Schacht Konrad: Beim „Bauen im Bestand“ gibt es immer Überraschungen

Im Umweltausschuss der Stadt Salzgitter überraschte der BfS- Projektleiter für Schacht KONRAD, Herr Dr. Hund, jüngst mit der lapidaren Feststellung, beim Bauen im Bestand gäbe es ja immer mal Probleme. Nun war sein Thema ansich nicht Altbausanierung, sondern er sollte die offensichtlichen Probleme beim Bau des geplanten End­lagers KONRAD erläutern.

Schacht Konrad

Zufahrt zum Schacht Konrad

Verklausuliert, aber zunehmend offener wird eingestanden, dass es sich bei KON­RAD wie schon bei ASSE II um einen „Altbau“, also die Nachnutzung eines alten Bergwerkes handelt. Mit Verzögerung der Inbetriebnahme erwächst dem Betreiber übrigens ein anderes Problem: Die wasserrechtliche Genehmi­gung gilt nur bis 2047.

Zu den konkreten Problemen erläuterte Dr. Hund, dass die Sanierungsarbeiten im südlichen Trum des Schacht KONRAD 1 inzwischen bis auf wenige Stellen beendet seien.Für das nördliche Trum des Schacht KONRAD 1 müssten weitere Berechnungsunterlagen eingereicht werden, da dort höhere Lasten für das Förderwerk anfallen. Diese Unterlagen seien noch nicht komplett zusammengestellt. Sie würden dem Landesbergamt zur Prüfung vorgelegt und sollen in diesem Jahr beschieden werden. Das BfS sähe hierfür zwei Varianten vor, entweder die gleiche Bauweise wie im südlichen Trum oder – falls das nicht genehmigt wird – den Einbau von Ankerkonsolen. Diese brächten einen großflächigeren Lastabtrag als Rohrkonsolen, bräuchten aber mehr Platz und das hieße, es würden weitere Umplanungen für die verlegten Leitungen, etc. notwendig.

So weit die gut sichtbaren Straßenbaumaßnahmen zu KONRAD 2 auch fortgeschritten sind, unter Tage gäbe es bisher wenig Bauarbeiten. Da KONRAD 2 als Fluchtweg benötigt würde, könne mit den Sanierungsarbeiten erst begonnen werden, wenn die Arbeiten auf KONRAD 1 abgeschlossen sein werden.

Ebenfalls umfangreiche Planänderungen gäbe es bei der Einlagerungs-Transportstrecke. Die ursprünglich geplanten Ausbauarbeiten erfüllten nicht die Anforderungen an den anzunehmenden Gebirgsdruck. Deshalb nähme man Anleihe an den österreichischen Tunnelbau und baue die Transportstrecke jetzt so aus, dass sie 40 Jahre ohne Nachschneiden des Gesteins halten solle.

Zum Zeitplan führte Dr. Hund aus, dass die Fertigstellung laut Betreiberfirma dbe im Jahr 2022 noch mit größeren Risiken behaftet sei. Die Sanierung der Schachtförderanlagen in Schacht 1 seien terminführend. Die Arbeiten in Schacht 2 und die Über-Tage-Arbeiten seien jedoch auch noch mit Risiken behaftet, etwa

  • weitere Risiken durch das Bauen im Bestand;
  • Verzögerungen durch Änderungen im Regelwerk (Beispiel: Die Vorschriften zum ökologischen Bauen seien in den Verträgen mit den Auftragnehmern noch nicht umgesetzt);
  • ungünstige Marktsituation durch geringen Wettbewerb;
  • Ausschreibungsergebnisse übertreffen die Kostenplanungen.

Die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Projektes haben durchaus relevante Auswirkungen. Die atomrechtliche Genehmigung für KONRAD ist zeitlich zwar nicht begrenzt, die wasserrechtliche aber schon. Und die läuft 2047, 40 Jahre nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, aus. Grund genug für die Energiekonzerne, bereits jetzt auf eine Verlängerung zu drängen.

Brüsk von sich wies Dr. Hund die Forderung, den Schachtbaufirmen, die Preisabsprachen getroffen hatten, die Aufträge zu entziehen oder mindestens schärfere Überprüfungen ihrer ausführenden Arbeiten durchzuführen. Die Prüfdichte sei hoch genug, so der Projektleiter KONRAD.

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Quelle: AG Schacht Konrad, 04.06.2014

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