Atomunfälle bedeuten langfristige Folgen und hohe Kosten

Vor kurzem fanden anlässlich des 28. Jahrestages der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986 Gedenkveranstaltungen und Anti-Atom-Proteste in verschiedenen europäischen Städten statt. Obwohl es nahezu drei Jahrzehnte her ist, dass Block 4 des Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte und das Leben von Tausenden Menschen unwiderruflich veränderte, steigt die Zahl der Opfer weiter an. Informationen der zwischenstaatlichen Helsinki Kommission (HELCOM) zufolge stellen die Auswirkungen des Tschernobyl-Desasters eine der wichtigsten Quellen dafür dar, dass die Ostsee der radioaktivste Inland-Wasserkörper der Welt geworden ist.

Ein Netzwerk betroffener Organisationen hat außerdem zu den Dritten Europäischen Aktionswochen „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ aufgerufen, während gleichzeitig Demonstrationen und Aktionen in verschiedenen Hauptstädten und vielen weiteren Orten stattfanden. Zeitzeug*innen-Gespräche mit Opfern der Tschernobyl-Katastrophe erfolgten in diesem Zusammenhang beispielsweise in Belarus, BRD, Österreich, Polen und Ukraine.

Infolge der Explosion in Reaktor 4 von Tschernobyl in der Ukraine verbreitete sich die Strahlung zunächst durch eine radioaktive Wolke. Kontaminationen wurden nicht nur in Nord- und Südeuropa festgestellt, sondern auch in Kanada, Japan und den USA. Desweiteren wurde Radioaktivität durch Tiere verbreitet, denen es gelungen war aus der verseuchten Zone zu entkommen. Aber auch Waren, die aus der kontaminierten Region entnommen wurden, verteilten radioaktives Material quer über Europa. Selbst Kinder, die heute in den betroffenen Gegenden aufwachsen, erfahren schwere Krankheiten durch die kontaminierte Nahrung, die sie zu sich nehmen.

Tschernobyl - Tagesschau am 29.04.1986

Tschernobyl - Tagesschau am 29.04.1986

Die unabhängige Vereinigung besorgter Ärzt*innen, Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), berechnete, dass es an besonders strahlenbelasteten Personen infolge des Tschernobyl-Unfalls etwa 830.000 Liquidatoren, mehr als 350.000 Evakuierte, 8.300.00 Einwohner*innen der am meisten belasteten Gebiete Russlands, der Ukraine und Belaruses, sowie 600.000.000 europäische Bürger*innen, die in den weniger kontaminierten Gebieten Europas leben, gebe. Die meisten Gesundheitsauswirkungen der Katastrophe lassen sich naturbedingt nicht direkt als Folge des Atomunfalls nachweisen. Beispiele statistisch signifikant in Zusammenhang damit stehender Krankheiten sind Leukämie, Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs und verschiedene weitere Krebsarten, Hirntumore, genetische Missbildungen, Totgeburten, Fehlfunktionen des Gehirns, beschleunigte Alterung, geistige Störungen. Es muss darauf hingewiesen werden, dass viele Krebsarten eine Latenzzeit von 25-30 Jahren haben – daher steht ein Höchstwert festgestellter Erkrankungen gerade bevor.

„Tschernobyl hat uns gelehrt, dass selbst Jahrzehnte nach einer Atomkatastrophe immer noch neue Erkrankungen auftreten und große Gebiete weiterhin zu verseucht sind, um wieder bewohnt zu werden“, sagt Anti-Atom-Organisator*in Hanna Poddig. „Millionen Menschen sind von der Atomkatastrophe betroffen, hunderttausende leiden an schweren Erkrankungen. Die Ostsee ist nur eine von vielen von Tschernobyl betroffene Regionen, aber selbst heute ist sie radioaktiver belastet als andere Wasserkörper der Welt, wie HELCOM-Wissenschaftler*innen veröffentlicht haben. Wir können nicht warten bis die nächste Atomkatastrophe geschieht – alle Atomanlagen müssen sofort und weltweit stillgelegt werden!“

Das Tschernobyl-Desaster ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Ostsee als der am meisten radioaktiv belastete Wasserkörper der Welt gilt. Die radioaktive Wolke des Unfalls in Tschernobyl bewegte sich 1986 entlang Luftströmungen geradewegs zur Ostsee und ließ den Fallout ungleichmäßig auf deren Einzugsgebiet niederschlagen. In der Ostsee regnete mehr Fallout ab als in anderen Meeren, wie z.B. dem Schwarzen Meer, Mittelmeer, der Nordsee oder dem Nordost-Atlantik.

  • Atomkatastrophe würde den ganzen Ostseeraum verseuchen
    13. März 2014 – Der dritte Jahrestag des Fukushima-Desasters, das am 11. März 2011 begann, erinnert an die Bedrohung, die die Atomkraft für Menschen und Umwelt im Ostseeraum darstellt. Ein vergleichbarer Unfall in einem der sechs in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke (fünf weitere AKW sind geplant) wuerde eine radioaktive Verpestung des gesamten Gebiets rund um die Ostsee verursachen.
  • Die Ostsee ist das am stärksten verseuchte Meer der Welt
    24. April 2011 – Die Ostsee ist das am stärksten kontaminierte Meer der Welt. Sie ist stärker mit Radioaktivität belastet als beispielsweise die irische See, in die die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) täglich ihre Abwässer pumpt. Zu diesem Status tragen vor allem die schwedischen und finnischen Atomanlagen bei.

Quelle (Auszug): oekonews.at, 03.05.2014

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