Gefährlich hoher Druck im Reaktor: Akute Unfallgefahr im Atomkraftwerk Gundremmingen

Nach Informationen der Ärzteorganisation IPPNW geht von dem Atomkraftwerk Gundremmingen eine erhebliche Gefahr aus: „Der Turbinenkondensator kann jederzeit und mit erschreckend hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen. Die Folge wäre ein plötzlicher Druckstoß im Reaktor, der den so genannten Auslegungsdruck weit überschreitet“, warnt IPPNW-Atomenergieexperte Henrik Paulitz.

Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) und dem TÜV Süd muss rein statistisch gesehen etwa alle 1,4 Jahre mit der Auslösung dieses Störfalls gerechnet werden. Das Hauptproblem bei diesem Unfallszenario ist, dass sich die Ventile in den Frischdampfleitungen schlagartig schließen. Dies führt zu einer beschleunigten Zunahme der atomaren Kettenreaktionen und zu einem explosiven Druckstoß im Reaktor.

Einer Störfallsimulation von Siemens ist zu entnehmen, dass der Druck bei diesem Störfall auf etwa das 2,7-fache des normalen Betriebsdrucks ansteigt. Es könnte daher sein, dass der Druck in Gundremmingen auf eine Größenordnung von 190 bar hochschnellt. Laut GRS/TÜV Süd ist aber bereits ab etwa 120 bar mit dem Versagen des Reaktordruckbehälters zu rechnen. Aktuelle Berechnungen haben zudem ergeben, dass an einer Schweißnaht des Reaktordruckbehälters gefährliche und unzulässige Spannungen auftreten können.

Der Physiker Reiner Szepan, der vor Jahren im Auftrag der GRS Sicherheitsanalysen für Atomkraftwerke durchgeführt hat, warnt davor, dass der explosionsartige Druckstoß auch zur Beschädigung von Armaturen führen kann, die für die Störfall-Beherrschung zwingend erforderlich sind.

Auch die offiziellen Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind laut Szepan falsch. Berechnungen der GRS und des TÜV Süd zufolge wäre ein Atomunfall in Gundremmingen sehr unwahrscheinlich. Der Spezialist hat nachgerechnet und kommt demgegenüber zum Ergebnis, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Atomunfall in Gundremmingen um mehrere Größenordnungen über derjenigen liegt, von der die Atomaufsichtsbehörde bislang offiziell ausgeht.

„Die Betriebsgenehmigung beruht insofern auf fehlerhaften Grundlagen“, so Paulitz. „Selbstverständlich ist es auch unzulässig, dass bei einem mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Störfall Druckspitzen weit oberhalb des Auslegungsdrucks auftreten. Derartige Belastungen sind in einem Atomkraftwerk ungeheuer gefährlich und können jederzeit zum Super-GAU führen. Keine Frage: Gundremmingen muss umgehend abgeschaltet werden, bevor dort etwas passiert.“

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 5. Mai 1995

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 5. Mai 1995

Wenn es im Atomkraftwerk Gundremmingen zum Super-GAU käme, wären Millionen Menschen von den Folgen betroffen. Denn das Atomkraftwerk Gundremmingen steht, anders als Fukushima, nicht in Küstennähe, so dass praktisch die gesamte Radioaktivität über besiedeltem Gebiet niedergehen würde.

  • 30 Jahre Groß-AKW Gundremmingen – ohne ausreichende Haftpflichtversicherung und ohne Entsorgung
    4. April 2014 – Der zweite Teil des AKW Gundremmingen wird in diesen Tagen 30 Jahre alt. Er hat viel Strom geliefert und einige hundert Bürger wohlhabend gemacht. Bisher hatte dieser Teil keinen Unfall mit Totalschaden wie ihn im Jahre 1977 mit Block A der erste Teil hatte. Block B und C haben zugleich – angeblich unter Einhaltung der Grenzwerte – krankmachende Radioaktivität in die Luft und das Donauwasser abgegeben. Und sie haben Atommüll erzeugt, von dem noch kein Kilo entsorgt worden ist. Wofür unsere Nachkommen uns verfluchen werden.
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    7. März 2014 – Existenzielle Sicherheitsnachweise fehlen dem AKW Gundremmingen. Und dennoch greift die verantwortliche Bayerische Atomaufsicht nicht ein. Ohnehin gilt dieses größte Kernkraftwerk Deutschlands wegen seiner zwei veralteten Siedewasserreaktoren als das gefährlichste AKW Deutschlands. Es muss zum Schutze der Menschen mindestens so lange abgeschaltet werden, bis die Sicherheitsnachweise vorliegen.

Quelle: ippnw.de, 03.04.2014

Ein Kommentar zu Gefährlich hoher Druck im Reaktor: Akute Unfallgefahr im Atomkraftwerk Gundremmingen

  • Jonas sagt:

    Hmm, also da müsst ihr nochmal auf Eure Zahlen achten. Nach Euren Zahlen müsste dieser Unfall schon so ca. 15 mal in diesem Kraftwerk aufgetreten sein. Mir ist etwas derartiges nicht bekannt. Das Infoblatt der IPPNW gibt als Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall der Tubinenkondensatoren 0,75/a an. Mit anderen Worten: dass dieser Störfall in diesem Jahr (2014) eintritt hat eine Wahrscheinlichkeit von 75%, das erscheint mir etwas viel. Auch wird der Artikel der IPPNW hier nicht richtig wiedergegeben. Die IPPNW gibt als Ausfallwahrscheinlichkeit der Kondensatorturbine zwar 75% pro Jahr an, sagt aber, dass die oben beschriebene Katastrophe nur bei gleichzeitigem Ausfall von EINEM Steuerstab eintritt. Auch dieses erscheint mir etwas zu hoch gerechnet worden zu sein. Da ein Kernkraftwerk mehrere Duzend Steuerstäbe hat. Aber auch dieser Störfall, also Ausfall der Turbinenkondensatoren plus Ausfall eines Steuerstabes, wird von der IPPNW mit 0.0015/a also 0,15% angegeben. Diese Zahl ist von der oben angegebenen Wahrscheinlichkeit weit entfernt. Bitte überprüft nochmal alles, sonst leidet wohlmöglich die Glaubwürdigkeit von contatom. Immer schön Grün bleiben. Euer Jo

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