Nach der Katastrophe von Fukushima hat sich die Hypo-Vereinsbank von der Atomkraft distanziert. Nun aber treiben die Geld-Manager neue Atomprojekte voran. Laut Süddeutsche geht es um viele hundert Millionen Euro etwa in Form von Garantien oder Krediten, u.a. für umstrittene Projekte in Tschechien, Russland oder Frankreich. Selbst Mitarbeiter warnen vor einem Image-GAU. Atomkraftgegner rufen zum Bankenwechsel auf.

Als es um die Finanzierung des bulgarischen AKW Belene ging, das auch mit deutscher Unterstützung in Erdbebengefährdetem Gebiet gebaut werden sollte, war die Hypo-Vereinsbank schon einmal wegen zweifelhafter Atomfinanzierung in der Schlagzeilen. Öffentlicher Druck sorgte im Oktober 2006 dafür, dass die Bank sich aus dem Geschäft zurückzog, weil “das finanzielle Risiko zu hoch” gewesen sei.

Die Katastrophe von Fukushima sollte den Kurs der Bank in Sachen Atomgeschäfte dann grundlegend ändern -- so schien es: “Wir vergeben keine Kredite mehr an Unternehmen, die sich dem Umweltthema nicht stellen”, sagte HVB-Vorstand Lutz Diederichs vor einem Jahr bei einer Veranstaltung der “Süddeutschen” in Frankfurt. Und Atomkraftwerke werde die Bank aus dem gleichen Grund nicht mehr finanzieren. Würden künftig AKWs finanziert werden, wäre “der nachhaltige Image-Schaden größer als der Gewinn in Euro”, so Diederichs.

Die HVB-Mutter Unicredit hatte sich schon 2007 strikte Richtlinien für Atomgeschäfte verordnet, berichtet die Süddeutsche. Auch Unicredit war wegen des AKW Belene in die Kritik geraten, und machte danach mit einem Regelwerk deutlich, dass “Investments in kritische Projekte, etwa die Finanzierung von Entwicklung und Bau problematischer neuer Atomkraftwerke, ausgeschlossen sind”.

Nur ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima zeigt sich jetzt, wie kurz die Halbwertszeit von Versprechen sein können, wenn es ums Geschäft einer angeschlagenen Branche geht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gibt es derzeit gleich mehrere Projekte zur Beteiligung der Bank an neuen Atomvorhaben, selbst für hochumstrittene Projekte gäbe es plötzlich grundsätzlich grünes Licht aus der Chefetage.

  • Der Ausbau des Pannenmeilers Temelin in Tschechien. Für acht Milliarden Euro soll die Anlage bis 2025 um zwei Reaktoren erweitert werden. Die HVB will trotz aller Bedenken gerne bei der Realisierung helfen. Für den französischen Atomkonzern Areva, der sich um die Durchführung der Neubauten bewirbt, ist sie internen Dokumenten zufolge im Bieterverfahren zu Garantien von bis zu 500 Millionen Euro bereit.
  • ein Exportkredit für den Neubau des umstrittenen Atomkraftwerks in Kaliningrad, dass in Russland an der Grenze zu Litauen gebaut werden soll, nur um Atomstrom u.a. nach Deutschland liefern zu können.
  • ein Kredit für den Ausbau der französischen Urananreicherungsanlage Georges Besse II.
  • eine Kreditlinie für eine grundsätzliche Kooperation zwischen Alstom und Rosatom bei AKW-Projekten.

Dass man sich mit derartigen Geschäften Kritik einfährt, ist den Managern durchaus bewusst. Deswegen sollen die Angelegenheiten in der Öffentlichkeit lieber nicht erscheinen. Bei Temelin gäbe es die Bedingung, “nicht als führende Bank” aufzutauchen, gegen eine “geräuschlose Beteiligung” habe man aber nichts.

Laut einer Sprecherin der HVB finde auch künftig keine “direkte Finanzierung von Atomkraftwerken” statt. “Im Zuge des Transformationsprozesses finanzieren wir beispielsweise -- bis zum vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie -- erforderliche Maßnahmen, wie Ersatzteile, Sicherheitssysteme und Entsorgungseinrichtungen, die notwendig sind, um den Transformationsprozess sicherzustellen.”

“Es wird die Hypo-Vereinsbank teuer zu stehen kommen, wenn sie an ihrem neuen Atomkurs festhält”, warnt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation Urgewald in der Süddeutschen. “Die Zeiten, in der sich die HVB rühmen konnte, Nachhaltigkeitsführer ihrer Branche zu sein, sind endgültig vorbei”.

Seit ihrem Eintritt in die Unicredit-Gruppe gelte offenbar die Devise: Geschäft um jeden Preis, und wenn dieser die nukleare Sicherheit sei.

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Quelle (Auszug): sueddeutsche.de, 27.09.2012


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