Schweiz: Zusammenhang zwischen AKW und Krebs ist reiner Zufall

Vor wenigen Wochen wurde in England eine Studie veröffentlicht, die einen von der deutschen KIKK-Studie belegten Zusammenhang zwischen Wohnortnähe zu Atomanlagen und Kinder-Krebs revidiert. Jetzt stellt auch eine schweizer Studie das erhöhte Krebsrisiko für Kinder in AKW-Nähe in Frage. Die Ursache für die Erkrankungen: Zufall!

Die „Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“, besser bekannt unter dem Akronym KiKK, war im Dezember 2007 zu dem Ergebnis gekommen, dass mit zunehmender Wohnortnähe zu einem von 16 Atomkraftwerken in Deutschland das Leukämierisiko von unter 5-jährigen Kindern steigt.

  • Für die 5-km-Zone ermittelte Peter Kaatsch von der Universität Mainz eine Odds Ratio von 2,19, die bei einer unteren Grenze des 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,51 signifikant war (Deutsches Ärzteblatt 2008; 105: 725-32). Auch für die 10-km-Zone war das Risiko signifikant um 33 Prozent erhöht.

Einen abschließenden, allgemeingültigen Beweis dafür, dass die Atommeiler Auslöser der Leukämie-Fälle sind, gibt es bislang offiziell nicht. Denn die Studie befasst sich nicht mit dem Auslöser der Krankheit.

Im Mai wurde in England eine Studie veröffentlicht, die zu dem gleichen Ergebnis kam, dass die KiKK-Studie nicht alle Störgrößen berücksichtigt und der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Strahlung nicht nachgewiesen habe. Ein Zusammenhang zwischen AKW-Nähe und Krebserkrankung sei damit ausgeschlossen. In einer neuen Studie kommen nun auch Schweizer Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das Risiko im Umkreis von AKW nicht erhöht ist. Am ehesten lassen sich Abweichungen nach Angaben der Forscher so erklären: reiner Zufall.

Für die schweizer Studie hatten Forscher der Universität Bern Daten von mehr als 1,3 Millionen Kindern von Null bis 15 Jahren in der Nähe der fünf Schweizer Atomkraftwerke untersucht. Bei Kindern im Alter von unter fünf Jahren wurden von 1985 bis 2009 in der Schweiz 573 Leukämie-Fälle diagnostiziert. Die meisten – 522 – traten bei Kindern auf, die mehr als 15 Kilometer von einem Atomkraftwerk auf die Welt kamen. Im Gebiet bis fünf Kilometer vom Werk entfernt wären demnach 6,8 Leukämie-Fälle zu erwarten gewesen. Tatsächlich fanden die Forscher in dieser werksnahen Zone 8 Fälle, also etwa 20 Prozent mehr als erwartet.

  • „Das Risiko einer kindlichen Krebserkrankung im Umkreis von Schweizer Kernanlagen unterscheidet sich kaum vom Risiko, welches auch weiter entfernt wohnende Kinder haben“, sagt Forschungsleiter Matthias Egger. Die beobachteten Abweichungen der einzelnen Gebiete seien so klein, dass sie am ehesten durch Zufall erklärt werden könnten, so die Forscher, die die Details der Studie jetzt im „International Journal of Epidemiology“ veröffentlicht haben.

Die Forscher könnten aber weder ausschließen, dass Atomkraftwerke das Leukämierisiko verminderten, noch dass sie das Risiko erhöhten.

Dr. Alfred Körblein vom Umweltinstitut München, der durch seine Berechnungen die KiKK-Studie angestoßen hatte, kritisiert an der Schweizer Studie, dass die Fallzahlen zu klein sind, um mit ausreichender Wahrscheinlichkeit ein signifikantes Ergebnis zu erzielen. Selbst eine Verdopplung des Risikos wäre nur mit etwa 50 Prozent Wahrscheinlichkeit nachweisbar gewesen. Im allgemeinen wird bei epidemiologischen Studien aber eine statistische Nachweisstärke (power) von 80 Prozent gefordert. Um diese zu erreichen, müsste das wahre Risiko mehr als 2,5-mal höher sein als im Vergleichsgebiet bei Entfernungen größer als 15 km. Die Studie, so Körblein, ist „unterpowert“ und kann damit nicht als Nachweis für die Unbedenklichkeit von Atomkraftwerken herhalten.

Da eine Gefährdung der Bevölkerung durch Atomkraftwerke nicht ausgeschlossen werden kann, fordern wir die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen!

  • Laut Strahlenschutzgesetz dürfen durch AKW keine Strahlungsrisiken ohne einen daraus resultierenden überwiegend positiven Nutzen entstehen. Mögliche Leukämieerkrankungen bei Kindern sind kein „positiv-Nutzen“ gegenüber billiger Stromerzeugung!
  • Artikel 2 Absatz 2 des Grundgesetzes soll die körperliche Unversehrtheit garantieren. Damit ist der AKW-Betrieb ein Verstoss dagegen, da eine mögliche Gefährdung durch AKW nicht auszuschließende ist!
  • Krebs um Atomanlagen: britischer Report soll KiKK-Studie widerlegen
    10. Mai 2011 – Kinder, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen, erkranken einer britischen Studie zufolge nicht häufiger an einer Leukämie. Der jetzt veröffentlichte Report steht damit im Gegensatz zur deutschen KiKK-Studie, in der die Autoren methodische Schwächen gefunden haben wollen. Die KiKK-Studie habe nicht alle Störgrößen berücksichtigt und der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Strahlung sei nicht nachgewiesen. Verfälscht worden sei die Studie auch wegen des Bezugs zur Leukämiehäufung in der Elbmarsch.
  • Atomanlagen machen krank – je näher, je eher
    Seit Veröffentlichung der Kinderkrebsstudie (KiKK) vor 3 Jahren, die einen Zusammenhang von Erkrnakung und Wohnortnähe zu einer Atomanlage belegt, wurden zwei weitere epidemiologische Studien veröffentlicht. Eine zu Fehlbildungen bei Neugeborenen um Atomkraftwerke und eine zum Geschlechterverhältnis bei der Geburt um bayerische Atomkraftwerke. Beide Studien bestätigen die bei der KiKK-Studie gefundene Abstandsabhängigkeit.
  • WHO-Chefin: Auch Niedrigstrahlung ist gefährlich
    6. Mai 2011 – Bislang vertrat die WHO immer dieselbe Position wie die IAEA: So genannte “interne radioaktive Strahlung”, im Körper angereichert, sei nicht gefährlich. Damit ist nun Schluss: “Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung”, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Mittwoch bei einem kurzfristig anberaumten Treffen mit Mitgliedern der kritischen “Initiative für eine unabhängige WHO”.

Quelle (Auszug): spiegel.de, 13.07.2011

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