Schweiz: Stilllegung von AKW Mühleberg 2019 – und Beznau?

In der Schweiz hat der BKW Verwaltungsrat angekündigt, eines der gefährlichsten AKW der Welt im schweizerischen Mühleberg, im Jahr 2019 abzuschalten. Der Betreiber will vor allem an der Sicherheit sparen. Dabei geht es konkret um Nachrüstungen, die nach Fukushima von der Atomaufsicht gefordert wurden.

12.03.2012 - "Menschenstrom" am AKW Mühleberg; Foto: Ivan Suta / www.menschenstrom.ch

12.03.2012 - "Menschenstrom" am AKW Mühleberg; Foto: Ivan Suta / www.menschenstrom.ch

Noch im letzten Dezember hat die Atomaufsicht ENSI unmissverständlich gesagt, die BKW müsse bis 2017 umfangreiche Nachrüstungen tätigen, wenn sie das AKW Mühleberg darüber hinaus betreiben wolle. Verbessere die BKW die Sicherheit nicht, würde der Reaktor abgeschaltet. Geplant ist nun laut Betreiber eine billigere Verbesserung der Kühlwasserversorgung und eine Verbesserung der Brennelement-Lagerbeckenkühlung. Für ausserordentliche Nachrüstmassnahmen will der Betreiber nun nur noch 15 Millionen Franken aufwenden. Bisher hiess es, für die Sicherstellung eines „Langzeitbetriebs“ seien Investitionen für einen dreistelligen Millionenbetrag nötig. Der Betreiber gibt an, die Stilllegung erfolge allein aus wirtschaftlichen Gründen.

„Der Atomausstieg der Schweiz geht in eine komplett falsche Richtung“, so Jürg Buri, Präsident der Allianz Atomausstieg. „Anstatt dass das nukleare Risiko für die Bevölkerung abnimmt, wird die Sicherheitslage noch prekärer. So geht es nicht!“

Die Allianz Atomausstieg fordert einen sicheren Betrieb der bestehenden AKW bis zum letzten Tag. Somit gehört das AKW Mühleberg sofort vom Netz.

Der BUND am Südlichen Oberrhein teilt die Ansicht der Schweizer Umweltgruppen, dass diese Spät-Abschaltung nicht auf Kosten der Sicherheit gehen darf. Die nukleare „Aufsichtsbehörde“ der Schweiz, die ENSI, müsse ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen, fordern die AtomkraftgegnerInenn. Sie dürfe sich nicht auf Verhandlungen in Bezug auf die AKW-Sicherheit einlassen.

„Und was ist mit dem ältesten AKW der Welt in Beznau?“, fragen die AktivistInnen.

Mit zunehmender Sorge würden auch die Menschen in der Nordschweiz und Südbaden auf das dortige peinlich-gefährliche „Technikmuseum“ schauen. Das Uralt-AKW Beznau wird derzeit mit einem weiteren Notstromsystem aufgehübscht. Dieses kostet rund 500 Millionen Franken.

„Sowohl in Mühleberg, als auch in Beznau wäre eine sofortige Abschaltung die einzig verantwortbare Gefahrenvermeidungsstrategie“, so Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein.

weitere Infos:

  • Schweiz: AKW Mühleberg wird stillgelegt – aber nicht sofort
    25. Oktober 2012 – Die Berner Kantonsregierung will der Schweizer Bevölkerung die Volksinitiative “Mühleberg vom Netz” zusammen mit einem Gegenvorschlag zur Abstimmung vorlegen. Der Gegenvorschlag sieht vor, das AKW Mühleberg nicht per sofort, sondern nach einer definierten Frist ausser Betrieb zu nehmen. Die IAEA bescheinigt dem Reaktor “Betriebssicherheit”.
  • Schweiz: Fukushima in Mühleberg – 185.000 Menschen müssten dauerhaft umgesiedelt werden
    7. September 2012 – Passiert eine Katastrophe im Ausmass von Fukushima im Schweizer AKW Mühleberg, so müssten 185’000 Menschen dauerhaft umgesiedelt werden, der Bielersee wäre auf Jahrzehnte verseucht und eine Fläche, die etwa einem Viertel der Schweiz entspricht, langfristig kontaminiert. Dies sind die erschreckenden Ergebnisse einer Studie, die das Öko-Institut Darmstadt im Auftrag von Greenpeace, Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie der Ärztinnen und Ärzte für soziale Verantwortung/gegen den Atomkrieg (PSR) erarbeitet hat.
  • Gericht entscheidet: begründete Sicherheitsmängel an Schweizer AKW Mühleberg
    13. August 2012 – Ein weiterer Etappensieg für schweizer AtomkraftgegnerInnen: Das Bundesverwaltungsgericht erkennt an, dass die Mühleberg-KritikerInnen Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Risse im Kernmantel glaubhaft dargelegten, so dass das Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) nun gesetzlich verpflichtet ist, die Sachlage zu überprüfen.

Quellen (Auszug): vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein, ee-news.ch; 30.10.2013

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