AKW Unterweser: Kritik an Rückbau und Atommüll-Zwischenlagerung

Die Stadt Bremerhaven kritisiert den Umgang mit Rückbau des 2011 stillgelegten Atomkraftwerks Unterweser: Vorschriften könnten nicht eingehalten werden. Die Samtgemeinde Hagen fordert darüber hinaus: „Hände weg von Zwischenlagerplänen im KKU“ und verabschiedet eine Resolution gegen ein weiteres Atommüll-Zwischenlager. Atomkraftgegner weisen auf die Entsorgungsmisere hin, die sich an den AKW-Standorten offenbart.

AKW Unterweser; Bild: google

AKW Unterweser; Bild: google

Die Stadt Bremerhaven pocht darauf, stärker in das Genehmigungsverfahren für den Abriss des Atomkraftwerks Unterweser einbezogen zu werden. Man bewerte den Rückbau „durchaus positiv“, dabei sollten aber „die gesetzlichen Vorgaben in besonderem Maß Berücksichtigung finden“, betonte Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD).

Doch genau daran zweifelt der Politiker. Während eines Informationstermins zur Umweltverträglichkeitsprüfung seien Unterlagen präsentiert worden, die im Auftrag der Antragstellerin E.ON Kernkraft erarbeitet worden seien. Dabei sei das „Risiko einer Interessenskollision“ nicht auszuschließen und das könnte zu „nicht hinnehmbaren Nachteilen für die Bürgerinnen und Bürger führen“. Künftig sollten unabhängige Fachgutachter Unterlagen prüfen und beurteilen, so die Forderung.

Mit dem Antrag auf Abriss des Reaktors hatte die Betreiberfirma Eon gleichzeitig den Antrag für den Bau weiterer Zwischenlager für schwach- und mittel-radioaktiv belastetes Material gestellt. Diese Tatsache ist Grund für weitere Kritik am Rückbaukonzept: „Hände weg von Zwischenlagerplänen im KKU“, fordert die Samtgemeinde Hagen die Umweltministerien von Land und Bund in einer Resolution auf. Die Gemeinde liegt auf der gegenüberliegenden Weserseite – und wurde an einem Verfahren zur Stellungnahme zu den Plänen nicht beteiligt. Mit einer Verlängerung der Frist zur Stellungnahme will das Land Niedersachsen diese Möglichkeit jetzt aber nachholen.

Die Kritik richtet sich gegen die fehlende Entsorgungsperspektive des Atommülls. Es sei völlig offen, wann in Deutschland ein Endlager zur Verfügung stehe, aus Zwischenlagern könnten inoffizielle Endlager werden, heisst es in der Resolution. Auch der Oberbürgermeister von Bremerhaven vermutet, dass E.ON radioaktiv belastete Bauwerks- und Betriebsbestandteile auf dem Gelände des KKU längerfristig zwischenlagern will. Besonders der Schutz vor Hochwasser oder terroristischer Angriffe müsse berücksichtigt werden. Außerdem gelte es, die Anstrengungen zu verstärken, zugunsten kürzerer Zwischenlagerzeiten ein Atommüllendlager zu finden.

  • Genau diese Argumentation verfolgte Ende 2012 auch Betreiber E.ON –  allerdings mit dem Ziel, Druck auf ein Endlager in Gorleben zu machen.

Atomkraftgegner weisen darauf hin, dass ohne eine Entsorgungsperspektive der Weiterbetrieb der letzten neun Reaktoren in Deutschland unverantwortlich ist:

„Tag für Tag wächst der strahlende Müllberg ohne eine tatsächliche Lösung, was damit geschehen soll“; so Jan Becker von contrAtom. „Fakt ist, der Atommüll muss für tausende Jahre sicher verwahrt werden. Unter den Dächern von Zwischenlagerhallen und in Castorbehältern wie am AKW Unterweser ist das nichtmal für wenige Jahrzehnte möglich. Wir fordern als ersten Schritt aus diesem Desaster die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen!“

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    26. April 2013 – Nachdem es aus Philippsburg kräftig Kritik hagelte, Brunsbüttel sich querstellt, kündigen nun auch Aktivisten rund um das Atomkraftwerk Unterweser Proteste an, sollten ab 2015 Castorbehälter in das dortige Zwischenlager rollen. Erst müsse eine Endlagerlösung gefunden werden, bevor der Müll sinnlos durch das Land rollt. Der Bau eines weiteren Zwischenlagers für den Rückbau des AKW wird jedoch begrüßt.
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    24. April 2013 – Auf dem Gelände des Atomkraftwerk Unterweser soll eine neue Lagerhalle für schwach- bis mittelradioaktive Stoffe gebaut werden. Grund ist nach Aussagen des Betreibers E.ON die verzögerte Inbetriebnahme des Endlagers Schacht Konrad. Atomkraftgegner warnen vor ungewisser Langzeitlagerung und fordern ein Ende der Atommüllproduktion.
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    29. Dezember 2012 – Der Atomkonzern E.ON macht Druck auf Gorleben: Kommt das Endlager nicht, würden die atomaren Zwischenlager an den deutschen AKW-Standorten länger in Betrieb bleiben als vorgesehen. Atomkraftgegner fordern, die Produktion von neuem Müll zu verbieten.
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    12. Januar 2012 – An keinem anderen Ort in Deutschland lagert so konzentriert eine riesige Menge hochradioaktiver Atommüll: die Zwischenlager an den Atomkraftwerken und die Hallen in Gorleben, Ahaus und Lubmin. Allesamt sind nicht ausreichend gegen “Einwirkungen von außen” geschützt – und sollen nun Betonmauern für mehr Sicherheit bekommen. Atomkraftgegner sehen vor allem eines: das Eingeständnis, das die Lager bis heute unsicher sind.

Quellen (Auszug): nwzonline.de, 27.09.2013 / weser-kurier.de, 14.10.2013

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