Bürgerantrag

2002: Infotisch in Buchholz

2002: Infotisch in Buchholz

Im April 2002 wurde ein Bürgerantrag initiert, der den Verbot von Atommülltransporten über das Stadtgebiet erreichen sollte. Von knapp 1.000 erforderlichen Unterschriften wurden ca. 500 gesammelt, außerdem unterzeichneten viele Menschen eine Unterstützerliste.

contrAtom – Pressemitteilung

Bürgerantrag gegen Atommülltransporte

Am Samstag, den 06. April 2002 wird die Gruppe „ContrAtom“ auf dem Wochenmarkt in Buchholz mit dem Sammeln von Unterstützungsunterschriften für einen Bürgerantrag an den Rat der Stadt Buchholz beginnen.

Der Bürgerantrag richtet sich gegen Atommülltransporte durch das Stadtgebiet und fordert den Rat auf, im Rahmen des geltenden Rechts in Zukunft keine Maßnahmen mehr zu dulden, die der Lagerung oder dem Transport von radioaktiven Materialien aus Atomanlagen im Stadtgebiet dienen.

Insbesondere in den letzten 4 Monaten wurde Buchholz als Schienenknotenpunkt mit atomarem Müll aus den Atomkraftwerken rund um Hamburg konfrontiert: Seit Oktober letzten Jahres durchquerten insgesamt 19 Behälter mit abgebrannten Brennstäben nachts oder in den frühen Morgenstunden den Buchholzer Bahnhof. „Kaum hat man sich von der Dosis des letzten Transportes erholt, kommt schon ein Neuer“, sagt J. B. von ContrAtom.

Die Gefahr eines Unfalls ist groß, die Folgen wären dramatisch: Castor-Behälter unterliegen zwar Sicherheitstests, nur wurden beispielsweise Behältertypen nicht nach gesetzlichen Bestimmungen getestet, andere unterliegen nicht realistischen Unfallszenarien, z.T. sogar ausschließlich an Computern errechnet. Es muss ein Feuertest bestanden werden, bei dem der Behälter 30 Minuten 800° Celsius ausgesetzt wird – dabei darf die austretende Radioaktivität nicht über bestimmte Grenzwerte steigen.

Bei Zugunfällen mit leichtentzündlichen Stoffen wie Benzin oder Propangas werden allerdings Temperaturen von über 2000° Celsius erreicht, außerdem zeigen Unglücke in der Vergangenheit, das es der Feuerwehr nicht gelingen würde, ein derartiges Feuer innerhalb von 30 Minuten zu löschen – was zur Folge hätte, das die Dichtungen der Atommüllbehälter nachgeben würden und Radioaktivität die Umgebung verseucht.

Die Stabilität des Behälters wird z.B. mittels eines Fallversuches aus neun Meter Höhe getestet, bei dem eine Aufprallgeschwindigkeit von etwa 50 km/h erreicht wird – Atommüllzüge fahren hingegen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h und überqueren Brücken, die um ein etliches höher sind als neun Meter.

Auch sollten Sabotageakte insbesondere seit dem 11. September 2001 nicht mehr undenkbar sein. Aufgrund großer Sicherheitslücken und des enormen Gefahrenpotentials ist ein Atommülltransport das ideale Ziel für einen Anschlag mit terroristischem Hintergrund: Ganze Landstriche würden verseucht und wären für Jahrzehnte unbewohnbar.

Diese Gefahr findet sich allerdings in dem Begriff „Restrisiko“ wieder und ist kaum relevant für eine realistische Einschätzung der Gefährdung der Öffentlichkeit. Nach dem Grundgesetz, Artikel 2, Abs. 2, hat jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit: Aus jedem Atommüllbehälter dringt radioaktive Strahlung (was auch offiziell nicht bestritten wird). Neben Gamma- tritt vor allem energiereiche Neutronenstrahlung aus, die den menschlichen Körper durchdringen und z.B. das Erbgut nachhaltig schädigen kann.

Bürgerantrag gegen Atommülltransport, Buchholz 2002

Bürgerantrag gegen Atommülltransport, Buchholz 2002

Bahnhöfe wie z.B. Buchholz werden allerdings weder evakuiert bevor ein Atommüllzug durchfährt noch wird die Bevölkerung informiert – im Gegenteil: Die Verantwortlichen transportieren zu Hauptverkehrszeiten, wenn sich viele Menschen in unmittelbarer Nähe zum Transportgleis aufhalten. Bereits in mehreren Städten sind Proteste gegen Atommülltransporte erfolgreich gewesen, so z.B. in Lübeck, wo nach starken Bürgerprotesten Transporte durch die Stadt unterbunden wurden.

Mittels dieses Bürgerantrages will ContrAtom ein Zeichen setzen: Mindestens 1100 Bürger und Bürgerinnen von Buchholz lehnen Atommülltransporte durch die Stadt ab – diese Anzahl an Menschen müssen den Bürgerantrag unterzeichnen um ihn wirksam zu machen. Unterzeichnen dürfen alle Einwohner, die das 14. Lebensjahr vollendet sowie seit mindestens 3 Monaten ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben. Unterstützung findet ContrAtom bisher bundesweit: Viele Organisationen und Vereine haben die Unterzeichnung einer Sympathisantenliste angekündigt, was auch online unter www.contratom.de möglich ist.

„Atommüll ständig von einem Ort zum anderen zu transportieren ist keine Lösung des Atommüllproblems“, so U. S. von der Gruppe ContrAtom. „Jetzt sind die von den Transporten betroffenen Kommunen gefragt. Sie müssen klarstellen, dass sie nicht bereit sind, sich mit einer ständig steigenden Zahl von Atomtransporten abzufinden. Das sind sie dem Schutze des Bürgers schuldig.“

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“

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