Zwischenlager Leese: Sicherheit muss verbessert werden

Wer in Niedersachsen über Atommülllagern redet, der spricht in der Regel von Gorleben, Asse oder Schacht Konrad. Doch auch im Landkreis Nienburg befindet sich ein Zwischenlager, das Probleme macht. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will dort „die Sicherheit verbessern“.

AtommüllfässerDer Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel will die Sicherheit im Zwischenlager Leese verbessern. Man halten das „insbesondere aus Strahlenschutzgründen für notwendig“, sagte der Minister in einer Bürgerversammlung am Montag vor einer Woche in Leese, zu der Gemeindebürgermeister Grant Hendrik Tonne und sowie der Gemeindedirektor der Samtgemeinde Mittelweser Bernd Müller eingeladen hatten. In Leese lagern unter staatlicher Aufsicht tausende Gebinde Abfälle aus den Bereichen Medizin, Forschung und Technik. Betreiber des Lagers ist die Braunschweiger Firma Eckert & Ziegler Nuclitec GmbH. Es handelt sich u.a. um 3.400 Abfallgebinde, die sich seit 1998 im Eigentum des Landes Niedersachsen befinden und aufgrund einer Anordnung des Gewerbeaufsichtsamtes Braunschweig konditioniert und in das Lager Leese transportiert wurden. Diese Abfälle sollen in dem Bundesendlager Schacht Konrad eingelagert werden. Dafür müssen sie aber erneut umverpackt werden.

Akuten Handlungsbedarf gibt es seit diesem Sommer, nachdem in dem Lager für schwachradioaktive Abfälle ein verrostetes Fass gefunden wurde. Es handelt sich um „Fass Nr. 1989“, an dem ei einer “Routinekontrolle” Rostschäden entdeckt worden waren. Das Fass gehört zu weiteren 1.485 Abfallgebinden, die bis 2000 aus der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg nach Leese umgelagert wurden. Das Lager war aus kostengründen geschlossen worden, die Abfallfässer, die damals teilweise schon Alterungserscheinungen zeigten, inspiziert und in das Lager Leese transportiert.

  • Anfang 2012 wurden in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Neckarwestheim verrostete Fässer mit strahlenden Abfällen entdeckt. Im Juli 2012 hatten Atomkraftgegner dann auf Kontrollen auch in Leese gedrängt, was der Betreiber vor einem Jahr aber ablehnte.

Im Juni forderte das Umweltministerium, dass der Betreiber das Fass „mechanisch stabilisiere“, um es anschließend zu Bergen und zu Reparieren. Bisher ist das laut „Hannover Zeitung“ aber nicht geschehen, denn laut Wenzel sei es „technisch aufwändig“. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass in den kommenden Jahren weitere der sogenannten Altfässer korrodieren – und die Bergung damit kein Einzelfall bleibt.

Das Umweltministerium schlägt nun als beste Option einen Hallenneubau für die „Altfässer“ vor, um die Lagerlogistik zu verbessern. Außerdem solle das zulässige Lagervolumen „auf das unbedingt notwendige und sicherheitstechnisch vertretbare Maß“ beschränkt werden.

In der Konsequenz will Wenzel nun in Niedersachsen auch die Aufsicht aller Zwischenlager bündeln. Bislang waren es verschiedene Gewerbeaufsichtsämter, die für die Sicherheit in Zwischenlagern für radioaktive Abfälle und auch mehreren Firmen, die sich mit Nuklearprodukten befassen, zuständig waren. Künftig sollen diese direkt vom Umweltministerium beaufsichtigt werden.

Atomkraftgegner begrüßen diese Schritte, denn in der Vergangenheit waren die Aufsichtsämter sehr unterschiedlich verfahren. Es sei „nicht streng genug“ überwacht worden, in Braunschweig hatten Atomkraftgegner sogar Strafanzeige gegen das Amt gestellt.

  • Niedersachsen: Atomkontrolle in einer Hand
    20. Dezember 2013 – Zwischenlager für radioaktive Abfälle und auch mehrere Firmen, die sich mit Nuklearprodukten befassen, werden in Niedersachsen künftig direkt vom Umweltministerium beaufsichtigt.
  • Auch in Leese: Atommüllfässer rosten
    18. Juni 2013 – Nach den Funden in den AKW Brunsbüttel und Neckarwestheim ist im Zwischenlager Leese ein verrostetes Atommüllfass gefunden worden. Vor einem Jahr hatten Atomkraftgegner Kontrollen gefordert – der Betreiber lehnte aber ab.

Quellen (Auszug): neues-deutschland.de, hannover-zeitung.net, umwelt.niedersachsen.de, 18./20.12.2013

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