Haftantritt am 23.4. in Lübeck: Knast statt Geld – für die Freiheit

Atomkraftgegner:innen verhindern, mithilfe einer Ankettvorrichtung im Gleisbett, die Weiterfahrt eines Atomtransportes im Hamburger Hafen. Foto: Pay Numrich

Wir machen Aktionen, die wir richtig und wichtig finden. So haben wir 2014 gemeinsam mitten im Hamburger Hafen einen Urantransport mit einer Ankettaktion angehalten. Das auf dem Zug geladene Uran wurde in Namibia in offenen Tagebauen mit viel Strahlenbelastung für alles drumherum und in Kazachstan durch Fracking und Chemikalien im Boden abgebaut. Wir haben damit bewusst und gezielt in die laufenden Prozesse eingegriffen – mit einer Intervention, weil sonst alles weitergeht wie bisher. Das Resultat: Viel Berichterstattung und Diskussion in den Medien. Und, über einen längeren Zeitraum betrachtet, Transporte, die weniger geworden sind oder andere Routen nehmen. Widerstand braucht einen langen Atem.

Es gibt vieles, wogegen wir es für richtig halten zu kämpfen und das immer wieder tun: Gegen Atomkraft, Kohlekraftwerke, Umweltzerstörung, Ausbeutung, Ungerechtigkeiten, Kapitalismus. Die allermeisten dieser, aus unserer Sicht unerträglichen, Dinge sind explizit legal. Deshalb legen wir als Handlungsmaßstab eben nicht die herrschenden Gesetze an. Manchmal verurteilt der Staat uns, so wie auch hier beim angehaltenen Urantransport. Es ist der Staat, der durchsetzt, dass das alles weiter gehen kann. Bei Geldstrafen ist das weniger sichtbar und ich denke, wenn der Staat mich tatsächlich dafür einsperrt, dass ich Urantransporte und damit Umweltzerstörung stoppe, dann bitte: Hier bin ich. Ich habe entschieden, die Geldstrafe jedenfalls nicht komplett zu zahlen und einen Teil davon im Knast abzusitzen.

Wie weit der Staat geht, um unliebsames Verhalten und vor allem das bewusste Brechen von Gesetzen zu bestrafen wird klarer beim Betrachten der Umstände. Die Staatsanwaltschaft Hamburg, hier verantwortlich, hat wegen Corona die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen (also Haft statt Geldstrafe) eigentlich bis Ende April ausgesetzt. Nur in Fällen, bei denen das besonders relevant sei, um die verurteilte Person (und auch euch alle) von weiteren Straftaten abzuschrecken, sollen die Strafen trotzdem vollstreckt werden. Das heißt, entweder gilt die Regel für mich nicht oder fast sieben Jahre nach der Tat meinen sie, mich von weiteren Straftaten abschrecken zu können, indem sie mich einsperren. Ich bin relativ sicher, dass das nicht funktionieren wird. Denn mit Gewissheit werden auch zukünftig Gesetze nicht mein Handlungsleitfaden sein. Dafür läuft einfach viel zu viel falsch in dieser Welt.

Knast ist natürlich so ein weiterer Punkt, der falsch läuft. Menschen einsperren ist einfach abartig. Wir sehen an Corona, was die Isolation psychisch mit Menschen macht. Und dennoch isoliert diese Gesellschaft Menschen in Knästen immer wieder, bei Corona verstärkt. Was dort passiert, beachten leider nur wenige. Und so ist es sicher kein Zufall, dass Menschen, die sich Urlaub leisten können, mit Tests nur fünf Tage in Quarantäne bleiben müssen, im Knast aber nach wie vor 14 Tage Quarantäne angeordnet werden. Und dort gibt es kein Internet zum trotzdem in Kontakt bleiben, also faktisch eine Totalisolation. Es ist wichtig, auch das mehr in die Auseinandersetzung zu bringen. Ich will wissen, wie das ist und hoffe, dass ich die Kraft finde, davon zu berichten und dagegen zu kämpfen.

Eingesperrt sein macht Angst – ich liebe die Freiheit. Aber wenn wir für Freiheit und Solidarität kämpfen, gegen Ausbeutung, Umweltzerstörung und all die konkrete Scheiße und dabei eben mit Aktionen über staatliche Gesetze und Firmeninteressen gehen, dann steht letztendlich die Drohung mit Knast immer im Raum. Das gilt gerade angesichts sich verschärfender Gesetze wie dem Bullenschubs-Paragrafen (mehr Infos dazu hier, hier oder hier) oder den neuen Polizeigesetzen (mehr dazu hier), in einer Zeit, die durch Fokussierung auf Sicherheit und Autoritäten härter wird für alles Oppositionelle, für alles Freiheitsliebende, für all das, was Solidarität vor Herrschaft stellt.

Mir ist es wichtig, dass Knast nicht als die große Unbekannte und ultimative Drohung im Raum stehen bleibt und die Angst davor sich potenziert, denn letztendlich müssen wir damit einen Umgang finden, wie mit aller Repression. Einen Umgang, der nicht lähmt, sondern uns stärker macht und weder uns noch andere abschreckt. Ich wähle die Konfrontation damit – auch um eben das zu tun. Eben um das nicht auszuklammern, sondern zum Teil unserer Praxis werden zu lassen, auch damit umgehen zu können. Auch wenn die Position, jederzeit bezahlen und die Haft abbrechen zu können, verdammt priviligiert ist.

Knäste sind Teil der Gesellschaft, elementarer Teil, denn ohne würde das alles nicht funktionieren. Also lasst uns einen Weg der Auseinandersetzung finden und sie abschaffen!

Ich freu mich über alles an Aktionen gegen Knäste (auch gegen den neuen Abschiebeknast in Glücksstadt). Ansonsten aber auch über Post (besonders für die ersten 14 Tage wegen Quarantäne), Rätsel, Schachaufgaben, Texte zu Verkehrswende und Utopien oder was euch sonst noch einfällt.

Post in den Knast

Ihr erreicht Ibi per Post. Um ihr schreiben zu können, erfragt einfach ihren Klarnamen per Mail beim abc Flensburg (abc-flensburg@systemli.org, pgp-key auf Anfrage). Sobald es eine Gefangenenbuchnummer gibt, um Ibi zu schreiben, werden wir die natürlich auf der Unterstützungs-Homepage nirgendwo.info veröffentlichen, damit ihr Ibi auch direkt schreiben könnt. Dort werdet ihr auch regelmäßige Updates zur Haft finden.

Wer Ibis Klarnamen kennt, kann natürlich auch direkt Post in die JVA schicken:

Die ersten zwei Wochen ihrer Haft (also voraussichtlich bis zum 8.Mai) wird Ibi in der JVA Schleswig in Quarantäne verbringen.

Postadresse: Jugendanstalt Schleswig, Königswiller Weg 26, 24837 Schleswig

Erst danach wird sie in die Justizvollzugsanstalt Lübeck (H-Haus Marliring 67 23566 Lübeck) verlegt werden.

Kundgebung zum Haftantritt

Am Fr, 23.4. von 16.30 bis 18 Uhr gibt es vor der JVA Lübeck auch eine kleine Kundgebung zum Haftantritt (natürlich mit Abstand und Masken). Bei Interesse an gemeinsamer Anreise per Zug aus Flensburg oder Kiel meldet euch gerne ebenfalls beim abc Flensburg.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
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