Wismut: Die größte Atommülldeponie Deutschlands

Mit der Trockenlegung der giftigen Wismut-Schlammteiche bei Seelingstädt entsteht eine riesige radioaktive Deponie – die größte Deutschlands. Eine Entsorgung der 85 Millionen Kubikmeter giftiger Schlämme ist nicht vorgesehen, sondern eine „Abdeckschicht“.

Wismut-Schlammteiche bei Seelingstädt; Bild: google

Wismut-Schlammteiche bei Seelingstädt; Bild: google

Jahrzehntelang wurden die giftigen Rückstände aus der Seelingstädter Uranaufbereitung in den ehemaligen Tagebau gepumpt, so dass riesige Schlammteiche entstanden sind. Im Rahmen der Sanierung sollen die Teiche in den nächsten neun bis zehn Jahren trockengelegt werden. Die Beseitigung der „Industriellen Absetzanlagen von Culmitzsch“ ist eines der größten Wismut-Projekte im Kampf mit den Hinterlassenschaften der russischen Uranförderung in der ehemaligen DDR.

Anliegende Gemeinden erheben nun Einwände gegen die Stilllegungspläne, berichtet die Webseite „otz.de“. Es sei unzureichend geklärt, wie viel Niederschlagswasser zum Beispiel einmal auf die Deponie niedergehen wird, wie viel versickert, dann durch die radioaktiven Schlämme dringt und aufwendig gefasst und gereinigt werden muss oder wie viel Wasser von der 241 Hektar großen Anlage in die Bäche abfließt. Die derzeitigen Planungen würden sich nämlich an Einzugsgrößen orientieren, wie sie vor dem Beginn des Bergbaus geherrscht hätten. Die Landschaft habe sich durch die Sanierung, durch Verdichtung und Drainage aber verändert. Deshalb würden deutlich mehr Wasser von dem Hochplateau in die Bäche strömen.

Ein weiteres Problem ist, dass einerseits möglichst wenig Wasser von der fertigen Deponie aus in die Bäche fließen, andererseits soll ebenso möglichst wenig Wasser in der Deponie versickern soll. Dafür müsse die Abdeckschicht, die auf die trocken gelegten Schlämme kommen soll, dichter und mineralisch werden, also auch aus Ton oder Lehm bestehen, fordert der örtliche Umweltkreis.

In Culmitzsch lagern 85 Millionen Kubikmeter giftige Schlämme, deren radioaktives Langzeitpotenzial der Umweltkreis mit dem niedersächsischen Atommülllager Asse vergleicht. Es entstehe Deutschlands größte radioaktive Deponie – und der Abstand zum nächsten Dorf beträgt 200 Meter. Eine Entsorgung der Schlämme ist nicht geplant – die Menschen der Region müssen damit leben und das für die nächsten Jahrhunderte.

Culmitzsch war die viertgrößte Uranlagerstätte, welche durch die Wismut erkundet und abgebaut wurde. Da sich in nördlicher und südlicher Richtung des Ortes Absetzbecken befanden und diese eine zu große Gefahr für den Ort und die Einwohner darstellten, wurde der Ort zwischen 1964 bis 1970 zwangsumgesiedelt und ist heute von der Landkarte verschwunden. Nach Ende der Uranförderung wurden die Tagebaue Trünzig und Culmitzsch als Schlammteiche für die Tailings der Aufbereitungsanlage Seelingstädt verwendet.

  • Tausende Krebskranke durch Uranabbau
    29. April 2012 – Die Wismut hat von 1947 bis 1990 in Ostthüringen und im Erzgebirge Uran für das Atomwaffenprogramm und die Atomkraftwerke der Sowjetunion gefördert. Tausende Arbeiter sind an Lungenkrebs erkrankt. Heute kommt das Uran zum Beispiel aus Afrika – wo es unter menschenunwürdigen Bedingungen gefördert wird. Atomkraftgegner fordern das sofortige Ende des Uranabbaus und damit auch dem Betrieb der Atomkraftwerke.
  • Atomausstieg? Die Wahrheit Teil 13: Uran für deutsche AKW zerstört Lebensgrundlagen
    6. Juli 2011 – Deutschland steigt aus. Bis 2022 sollen in einem Stufenplan alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, das erste bereits 2015. Schwarz/gelb feiert das eigene Einknicken im Fortbestand der Atomenergie als Erfolg, rot/grün stimmt mit dem Argument “alternativlos” zu. Doch der Brennstoff für deutsche Atomkraftwerke zerstört in den Herkunftsländern die Zivilisation und Umwelt.
  • Verseuchte Landschaften: Deutscher Uranabbau der Wismut
    7. Januar 2011 – Immer länger dauert sie und immer teurer wird die Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranabbaus in Deutschland. Zwischen 1946 und 1990 förderte die “Wismut” in den Bundesländern Thüringen und Sachsen in der ehemaligen DDR den Baustoff für russische Atombomben: Uran. Keineswegs “sauber” ist die Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke.

Quellen (Auszug): otz.de, devastiert.de, culmitzsch.de; 14.08.2013

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv