Jürgen Großmann: Ein Atom-Saurier geht – endlich

„Kernenergie ist ein Fels in der Brandung“, Jürgen Großmann – ein glühender Verfechter der Atomenergie verlässt seinen Posten bei RWE. Der Vorstandsvorsitzende hält auch nach Fukuhsima an der Katastrophentechnologie fest und forcierte nach dem Aus in Deutschland den Bau von AKW im Ausland. Atomkraftgegner fordern, dass mit Grossmann auch diese Pläne Geschichte sind.

Im kommenden Sommer wird er von dem 48-jährigen Niederländer Peter Terium ersetzt. Ein Mann mit diplomatischen Fähigkeiten.

Strom gewinnt RWE, das zu einem Viertel nordrhein-westfälischen Kommunen gehört, vor allem in Braunkohle- und Atomkraftwerken. Und das ist schlecht: Braunkohle ist der schmutzigste Brennstoff überhaupt, und die Atomkraft ist nach Fukushima ein Auslaufmodell in Deutschland.

In Bulgarien wollte sich RWE 2008 am Bau von zwei Reaktoren in erdbebengefährdeter Region beteiligen – musste seine finanzielle Beteiligung nach heftigen Protesten aber zurückziehen. Auch in Rumänien scheiterte der Konzern, mit Biblis A und B wurden von dem Konzern zwei der ältesten und störfallanfälligsten Reaktoren Deutschlands betrieben. Großmann initiierte zugunsten der Laufzeitverlängerung eine Anzeigenkampagne pro Atomkraft und versuchte mit einem Brief an wichtige Entscheidungsträger unmittelbar nach Fukushima eine Stilllegung der deutschen AKW abzuwenden. Aktuell betreibt der Konzern in Deutschland das AKW Emsland und ist zu 75 % Beteiligung am AKW Gundremmingen beteiligt.

weitere Grossmann-Sternstunden:

  • „Im Mai haben Franzosen und Tschechen die Netzstabilität aufrecht gehalten“ – und zwar mit Atomstrom. Auf diese Helfer werden wir uns im Winter nicht verlassen können. Dann brauchen unsere Nachbarn ihren Strom selbst.“ (Juli 2011)
  • „Kernenergie ist ein Fels in der Brandung“ (Mai 2010)
  • „Wir machen Experimente mit der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft – mit ungewissem Ausgang.“ (Mai 2011)
  • „Politikern täte es gut, die Folgen ihrer Handlungen zu überprüfen.“ (Juni 2011)
  • „… denn bei uns abzuschalten, ändert nichts daran, dass im französischen Cattenom Kernkraftwerke laufen, die belgischen verlängert werden, die Holländer aufrüsten.“ (November 2009)
  • „Wenn die Politik weiter so konsequent die Zerstückelung der industriellen Energieerzeugung betreibt, werden wir bald auf ganze Industriezweige verzichten müssen.“(Juni 2011)
  • „Die Apokalypse hat nicht stattgefunden.“ (April 2011 zu Fukushima)
  • „Ohne die CO2-freie Kernenergie werden wir unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele jedenfalls nicht erreichen.“ (August 2010)
  • „Wer die Rücknahme der Laufzeitenverkürzung ablehnt, muss offen sagen, dass er höhere Preise will.“ (August 2010)
  • „Mit längeren Atomlaufzeiten könnten die Strompreise sinken.“ (Mai 2010)
  • „Die deutschen Kernkraftwerke erfüllen die geltenden Sicherheitsanforderungen. In jedem anderen Fall hätten sie bereits zuvor abgeschaltet werden müssen. Daran ändern die Ereignisse in Japan nichts.“ (April 2011)
  • „Wir sind keine Kreuzritter der Kernenergie.“ (April 2011)
  • „Billige Energie und gleichzeitig ein kompletter Umbau der Stromversorgung sind eine Illusion“. (März 2011)
  • „Man darf nicht vergessen, dass in einem 120 Kilometer-Kordon um Deutschland herum mehr Kernkraftwerke sind als in Deutschland selbst.“ (April 2011)
  • „Die Gesellschaft wollte damals auch rein in die Kernenergie, daher müssen wir auch jetzt gemeinsam nach Lösungen suchen.“ (April 2011)
  • „Ich habe doch keine Kernkraftwerke gebaut.“ (April 2011)
  • „Wenn wir unsere Importabhängigkeit nicht noch weiter erhöhen wollen, brauchen wir Kernkraftwerke.“ (Januar 2009)
  • „Wir werden mindestens noch 60, 70 Jahre lang nicht ohne Kernkraft auskommen.“ (September 2008)

