Stena Line bestätigt: Radioaktive Fracht auf Passagierfähren über die Ostsee

Die Reederei Stena-Line hat bestätigt, dass auf ihren Passagierfähren auf der Ostsee-Route Rostock – Trelleborg Atomtransporte durchgeführt werden. Atomkraftgegner warnen vor unkalkulierbaren Risiken.

Uranhexafluorid wird zusammen mit Hunderten Passagieren auf Ostseefähren zwischen Rostock und dem schwedischen Hafen Trelleborg befördert. Die Stena-Line bestätigte kürzlich diese Transporte: Im Januar dieses Jahres seien es sechs mit insgesamt 57 Tonnen gewesen, im vergangenen Jahr hätten fünf Transporte stattgefunden.

Uranhexafluorid ist ein aggressiver Stoff, der bei Freisetzung zusammen mit Luftfeuchtigkeit zu schweren Verätzungen der Luftwege führt. Es besteht zudem ein Explosions- und Brandrisiko, warnen Atomkraftgegner. „Man setzt die Passagiere einer potenziellen Lebensgefahr aus“, meint Rolf Lindahl, Atomkraftexperte von Greenpeace Schweden in der „tageszeitung“. Eine Reportage in der schwedischen Zeitschrift Filter hatte erstmals konkret auf Zahlen hingewiesen. Im Juni 2013 hatte Panorama bereits dazu berichtet.

  • Laut „taz“ teilten die Ostsee-Fährschiffreedereien TT-Line, Viking und Tallink auf Anfrage mit, solche Transporte abzulehnen.

Laut Stena-Line sind die Transporte sicher, schließlich seien sie „von den zuständigen Behörden in Deutschland und Schweden genehmigt“. Es gäbe außerdem Bedarf bei Frachtkunden. Doch wie bei den meisten Atomtransporten in Deutschland sind weder hier noch in Schweden der zuständige Katastrophenschutz in den Häfen, also die Feuerwehr, informiert.

Laut der Strahlenschutzbehörde SSM werden die Transporte geheim gehalten, weil Sabotage oder Diebstahl des Stoffes möglich seien. Besonders für Länder die ein Atomwaffenprogramm entwickeln wollten, sei Uranhexafluorid von großem Interesse. Grundsätzlich wird es zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke genutzt. In Deutschland ist ein Absender des Stoffs die Urananreicherungsanlage Gronau in Westfalen, Empfänger ist die Brennelementeproduktion der Firma Westinghouse Electric im schwedischen Västerås.

httpv://www.youtube.com/watch?v=R3sBqquvDOo

  • Atomtransporte auf Passagierfähren
    22. Juni 2013 – Die Passagiere sitzen auf dem Sonnendeck und freuen sich auf den Urlaub. Was sie nicht wissen: Mit ihnen, im Bauch der Fähre, fährt radioaktives Material mit. Auf Lkw oder in Güterwaggons wird regelmäßig “Gefahrgut der Klasse 7? auf Personenfähren transportiert, so etwa von Rostock ins schwedische Trelleborg und zurück. Das haben Recherchen von Panorama 3 ergeben. Atomkraftgegner fordern ein generelles Verbot von Atomtransporten.
  • Atomtransporte über Bremen bleiben weiter verboten
    18. Juni 2013 — Die CDU ist mit ihrem Antrag gegen das Verbot von Atomtransporten in Bremen kläglich gescheitert. Der Staatsgerichtshof Bremen hat den CDU-Vorstoß für unzulässig erklärt: Die Länder könnten selbst entscheiden, was in den Häfen umgeschlagen wird. Das garantiere die Verfassungsautonomie der zuständigen Länderregierungen und nicht die Wünsche der Konzerne.
  • Hamburg: Sicherheitsmängel bei Atomtransporten
    4. März 2014 – Bei zahlreichen Atomtransporten im Hamburger Hafen sind Sicherheitsmängel festgestellt worden. Pro Jahr werden dort etwa 260 Atomtransporte abgewickelt – eine der “atomaren Drehscheiben” in Deutschland. Atomkraftgegner fordern die Entwidmung des Hafens für diese Transporte.
  • Hamburg weiter Drehscheibe für Atomtransporte
    21. November 2013 – Die Bürgerschaftsfraktion Die Linke in Hamburg hat neue Daten erfragt. Im Ergebnis wird klar: die Stadt ist weiter Drehsscheibe für Atomtransporte. Zwischen Mai und Oktober sind allein 59 Transporte gerollt.

Quelle (Auszug): taz.de, 25.03.2014

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