GAU in Japan

Verheerender Atomunfall in Japan: Nach einem Erdbeben der Stärke 9,0 und anschließender Tsunami-Flutwelle sind seit Freitag morgen, 11.03.2011 mehrere Atomkraftwerke havariert. Es kam zu Explosionen und Freisetzung von Radioaktivität. 100.000 Menschen sind betroffen, Folgen nicht abzusehen. Das bis dahin unmögliche gedachte und als Restrisiko relativierte ist eingetreten. Eine ständig aktualisierte Chronolgie der Ereignisse.

Am 11. März 2011 gegen 9.00 Uhr hätten sich laut Nachrichtenagentur Kyodo Atomkraftwerke an der Pazifikküste in den Präfekturen Miyagi und Fukushima automatisch abgeschaltet. Die Küste der südlich von der Stadt Sendai gelegenen Präfektur Fukushima, in der sich 10 Reaktoren befinden, wurde nach Meldungen der Nachrichtenagentur Kyodo von einer sieben Meter hohen Flutwelle getroffen. In den Atomkraftwerken in der Präfektur Fukushima an der schwer betroffenen nordostjapanischen Küste wurde der Alarm „abnormaler Zustand“ gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die IAEA teilte mit, insgesamt vier Atomkraftwerke in der Nähe des Erdbebengebietes seien aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden.

Das Wichtigste im Überblick:

  • 15.03.2011, 12.41 Uhr – Der Unfall in Fukushima hat nach Einschätzung aus Frankreich die zweithöchste Stufe in der Internationalen Bewertungsskala (INES). Das Geschehen sei mit Stufe 6 von 7 zu bewerten, teilte der Präsident der Französischen Atomsicherheitsbehörde (ASN) mit. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte die Stufe 7 auf der INES-Skala.
  • 20.40 Uhr: Das US-amerikanische Institute for Science and International Security (ISIS) schlägt vor den Unfall in Fukushima 1 in Level 6 der internationalen Skala für Atomunfälle INES einzuordnen und hält es auch für möglich, dass er in Level 7 eingeordnet werden muss.
  • 16.03.2011 – 08.39 Uhr – Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat in Japan bereits vor mehr als zwei Jahren auf mögliche Probleme bei der Erdbeben-Sicherheit seiner Atomkraftwerke hingewiesen. Die Anlagen seien starken Beben nicht gewachsen, wird ein IAEA-Experte in einer diplomatischen US-Depesche vom Dezember 2008 zitiert. Das berichtet die britische Zeitung „Daily Telegraph“ unter Berufung auf die Enthüllungsplattform Wikileaks. Japan hatte auf die Hinweise mit dem Bau eines Notfallschutzzentrums reagiert. Die Anlagen selbst blieben aber laut „Telegraph“ nur für Erdbeben der Stärke 7 gewappnet.
  • 23:46 Uhr – Laut FAZ hätte Fukushima 1 bereits im Jahre 2000 abgeschaltet werden sollen. Dann kam die Laufzeitverlängerung – 2 Mal.
  • 18.03.2011, 10.21 Uhr – Die japanische Atomsicherheitsbehörde hat die Schwere des AKW-Unfalls in Fukushima heraufgestuft. Dieser habe nun die dritthöchste Stufe auf der Internationalen Bewertungsskala (INES), teilte die Behörde mit. Damit werden die Ereignisse am Kraftwerk in Fukushima nicht mehr als „Unfall“ der Stufe vier, sondern als „ernster Unfall“ der Stufe fünf bewertet.
  • 28.03.2011 – Die japanische Regierung gibt eine teilweise Kernschmelze in Reaktor 2 zu.
  • 28.03.2011, 16.00 Uhr – Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sagte mit Verweis auf Informationen aus Japan, es sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ von „Kernschäden“ in den Reaktoren 1, 2 und 3 sowie in den ausgelagerten Brennelementen von Reaktor 4 auszugehen. Es gebe Indizien, die für eine Kernschmelze sprächen. Dies sei allerdings nicht mit einem Durchschmelzen der Reaktordruckbehälter gleichzusetzen, betonte die Sprecherin.
  • 29.03.2011: Japan erwägt Verstaatlichung von Atombetreiber: Derzeit sei es die höchste Priorität für die Regierung, Tepco anzuweisen, alles zu tun, das AKW unter Kontrolle zu bekommen und sich um die Auswirkungen der Katastrophe zu kümmern, sagte Edano laut der Online-Seite der japanischen Wirtschaftszeitung «Nikkei».
  • Fukushima war “menschliches Versagen”
    2. Mai 2011 – In der Bewertung der Ursachen des Reaktorunfalls im japanischen AKW Fukushima sind von Seiten des Betreibers neue Einschätzungen zu hören: Bisher sprachen alle Verantwortlichen immer von einer unvorhersehbaren “Naturkatastrophe” – nun gesteht TEPCO “menschliches Versagen” ein. Dieses Eingeständis muss Auswirkungen auf den Reaktorbetrieb in aller Welt haben!
  • Fukushima war Vorsatz – Erdbebengefahr unterschätzt
    18. Mai 2011: Der Super-GAU von Fukushima war nicht nur “menschliches Versagen”, sondern durch vorsätzliches Nicht-Handeln konnte es zu der Katastrophe kommen. Zu dem Ergebnis kommen neueste Untersuchungen, die belegen dass nicht die Flutwelle, sondern das Erdbeben Auslöser für die Kernschmelze war. Und über diese Gefahr waren Betreiber und Regierung jahrelang informiert. weiterlesen »
  • 17.05.2011: Die Brennstäbe im Reaktor 1 des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima sind bereits am ersten Abend nach dem Erdbeben vom 11. März geschmolzen. Zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt die Betreiberfirma Tepco in einer neuen Analyse.
  • 25.05.2011: Wie die Betreiberfirma Tepco am Dienstag in Tokio mitteilte, gehe man davon aus, dass sich auch in den Reaktoren zwei und drei die Brennstäbe teilweise verflüssigt haben. Damit wäre es in allen drei zum Zeitpunkt des Erdbebens am 11. März in Betrieb befindlichen Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi zur Kernschmelze gekommen. Bisher war Tepco davon ausgegangen, dass lediglich in Reaktor eins die Brennstäbe größtenteils geschmolzen seien und sich die Masse nun am Boden des Reaktordruckbehälters befinde.

