Frankreich: Stilllegung von Schrottreaktor Fessenheim ungewiss

Das französische Atomkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze wird vielleicht doch nicht wie geplant bis Ende 2016 vom Netz genommen. Erst müsse ein neues AKW den Betrieb aufnehmen. Präsident Hollande würde mit diesem falschen Spiel ein Wahlversprechen brechen. Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung der alten Meiler.

Greenpeace-Aktion am AKW Fessenheim, 28.03.2014; Bild: Greenpeace

Greenpeace-Aktion am AKW Fessenheim, 28.03.2014; Bild: Greenpeace

Die französische Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal „wisse noch nicht, welche Reaktoren im Rahmen der Energiewende abgeschaltet würden“. Es müsse der Europäische Druckwasserreaktor Flamanville-3 2016 den Betrieb aufnehmen, dann könnten zwei andere Reaktoren vom Netz gehen, so die Ministerin. Das wären dann die ältesten Blöcke des Landes, Fessenheim. Was aber passiert, wenn Flamanville-3 nicht wie geplant ans Netz geht, dazu äußert sich die Regierung nicht. Im Wahlkampf hatte der französische Präsident François Hollande die Stilllegung bis Ende 2016 zugesagt.

Die Nationalversammlung berät von diesem Mittwoch an in Paris über das Gesetz zur Energiewende, mit dessen Hilfe der Anteil der Atomkraft bei der Stromherstellung bis 2015 von 75 auf 70 Prozent verringert werden. Die Schließung von Fessenheim steht jedoch nicht im Gesetz.

Frankreich hat ein Problem, denn schon in zwei Jahren könnten der Strom im Winter knapp werden. Das Land, das über 50 Reaktoren betreibt, bangt vor dem Blackout, weil zahlreiche AKW wegen Problemen vom Netz gehen könnten. Hintergrund sind Risse in Dampferzeugern, die in britischen Meilern gefunden wurden. Würden sich die Fehler auch in Frankreich bestätigen, könnten mehr als ein Dutzend Reaktoren von Abschaltungen betroffen sein. Die französische Atomaufsicht rät bereits, für Ersatzkapazitäten zu sorgen.

Doch auch die Inbetriebnahme des „EPR“ in Flamanville könnte sich verzögern. Frankreich begann im Dezember 2007 nach dem ersten Meiler im finnischen Olkiluoto mit dem Bau eines zweiten „EPR“ im eigenen Land. 2011 wurde bekannt, dass sich die Fertigstellung um vorraussichtlich weitere zwei Jahre verzögern wird. Die Inbetriebnahme sei für 2016 geplant, doch ursprünglich sollte das neue Atomkraftwerk bereits 2012 in Betrieb gehen. 2010 war der Termin nach einer Reihe von technischen Problemen auf 2014 verschoben worden. Die Kosten für den angeblich “inhärent sicheren Reaktor” beziffert EDF auf sechs Milliarden Euro – fast doppelt soviel wie die ursprünglich veranschlagte Summe von 3,3 Milliarden Euro.

Atomkraftgegner halten die Meiler von Fessenheim für besonders gefährlich und fordern das sofortige Betriebsende. Es besteht erhöhte Erdbebengefahr und Fessenheim ist unzureichend geschützt. Auch gibt es Überflutungsrisiko und mangelhafte Sicherheit gegen Terrorschläge. Mit jedem Betriebstag nimmt das Risiko eines schweren Unfalls zu, weil Material ermüdet oder bestimmte Komponenten gar nicht gewartet und ausgetauscht werden können. Auch der neue „EPR“ ist kein Wunderkind der Technik, denn er produziert wie alle Meiler Atommüll, für den es keine Entsorgungslösung gibt. Gleichzeitig ist das Risiko schwerer Unfälle vielleicht rechnerisch geringer, doch nicht ausgeschlossen.

Frankreich müsse umgehend Fakten schaffen und neben einer sofortigen Abschaltung des alten AKW Fessenheim einen konkreten Massnahmenkatalog vorlegen, um aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen, fordern deutsche Atomkraftgegner.

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Quelle (Auszug): dpa, 29.9.2014

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