3 Jahre Super-GAU in Fukushima

Zehntausende Menschen haben anlässlich des dritten Jahrestages des Beginns Reaktorkatastrophe von Fukushima weltweit für den Atomausstieg demonstriert. Der GAU im japanischen Atomkraftwerk dauert an – die Meiler sind nicht unter Kontrolle.

Fukushima 3&4, 24.03.2011, Air Photo Service Co. Ltd., Japan

Fukushima 3&4, 24.03.2011, Air Photo Service Co. Ltd., Japan

Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima demonstrieren in der japanischen Hauptstadt zahlreiche Menschen für das Ende der Atomkraft.

Etwa 3.300 Atomkraftgegner zogen vom Bahnhof Kirchheim zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Motto: „Fukushima außer Kontrolle!“. Mehrere Tausende DemonstrantInnen waren auf 7 Rheinbrücken für die Stilllegung des französischen AKW Fessenheim. 800 protestierten in Jülich. Am Montag nahmen zehntausende Menschen an Mahnwachen in ganz Deutschland teil.

Und weltweit: In Taipeh kamen rund 50.000 Menschen zusammen, an drei anderen Demonstrationen auf der Insel Taiwan nahmen insgesamt mehr als 30.000 Menschen teil. In Japan protestierten erneut Zehntausende gegen das geplante Wiederanfahren der AKW.

Nach wie vor dürfen etwa 50.000 Anwohner des Atomkraftwerks Fukushima nicht in ihre Häuser oder Wohnungen zurück. Auch drei Jahre nach der Dreifachkatastrophe leben weiterhin rund 267.000 Menschen in containerähnlichen Behelfsgebäuden oder anderen vorübergehenden Unterkünften. Jeden Tag fließen noch immer mehr als 200.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifischen Ozean. Kontaminierte Böden finden sich auch weit entfernt vom Ort der Katastrophe. Bis jetzt mussten 33 Kinder aus der Fukushima-Region gegen Schilddrüsen-Krebs operiert werden, 41 weitere Kinder stehen unter Krebsverdacht. Bei 55.000 Kindern wurden bei Untersuchungen Schilddrüsenzysten oder –Knoten festgestellt. Sie müssen nicht zu Krebs führen, aber sie können. Die Ärzteorganisation IPPNW erwartet zwischen 22.000 und 66.000 Krebsfälle aufgrund der Erfahrungen in Tschernobyl. Diese Schätzungen basieren auf Daten der Weltgesundheitsorganisation. Die radioaktive Verstrahlung ist zehnmal höher als bislang von der Betreiber-Firma Tepco angegeben. Noch immer sind 140.000 Einwohner der Präfektur Fukushima evakuiert. Mehr als 50 US-Soldaten, die im März 2011 auf einem Marineschiff in der Nähe von Fukushima im Einsatz waren, sind in der Zwischenzeit schwer erkrankt. Sie leiden an Leukämie und verklagen Tepco auf Schadenersatz… Das ist alles erst der Anfang.

„Der deutsche Atomausstieg ist ein wichtiger Schritt, aber er kann nur ein Anfang sein. Spätestens seit Fukushima muss jedem klar sein: Es gibt keine sichere Atomenergie. Bundeskanzlerin Merkel muss sich jetzt für einen europäischen Ausstieg aus der Atomenergie mit ihren unkalkulierbaren Risiken einsetzen“, fordert Susanne Neubronner, Atomexpertin bei Greenpeace.

Demonstration in Dannenberg, 10.03.2014

  • Fukushima: Falsche Messwerte – Strahlung rund zehnmal höher als bisher bekanntgegeben
    25. Februar 2014 – Drei Jahre nach dem Reaktorunfall ist noch keine Lösung in Sicht. Wegen Rissen in der Reaktorhülle fliessen riesige Mengen stark kontaminierten Kühlwassers ununterbrochen ins Grundwasser. Allein im Reaktor 1 sind es etwa 80 Tonnen täglich. Kürzlich bekanntgegebene Rekordwerte haben die japanische Bevölkerung erschüttert. Tepco hat mitgeteilt, dass die bisherigen Messwerte einiger radioaktiven Stoffe viel zu tief gewesen seien. Die Messmethode sei falsch gewesen.
  • Leben in Japan nach der Atomkatastrophe: Systematische Verharmlosung der Folgen
    18. Februar 2014 – Auch drei Jahre nach der Atomkatastrophe halten das Verschweigen, Vertuschen und Verdrängen der offiziellen japanischen Stellen an. Die Geheimhaltung der unbequemen Wahrheiten ist durch das neue japanische Geheimhaltungsgesetz sogar noch einfacher und umfangreicher geworden. Die Vertuschung beginnt bereits mit den amtlichen Mess-Stationen. Sie rechnen die Umgebungsstrahlung systematisch herunter.
  • Fukushima: Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt
    27. Oktober 2013 – Der am 25.10. vorgelegte Bericht des Komitees der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR) verharmlost systematisch das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen der Fukushima-Katastrophe. Es handelt sich um eine gezielte Missinformation der Öffentlichkeit. Das kritisieren IPPNW-Ärzte aus Deutschland, den USA, Schweiz, Frankreich, Italien, Nigeria, Malaysia, Ägypten und den Niederlanden in ihrer Analyse des Berichts.

Quellen (Auszug): sonnenseite.com, greenpeace.de, Deutsche Welle; 10./11./12.03.2014

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