Während des Wahlkampfs versprach die neu gewählte kanadische Premierministerin Québecs, Pauline Maurois der linken Parti Québécois, Gentilly-2 – das einzige Atomkraftwerk in der Provinz – werde im Fall eines Wahlsiegs stillgelegt. Sie hat gewonnen.

Canada: AKW Gentilly; Bild: google.com

Canada: AKW Gentilly; Bild: google.com

Die am 19. September 2012 eingesetzte Regierung hat bestätigt, dass dass AKW Gentilly-2 stillgelegt werden soll. Dieses Vorhaben soll zum “Symbol von Québecs Engagement für die Umwelt und für das Wohlergehen künftiger Generationen” werden. Allerdings müsse die Schliessung “korrekt durchgeführt” werden. Betreiber und Ministerin für natürliche Ressourcen sollen einen vollständigen Bericht zu den verschiedenen Auswirkungen und den Bedingungen anfertigen, zudem soll ein Ausgleichs-Fonds in Höhe von 200 Millionen Kanadische Dollar (etwa 157 Millionen Euro) eingerichtet werden.

Das Atomkraftwerk mit einem CANDU-Reaktor ist seit Ende 1982 in Betrieb. Aufgrund einer Pannenserie steht es seit Ende Juli still. Bei derzeit durchgeführten Wartungsarbeiten seien “erhebliche Sicherheitsmängel” zu Tage getreten. Die Erneuerung des 28 Jahre alten Reaktors würde laut Spiegel etwa zwei Milliarden Dollar kosten. Das AKW steht noch dazu in einem Gebiet, das als Erdbeben gefährdet gilt.

Trotzdem verlängerte die Canadian Nuclear Safety Commission (CNSC) zum 01. Juli 2011 die Betriebsbewilligung der Einheit um weitere fünf Jahre – das heisst bis zum 30. Juni 2016. Zuvor hatten drei öffentlichen Anhörungen stattgefunden, bei dem u.a. ein Tortenwerfer für Aufruhr sorgte.

  • Einen konkreten Abschalttermin gibt es noch nicht. Es ist aber ein weiterer Reaktor, der aus politischer Motivation für immer stillgelegt werden soll!

Gentilly-1 war der Prototyp des CANDU-Siedewasserreaktors, der auf der Grundlage des Designs für einen Siedeschwerwasserreaktor entwickelt wurde. Alle technischen Erwartungen hatten sich jedoch nicht erfüllt und in sieben Jahren Betriebszeit wurde aufgrund zahlreicher technischer Probleme nur an 180 Tagen Strom ins Netz gespeist. Der Reaktor wurde 1977 stillgelegt.

In Canada befinden sich 18 Reaktoren am Netz und haben einen Anteil von etwa 15 Prozent an der Stromerzeugung. In Québec wird die meiste Energie aus Wasserkraftwerken bezogen, das AKW trägt nur mit zwei Prozent bei.

  • AKW Fessenheim wird Ende 2016 stillgelegt!
    14. September 2012 – Das hochumstrittene Atomkraftwerk Fessenheim wird Ende 2016 endgültig abgeschaltet. Dieses Versprechen äußerte der französische Präsident Hollande am Freitag in Paris. Die zwei ältesten Meiler des Landes liegen direkt an der deutschen Grenze am Rhein, in erdbebengefährdeter Region. Zahlreiche Pannen und Zwischenfälle haben sich ereignet, zuletzt vergangene Woche.
  • Spanischer Uralt-Reaktor vor dem Aus
    11. September 2012 – Das älteste Atomkraftwerk in Spanien steht vor dem endgültigen Aus. Es hätte eigentlich schon 2011 vom Netz gehen sollen, nun wurde auf eine Laufzeitverlängerung verzichtet. Damit muss der Meiler im Juli 2013 vom Netz. Atomkraftgegner feiern den Erfolg eines jahrzehntelangen Kampfes.
  • Statusbericht: Die meisten AKW-Neubauprojekte wurden storniert, verschoben oder annulliert
    8. Juli 2012 – Die Atomkatastrophe von Fukushima hat die Situation der Atomindustrie weltweit dramatisch verändert: in zahlreichen Ländern werden Reaktoren stillgelegt und AKW-Projekte aufgegeben, schreibt Energieexperte Mycle Schneider im “World Nuclear Industry Status Report 2012?. Die Branche leidet aber nicht nur unter dem GAU, sondern auch unter der globalen Wirtschaftskrise, der Konkurrenz anderer Energiequellen, vornehmlich Gas und Erneuerbare, und eigenen Planungs- und Managementproblemen. Kurz: Die Atomenergie befindet sich im Niedergang – und Neubauten rechnen sich nicht mehr.

Quellen: nuklearforum.ch, renewablesb2b.com, 26.09.2012 / klimaretter.info; 24.09.2012


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