Das AUS für alle Meiler: Flugzeugabstürze sollen berücksichtigt werden

Zehn Jahre nach den Attentaten in den USA, nachdem gezielte Flugzeugabstürze auf Atomkraftwerke nicht mehr dem „Restsisiko“ angehören, sollen endlich Fakten geschaffen werden: Die Reaktorsicherheitskommission kündigte an, im Verlauf der „Sicherheitsuntersuchungen“ auch Flugzeugabstürze zu berücksichtigen. Das könnte die Stilllegung der ältesten Meiler bedeuten.

Die in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke sollten terrorsicher werden, hieß es bereits kurz nach den Anschlägen vom 11. September. Der geziele Flugzeugabsturz, ab dem 11.09.2001 eine nachweislichen Sicherheitslücke, war bis dahin als“Restrisiko“ abgetan, also als „praktisch unmöglich“ aber theoretisch möglich“.

Da die ältesten Anlagen keine ausreichend dicken Hüllen haben und eine Nachrüstung sich kaum lohnt, könnten die derzeit nur für die Zeit des Moratoriums abgeschalteten AKW für immer stillgelegt werden. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lehnte allerdings eine Vorfestlegung ab, ob alte Meiler damit vor dem Aus stehen.

Laut Rudolf Wieland, Vorsitzender der Reaktorsicherheitskommission, habe die Kommission einen Anforderungskatalog für die AKW verabschiedet, der auch „terroristische Einwirkungen“ berücksichtigt, ebenso naturbedingte Ereignisse, höhere Wasserstände, ein Staudammbruch, Erdbeben, Trockenheit, niedrigere Temperaturen oder höhere Temperaturen. Ferner werde geprüft, ob bei einem längeren Ausfall der Stromversorgung die Meiler ausreichend gekühlt werden könnten.

Seit zehn Jahren ist bekannt, dass die alten Meiler einem gezielten Flugzeugabsturz nicht standhalten. Ein Super-GAU mit massivem Radioaktivitätsaustritt wäre die Folge. Da viele AKWs in der Nähe von Großstädten stehen eine Katastrophe ungeahnten Ausmasses.

Reaktorbetreiber hatten in der Vergangenheit als Schutzmassnahme „Nebelwerfer“ installiert, die eine künstliche Dunstwand erzeugen sollen. Experten rechnen aber damit, dass diese Anlagen wirkungslos gegenüber eines GPS-gesteurten Flugzeuges sind.

Bereits im August 2010 hatte Umweltminister Röttgen Sicherheit gegen Flugzeugabstürze gefordert. Dabei legte Röttgen nur den Absturz eines Flugzeugs vom Typ A320 aus. Der A320 ist eine kleinere Verkehrsmaschine. Im Rahmen der Laufzeitverlängerung spielten die Anforderungen dann aber keine wesentliche Rolle mehr.

  • Wir fordern, Biblis A und B, Philippsburg 1, Unterweser, Neckarwestheim, Brunsbüttel, Isar 1 und Krümmel sofort stillzulegen!

In einem Gutachten von Greenpeace heisst es, dass keines der deutschen Atomkraftwerke gegen den Absturz eines großen Flugzeugs gesichert sei. Bei den älteren Kraftwerken wäre die Gefahr besonders groß, denn die Gebäudehüllen seien viel zu dünn.

„Selbst Bundesumweltminister Röttgen hat erkannt, den Atomkraftwerken droht Gefahr aus der Luft. Daher ist es unverantwortlich, einen Weiterbetrieb der alten und besonders gefährdeten AKW zu genehmigen“, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace im August 2010.  „Die Reaktoren müssen sofort abgeschaltet werden. Die AKW sind wie nukleare Minen, die jederzeit gezündet werden können.“

In Hamburg-Finkenwerder landet regelmäßig der A380

Legt man aber die größten Flugzeugtypen wie beispielsweise Airbus A380 zugrunde, der vollbetankt auf ein Atomkraftwerk stürzt, dann würden auch neuere Kraftwerke keinen Schutz bieten. Selbst ein Feuer – egal, ob von einem kleinen Sportflugzeug oder von einem anderen Brandherd außerhalb eines Kraftwerks – kann zu großen Problemen führen. Bei einem Brand, der auf ein Atomkraftwerk zuläuft bzw. beim Brand eines Transformators wird der Reaktor vom Stromnetz genommen. Die Leitungen werden gekappt. Der Betrieb der Notsysteme ist dann unabdingbar. Funktioniert hier etwas nicht, kann das im äußersten Notfall zum Supergau führen.

  • Die Debatte versuchte vom eigentlichen Problem abzulenken: Sicher ist nur das Risiko!
  • Realistischen Schutz gegen den Absturz großer Flugzeuge kann es nicht geben!
  • Wir fordern: Atomkraftwerke stilllegen – sofort!

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