„Stop Risking Europe“: Protest am AKW Fessenheim

Über 60 Greenpeace-Aktivisten protestierten am Dienstag am Atomkraftwerk Fessenheim in Frankreich gegen die verfehlte Energiepolitik in Europa.

Greenpeace-Aktion am AKW Fessenheim, 28.03.2014; Bild: Greenpeace

Greenpeace-Aktion am AKW Fessenheim, 28.03.2014; Bild: Greenpeace

Die mehr als sechzig Aktivisten aus 14 Ländern waren in den Morgenstunden auf das Gelände gekommen. Einige Kletteraktivisten haben anschließend ein 14 mal 15 Meter großes Banner an der Fassade von Reaktor 1 angebracht. Später am Vormittag entrollten mehrere Aktivisten in Schlauchbooten ein 4 mal 8 Meter großes Schwimmbanner mit der Botschaft: „Future is renewable. Stop nuclear“ („Die Zukunft ist erneuerbar. Stoppt Atomkraft“). Nach sechs Stunden wurde der Protest am frühen Nachmittag von der Polizei beendet, 57 Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen.

Im Herzen Europas, unmittelbar hinter der deutschen Grenze, liegt das AKW in einer der seismisch aktivsten Regionen Europas. Eine Ausbreitungsrechnung von Greenpeace zeigt, dass nach einem Reaktorunfall an dem Kraftwerk weite Teile Deutschlands radioaktiv verseucht werden könnten (s. Ausbreitungskarte unten). Mit 37 Jahren Betriebslaufzeit ist das AKW einer der ältesten Meiler Europas.

„Aus Sicherheitsgründen muss Fessenheim sofort abgeschaltet werden“, sagt Susanne Neubronner, Greenpeace-Atomexpertin. „Das kann jedoch nur der Anfang sein. Viele veraltete Reaktoren in Europa müssen folgen, da sie eine täglich wachsende Gefahr für die Bevölkerung sind.“

Die beteiligten Aktivisten sind aus allen Teilen Europas nach Fessenheim gekommen, um gegen das Kraftwerk zu protestieren. Die Überalterung von Atomkraftwerken ist kein singuläres Problem Frankreichs, sondern betrifft ganz Europa: 66 der 151 europäischen AKW sind bereits älter als 30 Jahre, einige sind schon mehr als 40 Jahre am Netz. Ein von Greenpeace veröffentlichter Report zeigt, dass mit dem Alter die Gefahr eines schweren Unfalls stetig steigt.

Gefahr durch überalterte Meiler

Ausbreitungsrechnung Fessenheim, Karte: fleyrisk / Greenpeace

Ausbreitungsrechnung Fessenheim, Karte: fleyrisk / Greenpeace

Durch Nachrüstungen und Reparaturen lässt sich das Problem nicht lösen. Langfristig verschlechtert sich der Gesamtzustand von Atommeilern durch Materialermüdung und Verschleiß. Die Bauteile mit der größten Relevanz für die Sicherheit – etwa der Reaktordruckbehälter – können nicht ausgetauscht werden.

Trotz der Gefahr, die von den überalterten Anlagen ausgeht, plant nicht zuletzt Frankreich, die AKW-Laufzeiten weiter zu verlängern. In Frankreich soll die Erzeugerleistung der AKW sogar noch angehoben werden. Noch im Wahlkampf 2012 hatte Präsident Francoise Hollande versprochen, das AKW Fessenheim im Jahr 2017 abzuschalten und bis 2025 den Anteil von Atomstrom von 75 auf 50 Prozent zu reduzieren. Die gesetzliche Grundlage dafür hat er jedoch nicht geschaffen.

Am 20. und 21. März wollen sich die EU-Staatschefs treffen und diskutieren, wie der europäische Energiemix im Jahr 2030 aussehen soll. Zwar plädieren viele Staaten, so auch Frankreich, für Klimaschutzziele, doch ehrgeizige und bindende Ziele für den Ausbau Erneuerbarer Energien wollen sie nicht beschließen. Die geplanten Laufzeitverlängerungen drohen so die Abhängigkeit vom Atomstrom über Jahrzehnte zu zementieren.

Deshalb fordert Greenpeace ein für jedes Mitgliedsland verbindliches Ausbauziel für Erneuerbare Energien von mindestens 45 Prozent bis zum Jahr 2030.

„Merkel darf sich nicht mit wachsweichen Kompromissen abspeisen lassen. Sonst wird sie zum Türöffner für ein wachsendes Atomrisiko in Europa“, kommentiert Neubronner.

  • Mitmachen: AKWs Fessenheim und Cattenom abschalten
    Frankreich darf Europa nicht weiter mit einem drohenden Atomunfall gefährden! Protestmail an Präsident Hollande schreiben. – www.greenpeace.de

httpv://www.youtube.com/watch?v=_y6ZypgSM28

  • Frankreich: Hüllrohrschäden in 25 Reaktoren
    22. Februar 2014 – In 25 der 58 französischen Atomkraftwerke sind laut Medienberichten Schäden an Hüllrohren der Brennelemente festgestellt worden. Betroffen sein soll auch das älteste AKW des Landes in Fessenheim, das direkt an der deutschen Grenze steht.
  • AKW Fessenheim: TRAS zieht Klage an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiter
    25. November 2013 – Nach Ablehnung der sofortigen Schliessung des AKW Fessenheim durch das oberste französische Verwaltungsgericht (Conseil d’Etat), zieht der Trinationale Atomschutzverband (TRAS) seine Klage an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg weiter. TRAS erachtet es als erwiesen, dass Frankreich das Recht auf Schutz des Lebens als auch verfahrensrechtliche Bestimmungen verletzt hat.
  • Marodes Atomkraftwerk Fessenheim darf weiter am Netz bleiben
    16. Mai 2013 – Die Berufungskammer des Verwaltungsgerichts im französischen Nancy urteilt: das marode Atomkraftwerke Fessenheim an der Grenze zu Deutschland darf weiter in Betrieb bleiben. Eine Klage über die sofortige Schließung des ältesten AKW im Land wurde abgewiesen.
  • “Nationale Angelegenheit”: Französisches AKW Cattenom soll bis 2052 laufen
    16. März 2013 – Die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF investiert weiter in das grenznahe Atomkraftwerk in Cattenom. Noch bis 2052 sollen die Meiler laufen. Unterdessen lehnt die deutsche Bundesregierung ab, mit dem Nachbarstaat Verhandlungen über ein schneller Aus zu führen. Atomkraftgegner sind erbost, denn ein Atomunfall macht vor Grenzen nicht halt.

Quelle: greenpeace.de, 18.03.2014

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