AKW Grohnde: Atomkraftgegner fordern von Umweltminister die atomrechtliche Überprüfung des Einsatzes von MOX-Brennelementen

Atomkraftgegner haben gemeinsam mit japanischen Gästen heute dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel eine 16-seitige „Denkschrift gegen den Einsatz von MOX-Brennelementen“ überreichen. In der Denkschrift weisen die Atomkraftgegner auf die zahlreichen Argumente deutscher Reaktorexperten gegen den MOX-Einsatz und auf Erfahrungen aus dem Reaktorunfall von Fukushima hin.

Jean-Paul Pape, der seit über 40 Jahren in Japan wohnte, betont, dass MOX-Brennelemente im Reaktor 3 des AKW Fukushima die Auswirkungen des Unfalls noch verschlimmert haben. Dort sei es zu einer nuklearen Explosion gekommen, die Plutonium bis zu 45 km weit in die Umgebung des AKWs verstreut hat. Die im deutschen Atomgesetz verlangte zusätzliche Vorsorge gegen Gefahren gegenüber der Allgemeinheit (§7d) gebietet es daher, den Einsatz von MOX-Brennelementen zu unterlassen bzw. zu untersagen.

Die Denkschrift zählt weitere Gefahren auf:

  • Durch erhöhte Belastung der Brennelemente steigt beim MOX-Einsatz die Rate der Hüllrohrdefekte, die zu einer vermehrten radioaktiven Freisetzung führen. Dadurch erhöht sich das durch die KIKK Studie nachgewiesene Risiko von Leukämie- und Kinderkrebs im 50-km Umkreis um das AKW.
  • Wegen des erhöhten Strahlung muss verstärkt Bor eingesetzt werden, dass wiederum zu einer höheren Tritiumbildung im Abwasser und der Abluft führt.

Kritiker des MOX-Einsatzes sind die Experten und kritische BürgerInnen:

Der Hamelner Stadtrat und Kreistag hatten sich im Oktober letzten Jahres gegen den Einsatz der MOX-Brennelemente ausgesprochen. Bereits bei der ersten Genehmigung von MOX-Brennelementen 1986 hatte die Stadt Hameln und auch der Landkreis Holzminden zusammen mit über 500 BürgerInnen gegen den Einsatz von MOX-Brennelementen Einwand erhoben. Der Dipl-Physiker und später langjährige Abteilungsleiter „Radioaktivität und Umwelt“ des Bundesamtes für Strahlenschutz (2001-2012) Gerald Kirchner hatte die Stadt 1986 beraten und eingewendet, dass die Kritikalitätsberechnungen nicht nachvollziehbar seien und nach seinen Berechnungen die Grenzwerte überschritten würden. Weiter bezweifelte Kirchner, der heute das Carl Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) der Universität Hamburg leitet, dass die Schnellabschaltung des Reaktors beim MOX-Einsatz genauso gewährleistet sei. Auch hatte Kirchner vor einer ungewollten Kettenreaktion im Abklingbecken gewarnt, wie sie in Fukushima eingetreten ist.

Auch der Göttinger Professor Rolf Bertram kritisiert den MOX-Einsatz, insbesondere dass durch die erhöhte Neutronenstrahlung beim Einsatz von MOX-Brennelementen die Versprödung des Reaktorstahls begünstigt und damit die Stabilität herabgesetzt.

Die Atomkraftgegner fordern daher vom Umweltminister Wenzel als Leiter der Atomaufsicht des Landes, den Einsatz von MOX-Brennelementen so schnell wie möglich zu verbieten. Weiter muss er über 20 Berichte zum MOX-Einsatz im AKW Grohnde kritischen Wissenschaftlern zur Begutachtung vorlegen.

  • Atomkraftgegner empört über geplanten Einsatz von Plutonium-Mox-Brennelementen im AKW Grohnde
    27. März 2013 – Atomkraftgegner sind empört über einen für April geplanten Einsatz von acht plutonium-haltigen MOX-Brennelenmenten im AKW Grohnde. Der Atomkonzern E-On-Kernkraft will in der Revisionszeit vom 5. April bis zum 9. Mai dieses Jahr acht der 16 Brennelemente einsetzen, die letztes Jahr im September und November gegen den heftigen Widerstand von Atomkraftgegnern angelieferten worden sind.
  • 27.700 fordern: “Alle Atomanlagen abschalten!”
    9. März 2013 – Eine klare Forderung des Protests am heutigen Tag von Norddeutschland bis Süddeutschland: Alle Atomanlagen abschalten! Anlässlich des 2. Jahrestages der Katastrophen von Fukushima demonstrierten zehntausende gegen Atomkraft.

Quelle: PE Grohnde Abschalten; 03.04.2013

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