Diskussion um Berliner Forschungsreaktor

Zu dem umstrittenen Forschungsreaktor in Berlin-Wannsee und seinem geplanten Weiterbetrieb bis 2020 haben sich auf einer Veranstaltung am gestrigen Abend in Berlin zahlreiche Bürger besorgt geäußert.

Diskussionsveranstaltung zum BER II in Berlin Wannsee am 15.08.2013, Bild: Anti Atom Berlin

Diskussionsveranstaltung zum BER II in Berlin Wannsee am 15.08.2013, Bild: Anti Atom Berlin

Zu der Verunsicherung in den betroffenen Berliner und Brandenburger Regionen tragen neben der intransparenten Kommunikationspolitik des Helmholtzzentrums Berlin (HZB) auch das erhebliche Desinteressse des Berliner Senates, der Zehlendorfer Lokalpolitiker sowie des seit acht Jahren direkt gewählten Bundestagsabgeordneten (Wellmann, CDU) des Bezirks bei, berichtet das Anti-Atom-Bündnis Berlin und Potsdam. Ziel der gestrigen Veranstaltung sei es gewesen, diesem Missstand mit Hilfe der anwesenden DirektkandidatInnen Aufklärung entgegenzusetzen.

Es wurde deutlich, dass teilweise eine erhebliche Diskrepanz zwischen den grundätzlichen Positionen der Parteien und deren Direktkandidaten besteht (Grüne, SPD, LINKE). Dies gilt eingeschränkt auch für die Kandidaten der CDU und FDP. Finckh-Krämer (SPD), Stahr (Grüne), Savvidis (LINKE) und Thiesen (Piraten) konnten diesem Eindruck noch am stärksten widersprechen. Hier wurden auch das vom Publikum eingeforderte parlamentarische Engagement versprochen. Metzner (FDP) und Wellmann (CDU) vertrauen den Verantwortlichen von HZB und Senat. Sie gaben im wesentlichen die Verantwortung an das Publikum weiter und verwiesen auf den juristischen Rahmen, der es jedem Bürger ermöglicht, sich mit einer Strafanzeige gegen erkannte Missstände zu wehren. Bemerkenswert war, dass parteiübergreifend alle Direktkandidaten dem Katastrophenschutzplan misstrauten und im Ernstfall ein Chaos erwarten.

Soweit die Berliner DirektkandidatInnen und die der angrenzenden Brandenburger Wahlkreise 61 und 62 auf unsere Wahlprüfsteine geantwortet haben, sind diese mittlerweile auf der Internetseite www.atomreaktor-wannsee-dichtmachen.de veröffentlicht und bewertet. Das Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam fordert alle zukünftigen Mitglieder des Bundestages sowie alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses Berlin auf: Setzen Sie sich entsprechend ihrer Verantwortung als Gesellschafter des Helmholtzzentrums Berlin (Bund 90%/ Land Berlin 10%) für eine aktualisierte Abschätzung der radiologischen Auswirkungen einer Kernschmelze des BER II nach Flugzeugabsturz in einem „worst-case“ Szenario ein.

Fordern Sie ein aktualisiertes Gutachten ein, das diese Kritikpunkte berücksichtigt:

  • gleichzeitiger Treibstoffbrand und Wasserstoffexplosion
  • unterschiedliche Abbrandgrade der Brennelemente
  • max. gefüllte Lagerkapazität abgebrannter Brennelemente in Absetz- und Umsetzbecken
  • Einbeziehung des Katastrophenschutzplanes

Dieses neue Gutachten ist notwendig, da die bisherigen Studien für den BER II ausschließlich eine Kernschmelze ohne Treibstoffbrand betrachteten. Für den Mainzer Forschungsreaktor wurde mittlerweile die freigesetzte Aktivität bei Treibstoffbrand um den Faktor 38.000 höher ermittelt.

Für das Anti-Atom-Bündnis Berlin/ Potsdam ist die vom HZB angekündigte Abschaltung des Reaktors 2020 nicht ausreichend. Das Bündnis fordert den sofortigen Entzug der veralteten Betriebsgenehmigung!

DIESER REAKTOR GEHÖRT ABGESCHALTET UND STILLGELEGT, SOFORT!

  • Auch Forschungsreaktoren sind unsicher
    22. Juni 2012 – Erstmals sind Forschungsreaktoren einem Stresstest unterzogen worden. Das Ergebnis: auch Deutschlands  “kleine” Meiler sind nicht sicher. Abhilfe sollen neue Notfallbücher schaffen – doch gegen den Absturz eines Flugzeuges auf die Forschungseinrichtungen inmitten von Großstädten wird das kaum helfen. Atomkraftgegner fordern die Stilllegung der alten Reaktoren.
  • Berliner Forschungsreaktor wieder in Betrieb
    4. April 2012 – Vor Abschluss der “ergebnisoffenen Prüfung“ durch das Abgeordnetenhaus Berlin und trotz enormer Sicherheitsbedenken, die von Sachverständigen in bisher zwei Ausschuss-Sitzungen des AGH vorgetragen wurden, ist der Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), am Mittwoch, den 28.03.2012 wieder in Betrieb genommen worden.

Presseerkkärung von Anti-Atom-Bündnis Berlin und Potsdam sowie die Regionalgruppe IPPNW Berlin, 16.08.2013

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