Deutschland respektiert tschechische Atompläne

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem tschechischen Ministerpräsidenten zugesagt, dass Deutschland die tschechischen Atompläne „respektiere“. Atomkraftgegner weisen diese Einschätzung entschieden zurück und verlangen deutliche Interventionen gegen die Ausbaupläne des AKW Temelin.

Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Petr Necas am Dienstag in Prag versprach dieser beim Ausbau des umstrittenen Atomkraftwerks Temelín nahe der bayerischen Grenze Transparenz: Sein Land sei bereit, auch öffentlich über den Ausbau von Temelín zu diskutieren. Man wolle keine „Geheimnisse vor den Deutschen haben“. Gleichzeitig verlangte er aber auch Akzeptanz für die Pläne.

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie freue sich über eine transparente Sicherheitsdiskussionen. Ansonsten respektiere die Bundesregierung die Entscheidung anderer Länder, wie sie ihre Atompolitik betrieben.

Am Standort Temelin will das Land zwei weitere Reaktoren zubauen. Temelin 3 und 4 sollen nur 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt Strom vor allem für die Nachbarländer produzieren. Für den geplanten Zubau ist nicht klar, inwieweit deutsche Sicherheitsbedenken überhaupt berücksichtigt werden.

Die bestehenden Blöcke 1 und 2 sind hoch umstritten, denn es müssen immer wieder Störfälle gemeldet werden. Das AKW Temelin vom russischen Typ WWER-1000 wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig. Selbst die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) spricht von “zahlreichen Defizite und Verbesserungsnotwendigkeiten”. Seit Baubeginn Ende der 80er Jahre haben sich bereits mehr als 130 Störfälle ereignet.

Atomkraftgegner fordern von der Bundesregierung sofortige Intervention gegen die AKW-Pläne:

„Wenn Frau Merkel behauptet, die Bundesregierung würde stellvertretend für die deutsche Bevölkerung ein neues Atomkraftwerk an der Grenze ‚respektieren‘, dann lügt sie“, so Jan Becker von contrAtom. „Den Neubau eines AKW kann niemand ‚respektieren‘, der Fukushima ernst nimmt. Kommt es in Temelin zu einem schweren Unfall mit radioaktiven Freisetzung, ist Deutschland direkt betroffen. Wir fordern die Bundesregierung auf, sofort gegen die Atomprojekte zu intervenieren! Die Reaktoren dürfen nicht gebaut werden!“

httpv://www.youtube.com/watch?v=1FyycTCnT8Q

  • “Ad absurdum”: Stresstests in Frankreich, Tschechien und Slowakei
    4. Januar 2012 – In Frankreich sind Investitionen in Milliardenhöhe nötig, in Tschechien müssen Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden. In der Slowakei wird die Wahrscheinlichkeit für ein Erdbeben ausgeblendet – ein gezielter Flugzeugabsturz auf die Reaktoren wird aber nicht untersucht. Atomkraftgegner kritisieren die “Stresstests”, die nach dem GAU von Fukushima europaweit die Sicherheit der bestehenden Atomanlagen bescheinigen soll: sie betrachten nicht alle möglichen Unfallszenarien, sind nicht unabhängig und nicht einheitlich. Ein “ad absurdum”.

Quellen (Auszug): europeonline-magazine.eu, ;04.04.2012

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