Endlager nicht vor 2024? Schacht Konrad wird deutlich teurer

Der Start von Schacht Konrad, dem einzigen bisher genehmigten Lager für schwach- und mittelradioaktiven Müll, könnte sich bis 2024 verzögern. Zudem wird der Bau wesentlich teurer. Atomkraftgegner untermauern noch einmal die Kritik an dem Projekt – und fordern einen sofortigen Baustopp!

Schacht Konrad

Zufahrt zum Schacht Konrad

Im Schacht Konrad bei Salzgitter wird das bisher einzige genehmigte Endlager für radioaktiven Müll in Deutschland gebaut. Ursprünglich sollten 2013 erste Container eingelagert werden. Inzwischen heißt es: nicht vor 2019. Und auch die Kosten werden immer wieder nach oben korrigiert. Frühere Schätzungen gingen von rund 900 Millionen Euro Kosten aus, heute sind 1,5 Milliarden Euro verbaut, insgesamt rechnet das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) mit etwa 2,2 Milliarden Euro. Und fertig ist das Lager noch lange nicht. Inoffiziell spricht die Behörde sogar schon von weiteren zwei bis fünf Jahren Verzögerung.

 

Rund 60 Atommüllstandorte warten auf die Fertigstellung des Endlagers Schacht Konrad. Das Brennelementezwischenlager Ahaus zum Beispiel verfügt über eine Betriebsgenehmigung für die Lagerung für schwach- und mittelaktiven Müll bis 2020 – und der Bevölkerung wurde versprochen, dass der Müll dann wieder verschwindet.

„Bis 2021 wird mit Sicherheit kein Atommüll in Konrad eingelagert. Und was wird dann aus Ahaus?“, fragt Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad im „Weser Kurier“. Es handle sich also um eine „Scheinlösung“, eine „wilde Deponie für Atommüll“, ein ewiges Zwischenlager“.

Ein weiteres Problem: Längst nicht der gesamte, in Deutschland anfallende schwach und mittelradioaktive Abfall kann in Schacht Konrad eingelagert werden. Es steht nicht ausreichend Platz zur Verfügung, Konrad wurde insgesamt für maximal 303000 Kubikmeter Abfälle genehmigt. Teilweise sind die Kriterien – keine Wärmeentwicklung des Abfalls – nicht erfüllt. So lagern an der Urananreicherungsanlage Gronau zum Beispiel 100.000 Kubikmeter angereichertes Uran, für das es noch keine Lösung gibt. Auch der Atommüll aus der Asse dürfte teilweise nicht in Konrad eingelagert werden. Das gesamte Genehmigungsverfahren neu aufzurollen, um etwa den Müll aus Gronau einlagern zu dürfen, würde die Inbetriebnahme auf unabsehbare Zeit verzögern und den Entsorgungsnotstand an mehreren Dutzend Zwischenlagerstandorten weiter vergrößern.

„Nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik wäre Konrad niemals genehmigt worden“, meint Dickel. Dennoch würden sich Atomindustrie und Politik beharrlich an diesen Standort klammern, weil er „ihr einziger rechtlich abgesicherter Notnagel im Atommülldesaster sei“. „Damit nicht immer höhere Kosten zu immer mehr Sachzwängen führten, müsse der Ausbau von Schacht Konrad gestoppt werden“, fordert Dickel.

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    3. November 2012 – Der Atomkonzern Vattenfall hat einen Antrag auf Rückbau für das stillgelegte AKW Brunsbüttel bei der zuständigen Atomaufsicht in Schleswig-Holstein eingereicht. Allerdings will der Konzern den Antrag zurückziehen, sollte bis 2018 kein Endlager für den leicht- und mittelaktiven Atommüll zur Verfügung stehen. Will der Konzern Druck auf die Politik ausüben, ein ungeeignetes Bergwerk als Endlagerstätte durchzusetzen?

Quellen (Auszug): weser-kurier.de, 18.06.2013 / neues-deutschland.de, 19.06.2013

One Response to Endlager nicht vor 2024? Schacht Konrad wird deutlich teurer

  • Jakob sagt:

    Handelt es sich bei den 100.000 Kubikmetern wirklich um angereichertes Uran? Normalerweise wird angereichertes Uran ja zu Brennelementen verarbeitet und an AKW-Betreiber verkauft. Bei der Anreicherung von Uran bleibt abgereichertes Uran zurück, das am Ende in einem Endlager entsorgt werden muss. Wahrscheinlich handelt es sich bei den 100.000 Kubikmetern daher um abgereichertes Uran und nicht um angereichertes Uran.

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