E.ONs Atompläne in Finnland – Offener Brief an den E.ON-Vorstand und Aufsichtsrat

Atomkraftgegner aus Finnland haben dem deutschen Energiekonzern einen Offenen Brief geschrieben, in dem sie gegen dessen Atompläne protestieren. Der Verein Pro Hanhikivi im Norden Finnlands, Pyhäjoki, kämpft gegen den geplanten Bau eines Atomkraftwerks um die Hanhikivi Landzunge als freies Natur-und Erholungsgebiet zu bewahren. Der lokale Verein wurde im Jahr 2007 gegründet und hat heute über 300 Mitglieder.

Atom-Standorte in Finnland

Atom-Standorte in Finnland

Sehr geehrter Herr Dr. Teyssen, sehr geehrte E.ON-Vorstand und Aufsichtsrat,

E.ON ist mit einem Anteil von 34 Prozent der größte Anteilseigner des finnischen Konsortiums Fennovoima Oy, das ein Atomkraftwerk in Pyhäjoki, Nordfinnland, bauen will. Bislang hat das Unternehmen noch keine Genehmigung von der finnischen Regierung für den Bau des Reaktors erhalten. Ob je alle Genehmigungen erteilt werden, ist zudem fraglich. Herr Dr. Teyssen, wir fordern Sie auf, aus dem Atom-Projekt in Pyhäjoki auszusteigen. Dies wäre ein Gewinn sowohl für unsere Region als auch für Ihr Unternehmen.

Sie selbst haben auf der E.ON Hauptversammlung 2012 von den stetigen Zuwächsen der Erneuerbaren Energien gesprochen und erklärt, dass Ihre Unternehmensstrategie im Einklang mit der Energiewende in Deutschland stehe. Wir wollen Sie ermutigen diesen Weg weiterzugehen! Allerdings steht Ihr Engagement bei Fennovoima in einem klaren Widerspruch zu diesen Aussagen und konterkariert Ihre eigene Unternehmensstrategie „cleaner and better energy“. Dies macht Sie unglaubwürdig und wird sich auf das Image von E.ON auswirken.

Im Frühjahr 2012 haben Sie entschieden, Ihre Atompläne in Großbritannien aufzugeben. Sie begründeten dies damit, dass erneuerbare, dezentrale Energieerzeugung und Energieeffizienz viel attraktiver sei als Investitionen in Atomkraft (Ref 1). Zu dem gleichen Schluss ist auch der Energiekonzern RWE gekommen. Allerdings hat deren neuer Vorstandschef Peter Terium dies auch in der Unternehmensausrichtung berücksichtigt: Für ihn ist Atomkraft eine Energieform der Vergangenheit (Ref 2). Eigentlich sollte man erwarten, dass E.ON zu einem ähnlichen Schluss kommt. Doch danach sieht es leider nicht aus.

Das Konsortium Fennovoima befindet sich in einer kritischen Lage, vor allem die finanziellen Risiken die das Unternehmen trägt sind enorm. Ein Bauprojekt wie das Atomkraftwerk Pyhäjoki, das inmitten unberührter Natur geplant wird, auf einem Gelände das mehrere Naturschutzgebiete aufweist, ist nicht nur teuer sondern auch moralisch und ökologisch unakzeptabel.

Für den entstehenden hochradioaktiven Atommüll steht Fennovoima in der Pflicht eine Lösung zu finden. Doch bis jetzt gibt es keinen Vorschlag, wie der anfallende Atommüll entsorgt werden soll. Ein ku?rzlich veröffentlichter Bericht des Finnischen Arbeits- und Wirtschaftsministeriums zeigt, dass es aller Voraussicht nach keinen Platz im bereits geplanten Atommülllager in Olkiluoto dafür geben wird. Zudem zeigt die Firma Posiva, Betreiberfirma dieses Lagers, keine Bereitschaft den Atommüll von Fennovoima aufzunehmen (Ref. 3).

Fennovoima hat nachdrücklich versichert, dass der Standort Hanhikivi in Pyhäjoki nicht als Atomüllendlager in Frage kommen würde. Auch die Gemeinde hat keine Berechtigung dafür erteilt. Sollte Fennovoima dennoch eine Genehmigung für ein Atommüllendlager in Hanhikivi beantragen, würde dies hier auf heftigen Widerstand treffen. Bei den finnischen Anteilseignern haben bereits die lokalen Energieunternehmen damit begonnen, sich von dem Projekt zu verabschieden – einer nach dem anderen: Jyväskylän Energia (März 2012), Ålands Elandelslag (März 2012) und Herrfors Oy (März 2012). Das nächste Unternehmen, das vermutlich aus dem Atomkraftwerksprojekt aussteigen wird, ist Kuopion Energia (Ref 4). Diese Ausstiegswelle hat bislang das Bergbauunternehmen Talvivaara genutzt, um seinen Anteil zu erhöhen. Der Ruf von Talvivaara ist sowohl in Finnland als auch international bereits schwer beschädigt, aufgrund massiver Umweltzerstörungen, die das Unternehmen verursacht hat. Talvivaara plant derzeit die Anreicherung von Uran in Nordfinnland (Ref 5).

Herr Dr. Teyssen, Ihr Atomkraftwerksprojekt spaltet die Gemeinschaft in Pyhäjoki und in der Umgebung. Die Atmosphäre ist aufgeheizt. Viele Landbesitzer sind gegen das Projekt und sind nicht bereit, ihre Grundstücke an Fennovoima zu verkaufen – trotz der andauernden Überredungsversuche. Es ist an der Zeit, dass Sie endlich die richtigen Schlüsse bezüglich dieses Nuklearprojekts ziehen und entscheiden, dass Sie nicht weiter Teil dieses sich ankündigenden Desasters sein wollen. Wir werden jedenfalls nicht tatenlos zusehen wie unsere Heimat zerstört wird, sondern sind bereit sie zu verteidigen.

Trotzdem ist E.ON in Pyhäjoki und Nordfinnland sehr willkommen – mit Erneuerbaren Energieprojekten, die im Einklang mit einer nachhaltigen Entwicklung stehen und Natur und Menschen respektieren.

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Ref.1: Europe Online Magazine 29.3.2012. http://en.europeonline-magazine.eu/german-utilities-back-out-of-british-nuclear-power-plan_201925.html
Ref.2: Spiegel Online International 29.6.2012. http://www.spiegel.de/international/business/rwe-s-new-ceo-terium-to-halt-nuclear-power-and-invest-in-renewables-a-841260.html
Ref.3: Press release by the Ministry of Employment and the Economy 27.6.2012.
http://www.tem.fi/?89521_m=107098&l=en&s=2471
Ref.4: http://www.savonsanomat.fi/uutiset/talous/kuopio-irti-fennovoiman-ydinvoimalasta/1219506
Ref.5: http://yle.fi/uutiset/eu_probes_talvivaaras_environmental_record/6217331

Quelle: hanhikivi.net, 27.08.2012

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