Keine schnelle Bergung des Atommülls aus der Asse-2

Die Bundesregierung und die niedersächsische Landesregierung wollen die radioaktiven Abfälle so schnell wie möglich aus dem maroden Atommüll-Lager Asse bergen. „Das dauert noch“ sagt das Umweltministerium. Atomkraftgegner fordern, alle nötigen Anstrengungen für eine größtmögliche Sicherheit für die Anwohner der Region zu unternehmen.

„Wir wollen, dass die Abfälle aus der Asse herauskommen“, versicherte Niedersachsens neuer Umweltminister Stefan Birkner (FDP) am Freitag im Bundestag. „Wir werden alles daran setzen, schnellstmöglich Klarheit darüber zu erlangen, ob und inwieweit es auch tatsächlich möglich ist“. Ursula Heinen-Esser (CDU) aus dem Bundesumweltministerium (BMU) ergänzte: „Für uns hat die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Asse absolut oberste Priorität.“

Eine 180-Gradwendung, denn sein Vorgänger Sander hatte noch mit allen Mitteln versucht, die Rückholung zu verzögern. Auch aus der Ecke der Atomlobbyisten wird immer wieder betont, dass eine Bergung des Müll nicht nötig sei: Die Blechfässer mögen zwar korrodiert sein, aber der Abfall sei ja noch in Beton oder Bitumen eingegossen.

Nun dämpft das BMU die Erwartung, die auch schon jahrelang Forderung der Atomkraftgegner ist: eine schnelle Rückholung der 126.000 Fässer „dauert noch“. Man wisse nach einem kürzlichen Workshop des Bundesamt für Strahlenschutz, dass „es alles nicht so schnell geht, wie wir uns das gewünscht haben“, so Heinen-Esser. Anfänglich war eine Rückholung über einen Zeitraum von zehn Jahren avisiert, diese Zeit sei zu knapp bemessen worden. Das BfS sei heute der Ansicht, man müsse mit 30 bis 40 Jahren rechnen. Eine Modellrechnung hatte eine Standfestigkeit der Asse bis maximal 2014 vorausgesagt. Auch diese Annahme wurde korrigiert. Laut Experten könnten schon „ab 2012“ erhebliche Sicherheitsrisiken für eine Atommüllbergung entstehen, die Arbeiten unmöglich machen.

  • Anderer Ansicht ist der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann (SPD), Vorsitzender der Asse-Begleitgruppe: „Wenn wir nur die technische Lösung sehen würden, glaube ich schon, dass es realistisch ist, dass die Rückholung in acht bis zehn Jahren erfolgen könnte.“

Atomkraftgegner fordern weiter zügiges Handeln und kündigen Proteste an. Mit einer Lichterkette, die Schacht Konrad, Asse und Braunschweig am Jahrestag der Fukushima-Katastrophe verbinden soll, will man nächste Akzente öffentlichen Drucks setzen:

„Das Zeitfenster für eine mögliche Rückholung wird immer weiter nach unten korrigiert und die Annahmen für eine Dauer der Bergung nach oben. Dieses subtile Vorgehen knüpft an die Weigerung des ehemaligen nidersächsischen Umweltministers Sander an, den Müll überhaupt bergen zu wollen. Die Verantwortlichen sitzen seit Jahren ein Problem aus, was sich niemals von allein lösen wird. Die Misere ist eine ganz andere: niemand weiss, was mit dem Asse-Müll, sollte er erstmal geborgen sein, geschehen soll. Denn die Wunschvorstellung, später alles im Schacht Konrad zu versenken schwindet mit jedem Tag, den sich das Bauprojekt weiter verzögert. Auch ist die Kapazität von Konrad für den Asse-Müll gar nicht ausgelegt. Es bräuchte ein weiteres großes Zwischenlager für zehntausende Tonnen strahlenden Müll“, so Jan Becker von contrAtom. „Wir fordern, parallel zur notwendigen Rückholung des Asse-Inventars sofort die Produktion weiterer radioaktive Abfälle zu beenden – was als ersten Schritt die Abschaltung aller Atomkraftwerke bedeutet. Eigentlich sind sich jetzt doch alle Instanzen einig: wir wollen den Atomausstieg, der Asse-Müll muss raus! Fangt endlich damit an!“

Bis zum Jahr 1978 waren in der niedersächsischen Asse rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen eingelagert worden. Das ehemalige Salzbergwerk ist aber in einem bedenklichen Zustand, weil derzeit pro Tag rund 12.000 Liter Wasser eindringen.

  • Asse: Röttgen übernimmt Verantwortung
    13. Januar 2012 – Bundesumweltminister Röttgen will die Bergung des Atommülls aus dem havarierten Endlager Asse-2 nocheinmal prüfen lassen. Grundsätzlich bleibe die Rückholung der 126.000 Fässer das Ziel. Dafür sollen notfalls sogar rechtliche Änderungen sorgen. Atomkraftgegner fordern, keine Zeit zu verlieren und mit den Bohrungen in die Atommüllkammmern sofort zu beginnen.
  • Asse II: Rückholung organisieren statt aussitzen!
    3. Januar 2012 – Der Asse 2-Koordinationskreis stellte auf der Pressekonferenz in Hannover am 3.1.2012 fest: “Die Verantwortung für die Rückholung des Atommülls aus der Asse liegt bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Herr Dr. Röttgen, bekennen Sie sich zur Rückholung! Nehmen Sie Ihre Führungsverantwortung für die Sanierung der Asse endlich wahr!”
  • Kein sicherer Verschluss der Asse möglich! – Rückholung des Atommülls ohne Alternative
    29. Dezember 2011 – Es gibt keinen „sicheren Verschluss“ der Asse und damit auch keinen Schutz vor dem Austritt von Radioaktivität, wenn der Atommüll im Berg bleibt. Bereits wenige Jahre nach einer Vollverfüllung können solch hohe Drücke entstehen, dass kontaminierte, giftige und nur wenig verdünnte Lösungen und Gase in die Biosphäre ausgepresst werden. Deswegen muss die Rückholung des Atommülls zügig und sorgfältig angegangen werden.
  • Umweltminister Sander gibt die Region Asse auf
    24. Dezember 2011 – Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) gibt einer Bergung des Atommülls aus dem maroden Lager Asse bei Wolfenbüttel keine Chance mehr. Den Pläne, die Fässer wegen der Gefahr einer Verseuchung von Grundwasser und Umgebung aus der Erde zu holen, erteilt er eine Absage. Atomkraftgegner sind schockiert, denn damit gibt der Umweltminister die Region um die Asse auf.
  • Asse-II: Atommüll-Bergung nicht mehr möglich?!
    23. Dezember 2011 – Stürzt die Asse noch vor der Bergung der Atommüllfässer ein? Laut eines Expertenpapiers könnte ab 2012 die Bergung des Mülls aus Gründen des Strahlenschutzes und wegen der Einsturzgefahr des Bergwerks zu riskant werden. Atomkraftgegner fordern die Rückholung des Mülls, denn jeder Kubikmeter geborgenen Atommüll ist ein Sicherheitsgewinn.

Quellen (Auszug): dpa, dapd, buerger-fuer-technik.de, dradio.de; 12.02.2012

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