Aktuell will RWE sich am Neubau eines Atomkraftwerks in den Niederlanden beteiligen. Ein zweiter Reaktorblock soll in Borselle entstehen, RWE will zudem 30 Prozent am bestehenden Block 1 übernehmen.

Atomkraftgegner fordern nun, dass mit der Ablösung von Atom-Saurier Großmann auch ein Abschied von allen Atomprojekten erfolgen muss:

„Es ist an der Zeit ein Schlussstrich unter die Uralt-Technologie zu ziehen, RWE muss sich jetzt von Atom- und Kohle abwenden und mutige Schritte in Richtung Erneuerbare Energien gehen. Sonst wird langfristig der Konzern wie sein Vorstandsvorsitzender Grossmann untergehen“, so Jan Becker von contrAtom.

  • Mit Atomkonzerne geht es bergab
    12. Dezember 2011 – Atomkraftgegner haben das Ende der Technologie lange voraus gesagt. Mit Fukushima geht es nun mit den großen Energiekonzernen steil bergab. Zwar sind viele Arbeitsplätze in Gefahr – das als Argument für einen Weiterbetrieb der Atomindustrie darf aber nicht geltend gemacht werden. Die Zeichen stehen auf Wandel, meinen Atomkraftgegner.
  • RWE blockieren – Rücktritt von RWE-Chef Großmann fordern!
    19. April 2011 – Die Umweltorganisation urgewald und der Dachverband der Kritischen Aktionäre fordern die RWE AG bei der morgigen Hauptversammlung in Essen auf, sich von ihrer verantwortungslosen Atompolitik zu verabschieden, die Klage gegen das Atom-Moratorium zurückzuziehen und den Vorstandsvorsitzenden Großmann zu entlassen. Parallel rufen Anti-Atom-Aktivisten zur Blockade der Hauptversammlung auf.
  • RWE-Chef Großmann lügt!
    25. März 2011 – RWE-Chef Großmann hat sich in einem Brief an 40 Personen, die im Herbst letzten Jahres einen öffentlichen Pro-Atom-Appell an die Bundesregierung unterschrieben haben, in die aktuelle Atom-Debatte eingemischt. Darin schreibt er, die sieben jetzt vom Netz genommenen AKW seien „absolut sicher“.
  • Atom-Pleite No. 3 für RWE: Gericht blockiert Kauf von Atomkraftwerk in Niederlanden
    21. Januar 2011 – Das Oberste Gericht der Niederlande hat die Übernahme von Anteilen am einzigen niederländischen Atomkraftwerk durch den Essener Energiekonzern RWE untersagt. Der Hoge Raad bestätigte mit dieser noch vorläufigen Entscheidung am Freitag ein entsprechendes Urteil des Bezirksgerichtes in Arnheim. Dieses hatte dem niederländischen Strom- und Gasunternehmen Essent den Verkauf seiner 50-Prozent-Beteiligung am Kernkraftwerk Borssele in der Provinz Seeland an private Eigentümer untersagt. Nach dem Ausstieg im bulgarischen AKW-Projekt Belene und dem rumänischen Cernavoda ist das nun schon die dritte Atom-Pleite innerhalb von 1,5 Jahren.

Quellen (Auszug): handelsblatt.com, tagesspiegel.de, 27.12.2011

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