Unsicher: Zwischenlager Jülich versagt im Stresstest

Das Atomzwischenlager in Jülich erfüllt den aktuellen Sicherheitsstandard nicht. Bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen könnte es zu Problemen kommen. In Jülich lagern 152 Castoren mit Brennelementen, wie lange noch ist unklar. Atomkraftgegner protestieren gegen einen Pläne, die „West-Castoren“ abzutransportieren. Denn eine Entsorgungs-Lösung ist nicht in Sicht.

Keine Atommüllspazierfahrten

Keine Atommüllspazierfahrten

Die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima europaweit durchgeführten „Stresstests“ wurden neben den Atomreaktoren in Deutschland auch für die Zwischenlager für Atommüll angewendet. Das Ergebnis ist für eine Halle auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich vernichtend: es genügt aus heutiger Sicht nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik. Das berichtet das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf, das Bundesamt für Strahlenschutz prüfe diese Bewertung.

Die Genehmigung für das Zwischenlager läuft bekanntlich im Juni 2013 aus. In der Halle stehen 152 Castorbehälter mit den Überresten des „AVR Jülich“, der Demonstrationsreaktor für den Hochtemperatur-Reaktor Hamm-Uentrop. In den Behältern befinden sich radioaktiv strahlende Brennelementekugeln.

  • Die Mängel am Bau sind seit Jahren bekannt, das Auslaufen der Genehmigung auch.

Deswegen wollte der Betreiber die Behälter mit dutzenden LKW-Fahrten in das Zwischenlager Ahaus bringen, was aber am Widerstand von Politik und Atomkraftgegnern scheiterte. Denn auch Ahaus wäre wieder nur eine Interimslösung. Aus Kostengründen käme eine Ertüchtigung des Jülicher Halle nicht in Frage, entschied der Bund. Nun muss das Bundesamt für Strahlenschutz über einen Antrag auf eine dreijährige Verlängerung entscheiden – trotz bekannter Mängel.

Als „Lösung“ des Entsorgungsproblems hat der Aufsichtsrat des Forschungszentrums im November 2012 beschlossen, die Brennelementekugeln zunächst in Jülich zu lagern, um sie später in die USA zu schicken. Quer durch Deutschland also zu den Hafenstädten, um dann per Schiff über den Ozean. Doch auch in Amerika ist eine Entsorgung nicht in Sicht. Die Brennelemente aus dem Reaktortypen, der nie wirklich funktionierte, müssen in ein Endlager. Und das gibt es nirgends auf der Welt.

Atomkraftgegner aus Ahaus befürchten trotz der USA-Pläne, dass weiter auch das dortige Zwischenlager als Option bestehen bleibt. Denn die Stresstests haben in Ahaus offziell keine Mängel gezeigt, zudem wurde bereits eine Genehmigungsverfahren für die LKW-Fuhren und Einlagerung begonnen. Bisher ist dieser Prozess auch nur „ruhend“ gestellt und noch nicht zurückgezogen.

„Somit bleibt Ahaus also noch immer das Ass im Ärmel, welches man je nach Bedarf ziehen kann“, meinen Aktivisten der Kampagne „Kein Castor nach Ahaus“. „Wir sehen noch immer keine Lösung bei den Westcastoren in Jülich. Jeder Tag an dem nichts passiert, erhöht den Druck auf einen Abtransport. Ahaus ist mit einem bereits begonnenem Genehmigungsverfahren noch immer die realistischste Option.“

Im Grund bliebe als einzige Option, das Lager in Jülich zu ertüchtigen. Damit würde der Müll auch an dem Ort bleiben, wo er entstanden ist. Parallel muss – selbstverständlich – die Atommüllproduktion sofort beendet werden und in Deutschland eine Debatte über den künftigen Umgang mit dem Abfall geführt werden.

  • “Das ist doch Unsinn”: Unser Atommüll bleibt hier
    5. Januar 2013 – Die vorgesehene 14. Änderung des Atomgesetzes schlägt Wellen. Insbesondere die Möglichkeit eines Exports von Atommüll steht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Führungsspitze der CDU ist sich unterdessen einig: Unser Atommüll bleibt hier, sagt Frau Merkel. Denn ein Export wäre “Unsinn” sagt Altmaier. Atomkraftgegner warnen vor Tricksereien und fordern die Verankerung eines Verbots von Atommüllschiebereien und das Umdeklarieren zu “Wertstoff” im Grundgesetz.
  • Deutscher Atommüll-Export: Jülicher Castoren sollen in die USA
    3. Februar 2013 – Vor genau zwei Jahren schloss die Bundesregierung eine längere Lagerung des Atommülls in 152 Castorbehältern im Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich aus. Die Überreste des Forschungsreaktors sollten in das Zentrale Brennelementelager nach Ahaus gebracht werden. Das Land NRW und Atomkraftgegner protestierten – und der Transport wurde abgesagt. Nun scheint es eine Einigung zu geben: der Müll kommt in die USA.
  • Vorerst keine Castortransporte von Jülich nach Ahaus
    14. November 2012 – NRW bleibt von Castortransporten ins Zwischenlager Ahaus verschont – vorerst. Trotzdem sind in den vergangenen zwei Jahren mehr als 500 Atomtransporte durch das Land gerollt. Atomkraftgegner weisen auf Risiken hin und fordern ein Einlagerungsverbot für Ahaus.
  • Deckmantel des Schweigens über Jülicher Brennelemente
    12. Oktober 2012 – Atomkraftgegner aus dem Münsterland fragen: Welchen Wert haben bisherige Ankündigungen des Forschungszentrums? Sie kritisieren die momentane Informationspolitik bezüglich der 152 Castoren im Forschungszentrum Jülich. Bisher gab es vollmundige Ankündigungen, jedoch anscheinend keine konkreten Handlungen.
  • Kein Atommüll in die USA!
    12. Juli 2012 – Das Anti- Atom-Plenum Köln begrüsst die Bemühungen des Jülicher Forschungszentrums zu einer Alternative zu den zuvor angekündigten, aber unnötigen und gefährlichen Transporten nach Ahaus zu kommen. Leider stellt die neue Lösung keine Verbesserung der Lage dar. Die Transporte – egal wohin – sind ein unkalkulierbares Risiko!

Quellen (Auszug): rp-online.de, welt.de, kein-castor-nach-ahaus.de; 25./26.03.2013

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