut die sofortige Stilllegung der letzten Siederwasserreaktoren in Deutschland.
  • Defektes Brennelement im AKW Gundremmingen-B
    24. März 2013 – Im Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen gibt es erneut Hinweise auf einen Brennelement-Defekt. Der Block wird in Kürze zur jährlichen Revision abgeschaltet. Atomkraftgegner warnen vor erhöhter Strahlung, der Betreiber beschwichtigt.
  • Falsches Spiel um defekte Brennelemente im AKW Gundremmingen
    9. April 2013 – Seit etwa 2010 fallen im AKW Gundremmingen vermehrt undichte Spaltelemente auf. “2012 hat es in Block C keine Brennelementdefekte gegeben”, berichtet der Betreiber der letzten Siederwasserreaktoren in Deutschland. Atomkraftgegner unterstellen falsches Spiel, denn nach der Revision 2012 war sehr wohl von undichten Brennelemente berichtet worden. Der Betreiber ist zur Zeit in Block B auf der Suche nach neuen Defekten.
  • Sicherheitsexperten: Das AKW Gundremmingen ist nicht sicher
    31. Juli 2013 – Die Bürgerinitiative FORUM hatte den Wiener Professor und ehemaligen Leiter der Atomaufsicht im deutschen Bundesumweltministerium eingeladen. Er referierte über die Gefahren der zwei alten Gundremminger Siedewasserreaktoren. Dabei äußerte er sich auch zur beantragten Ausweitung der Leistung dieser Atommeiler.

Quellen (Auszug): swp.de, augsburger-allgemeine.de, atommuell-lager.de; 13.11.2013

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