Sortiert nach Anlagen veröffentlichen wir eine chronologische Zusammenfassung der Ereignisse in den japanischen Atomanlagen:

Blockspezifisch:

Probleme auch in weitere japanischen Atomanlagen:

2 Antworten auf GAU in Japan

  • Manfred Zinke sagt:

    Ich trage seit der Laufzeitverlängerung wieder meinen alten Button. Ich habe in meiner Stadt eine Mahnwache initiiert, eine Bad Wildunger Ethikkommission, einen Vortrag über Radioaktivität. campact rief zu Aktionen mit Regierungskoalitions-MdBs auf zu der Frage „wann schalten Sie ab“; wir hatten den Saal voll.
    Was noch tun, um denen, die uns regieren, deutlich zu machen, dass wir nicht noch 11 Jahre lang Kernenergie haben wollen, mit Revisionsklauseln gar noch,
    damit ein kleines Beben Neckarwestheim in den ausgehöhlten Untergrund abstürzen lässt (ein Kühlturm ist schon um 0,4 m abgesunken) und wir hier nocheinmal am eigenen deutschen Leib erfahren müssen, wie friedlich die friedliche Nutzung der Kernenergie ist.
    Der GAU ist für uns heute Lebenden das schlimmste Ende der friedlichen Nutzung der Kernenergie.
    Für unsere Enkel, Urenkel und so weiter, für mindestens 40.000 Generationen zu je 25 Jahren ist unser Sündenfall der friedlichen Nutzung von Atomenergie für rund 3 bis 4 Generationen fatal: Die Giftigkeit des Plutoniums, das unsere Kernkraftwerke bis heute erzeugt haben, reicht für den sog. Overkill.
    Wir könnten uns damit mehrfach töten.
    Die Zeit, in der dieses von Menschen erzeugte Nuklid auf ein Tausendstel seiner heutigen Menge abgesunken ist, beträgt rund eine Million Jahre.
    Wie viele Eiszeiten liegen vermutlich dazwischen?
    Was passiert mit dem „Endlager“ in der Eiszeit? Wie informieren wir die Menschheit nach der Eiszeit von der Gefahr?
    Sind wir noch normal?
    Was tun wir da?

    Manfred Zinke, Dipl.Ing.physikalische Technik
    05621-93 50 266

  • Pingback: Leck in Fukushima, Reaktor 1 – Kernschmelze schlimmer als gedacht

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