Noch ein Leck in Belgiens AKW

Wie ein Sprecher des belgischen AKW-Betreibers Electrabel am Donnerstag mitteilte, weist der Reaktorblock 2 von Tihange zudem die gleichen Schäden wie der Block 3 des AKW Doel in Flandern auf: Risse im Reaktordruckbehälter. Möglicherweise steht auch dieses AKW vor dem endgültigen Aus. Atomkraftgegner fordern die Stilllegung aller Reaktoren mit Druckbehältern belgischen Fabrikats.

Belgisches AKW Tihange; Bild: google street view

Belgisches AKW Tihange; Bild: google street view

Im belgischen Doel waren dank „neuer Untersuchungsmethoden“ im August bis zu 8.000 Risse in der Hülle gefunden worden, bislang gibt es keine Entscheidung über eine WIederinbetriebnahme. Laut der belgischen Zeitung „Le Soir“ ist auch die Stahlbeton-Hülle von Tihange-2 wegen einer möglichen Erosion nicht mehr fest. Die 80 Zentimeter dicke Hülle soll den Reaktor gegen äußere schädigende Einwirkungen, etwa einen Flugzeugabsturz, schützen. Der Betreiber hat das Problem eingestanden, versichert aber weiterhin, es gehe keinerlei Gefahr davon aus, weil der Reaktor vom Netz und frei von Kernbrennstoff sei. Tihange 2 war im August auf Druck der Atomaufsicht AFCN abgeschaltet worden, weil er baugleich mit Doel-3 ist. Experten sollen nun klären, ob sich bei einer geminderten Festigkeit der Stahlbeton-Hülle Poren gebildet haben. Die Reaktordruckbehälter waren in den 70er-Jahren vom niederländischen Unternehmen Rotterdam Drydock, das inzwischen seine Tätigkeit eingestellt hat, geliefert und montiert worden.

Werden gravierende Störungen gefunden, sollen die Meiler für immer abgeschaltet bleiben. Eine Repartur ist wirtschaftlich nicht möglich. Das hätte wohl eine Laufzeitverlängerung für die bestehenden AKW zur Folge. Belgien hat nach der Fukushima-Katastrophe zwar den Atomausstieg ab 2015 beschlossen – aber nur, wenn ausreichende Energiereserven zur Verfügung stünden.

Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung der betroffenen Reaktoren, die sich aber in aller Welt befinden: Die Firma „Rotterdam Drydock“ lieferte Behälter in die USA, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Spanien, Schweden und Argentinien. Die bisherigen Untersuchungen zum Beispiel in der Schweiz am AKW Mühleberg seien unzureichend.

  • Die beiden Behälter in Deutschland sind in Philippsburg-1 und Brunsbüttel verbaut, beide Reaktoren sind abgeschaltet und die Betreiber beteuern „keine Gefahr“. Doch die Brennelemente befinden sich noch im Reaktorbehälter, ebenso die Lagerbecken für verbrauchte Brennstäbe. Ist die Hülle nicht mehr sicher, geht auch von diesen AKW weiterhin eine latente Gefahr aus.
  • 8.000 Risse in belgischem Reaktor!
    17. August 2012 – Laut Willy de Roovere, Chef der belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN, sind 8.000 Risse am unteren Teil des dritten Reaktorblocks des belgischen AKW Doel entdeckt worden. Heute wurde ein zweiter betroffener Reaktor abgeschaltet. Die Atomaufsicht zweifelt, dass Doel-3 jemals wieder ans Netz gehen wird. Atomkraftgegner sind entsetzt, denn die Risse wurden erst mit einem “neuen Messverfahren” gefunden.
  • Schwachstellen in Reaktorbehälter: Risse in belgischem AKW entdeckt
    10. August 2012 – Ein Reaktorblock des belgischen AKW Doel ist von der Atomaufsicht bis auf weiteres stillgelegt worden. Es bestehe der Verdacht auf Risse im Reaktorbehälter vom Block 3. Baugleiche Anlagen stehen auf der ganzen Welt. In Belgien könnten zwei betroffene Meiler für immer stillgelegt werden.
  • Belgisches AKW Tihange leckt seit 10 Jahren
    14. Juli 2012 – Ein leckgeschlagenes Kühlbecken in belgischen Atomkraftwerk Tihange sorgt für Empörung. Seit zehn Jahren verliert Block 1 täglich kontaminiertes Wasser. Kürzlich wurde eine Laufzeitverlängerung beschlossen. Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung.

Quellen (Auszug): de.ria.ru, berlinerumschau.com; 13.09.2012

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