Länder, die anders als Deutschland weiterhin auf die Atomkraft setzen, schieben nach Berechnungen des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) eine riesige Kostenwelle vor sich her. Alternde Atomkraftwerke werden immer anfälliger und teurer. Für den Ersatz müssten Länder wie Frankreich, USA, Russland oder Kanada etwa 1,1 Billionen Euro bis 2030 investieren.

Die derzeit weltweit in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke sind im Durchschnitt rund 27 Jahre alt. Vor allem in den Ländern mit einem alten Kraftwerkspark wie in den USA (32,9 Jahre), Frankreich (27,6 Jahre), Japan (26,0 Jahre), Russland (28,9 Jahre), Kanada (28,7 Jahre) oder Großbritannien (29,6 Jahre) stünden weitreichende Entscheidungen an, wenn man die lange Bauzeit für Neuanlagen berücksichtigt. Untersuchungen von Neubauten in den letzten Jahren hätten gezeigt, dass der Bau eines neuen Atomkraftwerks rund 7 Jahre dauere. Im Rahmen der IWR-Untersuchung wurde von der Annahme ausgegangen, dass die AKW nach 40 Jahren ersetzt und die aktuelle Kraftwerksleistung erhalten bleiben soll.

  • Vor dem Hintergrund der langen Bauzeit müssen die Entscheidungen über den Ersatz von bestehender Kraftwerksleistung bereits Jahre vor dem Erreichen der Lebensdauer von 40 Jahren gefällt werden.

Die Kosten für einen Ersatz bis 2030 sind gewaltig:

  • USA – 396 Mrd. Euro,
  • Frankreich – 213 Mrd. Euro,
  • Japan – 106 Mrd. Euro,
  • Russland – 76 Mrd. Euro,
  • Kanada – 43 Mrd. Euro.

In den errechneten Ersatzkosten sind die zusätzlich noch anfallenden Kosten für Brennstoffe, Entsorgung der radioaktiven Abfälle und der Rückbau noch nicht mal mit eingerechnet.

Die Analyse der Altersstruktur der weltweiten Atomkraftwerke zeige, dass viele Staaten wegen des Erreichens der Altersgrenze von 40 Jahren schon bald vor großen politischen Herausforderungen stehen. Für diese Betriebszeit seien die Atomkraftwerke ohne Sicherheitsabstriche ausgelegt, der Neubau dauert mindestens sieben Jahre, so die IWR. Zwar könnten Komponenten teilweise länger eingesetzt werden, aber die physikalische Alterung (Werkstoffeigenschaften) von Großkomponenten stelle ein Risiko dar. Auch liesse sich die Gesamtkonstruktion der Anlage nicht verändern.

  • Ein PKW-Oldtimer bleibt konstruktionsbedingt auch dann ein altes Auto, wenn alle Teile und Komponenten ausgetauscht werden.

Der Atomunfall in Fukushima habe zudem Auswirkungen auf die weltweite Stromerzeugung aus Atomkraftwerken gehabt. Nach einer Auswertung von Daten der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) ist die Stromerzeugung aus Kernkraft im Jahr 2011 um 4,3 Prozent auf 2.518 Milliarden Kilowattstunden (kWh) gesunken (2010: 2.630 Mrd. kWh). Das ist der niedrigste Stand seit 2003, so das IWR.

IWR-Direktor Allnoch: “Während Japan bereits den Ausstieg aus der Kernenergie verkündet hat, beginnt die Debatte in Frankreich wegen der zu erwartenden Kosten gerade erst”.

  • Energiewende erspart 82 Milliarden Euro für Ersatz-AKW
    19. Oktober 2012 – Laut einer Berechnung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) bleiben dank des Atomausstiegs Deutschland Kosten in Höhe von mehr als 80 Milliarden Euro erspart, die in den Ersatz von alternden Atomkraftwerken hätten investiert werden müssen.

Quellen (Auszug): dpa, iwrpressedienst.de; 19.10.2012

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