Niedersachsen will gefährlichen MOX-Einsatz in Reaktoren beenden

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will den Einsatz von hochumstrittenen Plutonium-Brennelementen beenden. Atomkraftgegner kritisieren seit Jahren deren Einsatz, der das Risiko des AKW-Betriebs noch wesentlich erhöht.

Proteste gegen MOX-Schiff, Nordenham, 18.11.2012 / Bild: publixviewing.de

Proteste gegen MOX-Schiff, Nordenham, 18.11.2012 / Bild: publixviewing.de

Gestern veröffentlichte das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz einen Zwischenbericht zu den laufenden Prüfung der Sicherheit der Atomkraftwerke, die nach dem GAU von Fukushima angeordnet worden waren. Zahlreiche Verbesserungen seien bereits umgesetzt, es gäbe aber auch noch Lücken. In den AKW Emsland und Grohnde fehle beispielsweise noch die Überprüfung und gegebenenfalls Optimierung der Anforderungen an das System der Druckentlastung des Sicherheitsbehälters bei einem plötzlichen Stromausfall. In Grohnde müssten noch konkrete Maßnahmen an zusätzlich beschafften Notstromaggregaten umgesetzt werden. Wenzel hatte zusätzlich zu den national und international geforderten Prüfungen eine unabhängige Sicherheitsüberprüfung eingeleitet.

„Für uns steht der Schutz der Bevölkerung an erster Stelle“, so Wenzel. „Wir treten jetzt in eine schwierige Phase ein, weil die Atomkraftwerke an das Ende ihrer Laufzeit kommen, aber bis zum allerletzten Tag die maximale Sicherheit des Betriebes gewährleistet werden muss.“

Auch eine kritische und „umfassende Sicherheitsüberprüfung“ des Einsatzes von sogenannten MOX-Brennelementen (Plutonium-Uran-Gemisch) sei im Januar zum Abschluss gebracht worden. Zwar berufen sich die Gutachter in einem Papier, in dem zu zahlreichen Kritikpunkten u.a. von Greenpeace Stellung bezogen wird, immer wieder auf bestehende Genehmigungen. Es habe laut des Papiers noch keine Probleme bei der MOX-Nutzung in den zwei niedersächsischen AKW gegeben. Aus Sicht des Bundesamt für Strahlenschutz, die auch Bezug auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima nehmen, spricht nichts für ein Verbot.

Doch diese Aussagen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass MOX-Brennelemente die Handhabung und den Transport des Ultra-Gifts Plutonium voraussetzen. Wenzel will den MOX-Einsatz beenden – zumindest in Grohnde und Emsland. Er könnte damit ein Signal an die anderen Bundesländer senden, in denen noch AKW betrieben werden.

Proteste gegen MOX-Schiff, Nordenham, 18.11.2012 / Bild: publixviewing.de

Proteste gegen MOX-Schiff, Nordenham, 18.11.2012 / Bild: publixviewing.de

Atomkraftgegner fordern ein Verbot von MOX-BE, da es sich um eine definitive Risiko-Erhöhung des Reaktorbetriebs handelt. Gegen die Anlieferung von Brennstäben zum AKW Grohnde hatte es im September und November 2012 erhebliche Proteste gegeben.

  • Atomminister Robert Habeck soll gefährlichen Plutonium-Einsatz im Atomkraftwerk Brokdorf stoppen!
    22. Mai 2013 – Nach dem Brand auf dem mit radioaktiven Stoffen beladenen Containerschiff “Alantic Cartier” in Hamburg und dem geplanten Transport von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen durch Hamburg warnt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW den schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck vor dem weiteren MOX-Einsatz im Atomkraftwerk Brokdorf. Hintergrund ist die Kritik des MOX-Spezialisten Wolfgang Faber, der bei der E.On Kernkraft GmbH als Leiter für den Einsatz von Brennelementen verantwortlich ist. Das eindeutige Votum des Brennelement-Spezialisten wird allerdings vom Vorstandsvorsitzenden der E.On AG, Johannes Teyssen, ignoriert.
  • AKW Grohnde wieder am Netz – MOX-Einsatz soll auf den Prüfstand
    14. Mai 2013 – Nach gut fünf Wochen ist seit heute das Atomkraftwerk im niedersächsischen Grohnde wieder am Netz. Unter anderem sind nun auch acht Brennelemente mit Plutonium im Einsatz. Der Einsatz dieser umstrittenen Brennstäbe soll künftig auf den Prüfstand.
  • Nach massiven Protesten erreichen Plutonium-Transporter AKW Grohnde
    18. November 2012 – Das Atom-Schiff “Atlantic Osprey” mit plutoniumhaltigen Brennelementen für das niedersächsische Atomkraftwerk Grohnde an Bord erreicht unter Begleitung von Atomkraftgegner den Zielhafen Nordenham. Von dort rollt die radioaktive Fracht über Autobahnen zum AKW. Viele Stunden harren Aktivisten am Anleger und vor dem AKW aus, dutzende Traktoren unterstützen Sitzblockaden. Die Polizei bekommt Probleme und setzt sich am Ende mit Gewalt durch. Wir fordern: Atomanlagen stilllegen! MOX sofort verbieten!
  • Plutonium-Brennelemente: Atomkraftgegner fordern Verbot im Atomgesetz
    12. September 2012 – Atomkraftgegner haben im Vorfeld des geplanten Transportes von Sellafield nach Grohnde ein Verbot des Einsatzes und Transportes von plutoniumhaltigen Mischoxidbrennelementen im Atomgesetz gefordert. E-On-Vorgängerin pochte im Jahr 2000 auf den Einsatz von MOX-Brennelementen.
  • Gefahr MOX-Brennelemente
    12. Dezember 2011 – Mischoxid-Brennstoff: Sie sind der Inbegriff für den Mythos des “geschlossenen Brennstoffkreislauf” für Atomkraftwerke: Aus verbrauchten Brennelementen wird in Wiederaufarbeitungsanlagen das Uran und Plutonium herausgelöst, um schließlich daraus wieder Brennstäbe zu fertigen. Eine Art “Recycling” mit dem bitteren Beigeschmack, da ein hochgefährliches Produkt mit Nebenwirkungen dabei entsteht. Atomkraftgegner fordern daher den sofortigen Stopp der Plutonium-Wirtschaft!

Quellen (Auszug): http://www.umwelt.niedersachsen.de, 26.03.2014

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