Belgien steigt aus!

Unser Nachbarland Belgien will ab 2015 aus der Atomenergie aussteigen. Nach Deutschland und der Schweiz nun also ein drittes Land, dass die gefährlichen Reaktoren abschalten will. Dazu haben sich die Gesprächspartner bei Verhandlungen zur Regierungsbildung geeinigt. Die Regierung kommt damit einer Forderung von Atomkraftgegnern nach.

Atomanlagen in Belgien

Atomanlagen in Belgien

Die sieben Atommeiler sollen nach und nach abgeschaltet werden. So sollen die ersten drei AKWs 2015 vom Netz gehen, allerdings nur, wenn die Energieversorgung gesichert ist. Sonst bleiben sie länger im Betrieb. Ein konkretes Datum zur Schliessung der ersten Anlagen wurde noch nicht festgelegt. Bis 2025 sollen alle sieben Meiler vom Netz sein.

Die Belgier kehren damit zu einem entsprechenden Gesetz aus dem Jahr 2003 zurück. Unter dem Anstoss ökologischer Parteien hatte das belgische Parlament damals die schrittweise Stilllegung zwischen 2015 und 2025 der sieben Reaktoren beschlossen. Der Zusammenbruch der Regierung im vergangenen Jahr und die seither andauernde politische Krise hinderten das Parlament jedoch daran, das Gesetz voranzutreiben. Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im März hatte die Debatte um die Atomkraft in Belgien neu entfacht. Besonders gegen das AKW Tihange wurde in der Vergangenheit demonstriert. Der AKW Electrabel wollte eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren.

Der Reaktorblock Doel-1 wurde am 28. August 1974 in Betrieb genommen und ist der älteste, der noch genutzt wird. Das AKW Tihange ist mit seinen drei Reaktorblöcken und einer installierten Bruttoleistung von 3.129 MW das leistungsstärkste AKW. Tihange-3 ist mit einer Bruttoleistung von 1.065 MW der leistungsstärkste Reaktorblock. Die Atomenergie hat in Belgien einen Anteil von 54 Prozent an der Gesamtstromerzeugung. Nur in Frankreich ist der Anteil an Atomkraft im Strommix noch größer.

Am Standort Mol befinden sich ein Kernforschungszentrum mit Atommüllverarbeitung und -lagerung und eine Brennelementefabrik für Leichtwasser-Brennelemente und Mischoxid-Brennelemente (MOX) befinden. Auch die ehemelige Wideraufarbeitungsanlage „Eurochemic“, an der auch Deutschland beteiligt war, ist dort im Abbau. Zwei Forschungsreaktoren sind in Mol in Betrieb. In der Fabrik „Société Franco-Belge de Fabrication de Combustible“ (FBFC) wurden bis 2006 Plutonium-Brennstäbe gefertigt. Heute werden dort Uranbrennstäbe hergestellt.

Atomkraftgegner begrüßen den Vorstoss und mahnen zu Anstrengungen: „Belgien muss sofort mit dem Umbau der Energieversorgungsstruktur hin zu Erneuerbaren Energien beginnen. Das Land mit der zweitgrößten Atomstromabhängigkeit in Europa steigt aus, das hat große Vorbildfunktion für die ganze Welt! Deutschland steht mit dem Atomausstieg überhaupt nicht allein da – sondern geht mit gutem Beispiel vorran“, so Jan Becker von contrAtom. Europa ist auf einem guten Weg, atomstromfrei zu werden. Allerdings müssen auch die Versorgungsfabriken wie Brennelementewerke stillgelegt werden.

  • Belgien, Frankreich, Deutschland: Aktionen gegen Atomkraft!
    4. September 2011 – Am 17./18. September finden an zahlreichen Atomstandorten Aktionen statt. Dieser Tag wird der Tag des Widerstandes gegen Atomkraft in Belgien, Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland: Vor den 4 französischen AKWs bei Cattenom, den zwei AKWs bei Fessenheim, am geplanten französischen Endlager in Bure, vor der einzigen Urananreicherungsanlage Deutschlands in Gronau und vor den drei belgischen AKWs bei Tihange wird demonstriert.
  • Inspekteure in belgischer Wiederaufarbeitungsanlage verstrahlt
    5. Oktober 2011 – Drei Inspekteure der Internationalen Energieagentur (IAEA) und von Euratom sind bei einem Unfall in der ehemaligen belgischen Wiederaufarbeitungsanlage Belgoprocess verstrahlt worden. Plutonium war in geringer Menge freigesetzt worden.

Quellen (Auszug): brf.be, dpa; 31.10.2011

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
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