Verstrahlung in Gronau – Vier Jahre danach

Vier Jahre nach dem bisher schwersten Störfall in der Gronauer Urananreicherungsanlage warnen Bürgerinitiativen und Umweltverbände weiterhin vor den Gefahren der Anlage. Anläßlich des vierten Jahrestages des Störfalls, bei dem ein Arbeiter in der Anlage verstrahlt wurde, fordern der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und sein Dachverband, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), erneut die sofortige Stilllegung der bundesweit einzigartigen Atomfabrik. Und mit Blick auf die umstrittene Urananreicherung im Iran gerät die Anlage in Gronau auch immer mehr in den Fokus der Friedensbewegung.

Blockade der UAA Gronau, 22.07.2013; Bild: nirgendwo.info

Blockade der UAA Gronau, 22.07.2013; Bild: nirgendwo.info

Am 21. Januar 2010 wurde erstmals in der Urananreicherungsanlage ein Arbeiter verstrahlt. Er hatte einen angeblich leeren Urancontainer geöffnet, in dem sich allerdings noch eine Restmenge radioaktives Uranhexafluorid befand. Der Vorfall brachte zahlreiche Mängel beim Katastrophenschutz an das Tageslicht. Der Betroffene konnte im Gronauer Krankenhaus nicht behandelt werden und er musste insgesamt vier Krankenhäuser durchlaufen. Bei spontanen Demonstrationen im Januar 2010 wurde immer wieder gefragt: „Was passiert bei großen Uranfreisetzungen aus der Anlage oder bei einem Transportunfall mit Uranhexafluorid?“ Im Ernstfall könnten hunderte Menschen oder noch mehr betroffen und verletzt sein. Im ganzen Münsterland würden die Plätze in den Krankenhäusern für derartig viele Personen nicht ausreichen.

Seit dem Störfall in der Urananreicherungsanlage vor vier Jahren ist die Kritik an der Anlage nicht abgerissen. Massive Sorgen bereitet u. a. die ungelöste Entsorgung der Anlage. Neben ihr liegen unter dem freien Himmel Container mit abgereichertem Uranhexafluorid und in diesem Jahr soll zudem eine Lagerhalle für 60.000 Tonnen Uranmüll in Form von Uranoxid in Betrieb gehen. Der Betrieb der Anlage ist mit zahlreichen hochgefährlichen Urantransporten mit LKW und Sonderzügen verbunden und die ganze Anlage ist nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert. Ebenfalls stark kritisiert wird, dass RWE und E.ON, die deutschen Anteilseigner am Betreiberkonzern Urenco, ihre Anteile auf dem freien Markt verkaufen wollen. Da die Anreicherungstechnik (Zentrifugenverfahren) zum Bau von Atomwaffen genutzt werden kann, droht damit die Weiterverbreitung von Atomwaffentechnik. Aus diesem Grund richtet sich auch zunehmend der Protest der Friedensbewegung gegen die Anlage.

  • Die Anti-Atomkraft-Bewegung fordert die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage, damit Störfälle vermieden werden, damit in ihr nicht immer mehr Atommüll anfällt, damit sie kein weiteres Uran für den Betrieb weiterer Atomkraftwerke vorbereiten kann und damit eine möglich militärische Nutzung der Technik verhindert wird.

Der Protest gegen die Anlage hat seit dem Störfall 2010 rapide zugenommen. Unterstützt wird der örtliche Widerstand vom BBU, vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, von Robin Wood, vom Umweltverband BUND, von den Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) und vielen weiteren Umwelt- und Friedensorganisationen aus dem In- und Ausland. 2011 fand sogar mit 15.000 Menschen der bundesweit größte Ostermarsch in Gronau statt. Und auch in diesem Jahr wird es wieder einen Ostermarsch an der Urananreicherungsanlage geben. Nähere Informationen dazu sind beim beim Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau unter Tel. 02562-23125 erhältlich. Weitere Informationen folgen bald unter unter www.ostermarsch-gronau.de.

Quelle (Auszug): bbu-online.de, 22.01.2014

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