Erpressungsversuch der Atomkonzerne: RWE will abschalten

Energie-Expertin Claudia Kemfert wirft der Atom-Industrie „Drohgebärden“ vor und rät der Bundesregierung sich nicht erpressen zu lassen. Atomkraftgegner sichern RWE-Chef Terium „volle Unterstützung“ zu.

AKW Gundremmingen vom Netz!

AKW Gundremmingen vom Netz!

Als einen „Erpressungsversuch“ hat Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die Ankündigung des Stromerzeugers RWE bezeichnet, bei fallenden Strompreisen Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz zu nehmen. Die Bundesregierung sollte sich davon nicht beeindrucken lassen, sagte sie im Interview mit dem „WESER-KURIER“. Die Konzerne würden zusätzliche Zahlungen von der Bundesregierung erwirken wollen. Diesem Erpressungsversuch sollte man nicht erliegen, so Kempfert.

Jochen Stay, Sprecher von ausgestrahlt, sichert unterdessen Terium „volle Unterstützung“ zu, denn die angedrohte Abschaltung von AKW sei energiepolitisch sogar sinnvoll und würden für die Stromversorgung sowieso nicht mehr benötigt.

„Je weniger Atomreaktoren am Netz sind, um so eher lohnt es sich auch wieder, flexible Gaskraftwerke zu betreiben, die als wichtige Ergänzung zu den Erneuerbaren Energien für die Energiewende gebraucht werden“, so Stay. „Ohne AKW sinkt auch die EEG-Umlage, da der Strompreis an der Börse steigt. Das wichtigste Argument für das zügige Abschalten der Reaktoren bleibt aber, dass damit erhebliche Risiken vermieden werden können.“

Allerdings könnte RWE seine Atomkraftwerke an den Standorten Emsland und Gundremmingen gar nicht „einfach so“ abschalten, meint Claudia Kempfert. Denn Kraftwerke müssen zur Stilllegung angemeldet werden – und eine Genehmigung würden die Meiler in Regionen ohne Überkapazitäten wie Bayern nicht bekommen.

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Quellen (Auszug): ausgestrahlt.de, weser-kurier.de / presseportal.de; 21.01.2014

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