Leistungsabfall im AKW Brokdorf

Am Abend des 30. September 2012 kam es im AKW Brokdorf nach einem Defekt zu einer Leistungseinschränkung, berichtet Betreiber E.ON. Es haben eine „nicht meldepflichtige“ Störung in der Turbinenregelung gegeben. Atomkraftgegner fordern: „Brokdorf – das Ding muss weg!“

AKW-Blockade in Brokdorf, April 2010

AKW-Blockade in Brokdorf, April 2010

Laut schleswig-holsteinischen Umweltministerium habe es sich um eine „starke Reduktion der elektrischen Nettoleistung“ von 1410 auf 150 Megawatt gehandelt. E.On spricht von „kurzzeitig“ und „keiner Auswirkung auf den sicheren Betrieb des Kraftwerks“.

Ursache sei eine Störung in der Turbinenregelung im nicht-nuklearen Teil der Anlage gewesen, die nach dem Austausch einer Spannungsversorgungsbaugruppe auftrat. Alle Systeme des AKW hätten bestimmungsgemäß reagiert. Nach Tausch einer elektronischen Baugruppe sei die Leistung der Anlage stufenweise wieder angehoben worden. Dabei sei eine weitere Störung an einem Speisewasserventil festgestellt worden. Auch hier musste eine dazu gehörigen elektronischen Baugruppe ausgetauscht worden und das Ventil geprüft werden. Am frühen Morgen des 1. Oktober sei laut E.ON wieder Volllast erreicht worden.

Experten rätseln nach dpa-Informationen dennoch darüber, wie es zu der Lastabsenkung kommen konnte. Das Umweltministerium in Kiel weist zudem auf die Bedeutung des Kraftwerks für die Stromversorgung hin. Nach früheren Medienberichten „hänge Hamburg am AKW Brokdorf“. Sachverständige sollen den Vorfall nun prüfen.

Atomkraftgegner fordern „das Ding muss weg“: Das AKW an der Unterelbe wurde beim Atomausstieg vergessen, es ist besonders gefährlich und unnötig. Eine Kernschmelze wie in Fukushima kann in Brokdorf jeden Tag passieren. Dann würden weite Teile Norddeutschlands radioaktiv verseucht. Je nach Windrichtung müsste selbst Hamburg gegebenenfalls evakuiert und umgesiedelt werden. Das hat das Bundesamt für Strahlenschutz in einer Modellstudie vorgerechnet.

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Quellen: E.ON, dpa, ausgestrahlt.de; 02.10.2012

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