USA: Auch keine nukleare Renaissance

Die US-Nuklearindustrie hatte fest damit gerechnet, in den nächsten Jahren auch im eigenen Land wieder Atomkraftwerke bauen zu können. Doch auch in dem Land mit den meisten Reaktoren schreitet die „atomare Renaissance“ nur im Schneckentempo voran. Der Grund ist billiges Gas, was Strom aus AKWs unrentabel machen lässt, nicht etwa das Zweifeln an der Sicherheit.

Technology Review berichtet in seiner Online-Ausgabe zu „Schiefergas statt AKW“: dank neuer Gasquellen insbesondere in den USA steht der Energieträger in rauen Mengen zur Verfügung. In Nordamerika ist es mittlerweile zur Wahl für Elektrizitätswerke geworden. Teure neue AKWs können da nicht mithalten. Grund für den Gasboom sind neue Fördertechniken wie Horizontalbohrungen sowie das umstrittene Fracking. 2008 lagen die Gaspreise noch bei fast 13 Dollar pro Million BTU, mittlerweile liegen sie bei schlappen 3 Dollar. Erst kürzlich hatte der Chef von General Electric, Jeffrey Immelt, für Wirbel gesorgt. Er sagte, dass es schwer sei Atomkraft zu rechtfertigen, wenn das Gas so billig sei. Wirtschaftliche Überlegungen verbieten damit den Bau neuer AKW.

Als die Gaspreise noch stiegen, gab es Planungen für rund 30 neue AKWs in den Vereinigten Staaten. Deren Bau ist aber nur durch kostengünstige Finanzierungen und Vorauszahlungen durch die Stromkunden denkbar. Zwei Reaktoren werden auf diese Art aktuell beispielsweise in Georgia gebaut: Sie profitieren von einer Bürgschaft über 8,33 Milliarden Dollar, die vom US-Energieministerium kommt. Derzeit schätzt das Nuclear Energy Institute, dass es bis 2020 höchstens fünf neue Großkraftwerke geben wird. „Die Aussichten sind nicht besonders gut“, meint Revis James vom Electric Power Research Institute, einer Forschungseinrichtung der US-Stromkonzerne.

Weltweit sind derzeit noch 70 AKWs im Bau. Doch Schiefergasquellen könnten auch in anderen Ländern dafür sorgen, dass der Preis für Gas drastisch sinkt. Allerdings gibt es was das „Fracking“ angeht Bedenken wegen der eingesetzten Chemikalien. Umweltschutzgründe sprechen gegen dieses aggressive Bohren – am Ende kann die Entscheidung zur Energieerzeugung also nur auf die Erneuerbaren Energien fallen.

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Quellen (Auszug): heise.de, 21.08.2012

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