Russland: Laufzeitverlängerung für Tschernobyl-Typen

Die Betriebzeit des russischen Atomkraftwerks Smolensk-1 ist um zehn Jahre verlängert worden. Bis Ende 2022 darf der Meiler vom Tschernobyl-Typ noch Strom produzieren. Atomkraftgegner halten das für Wahnsinn.

AKW Smolensk / Russland; Bild: google

AKW Smolensk / Russland; Bild: google

Die föderale russische Sicherheitsbehörde Rostechnadsor (Fsetan) hat der Kernkraftwerkseinheit Smolensk-1 eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren zugebilligt.

Smolensk-1 nahm den Betrieb 1982 auf, schreibt die Schweizer Webseite Nuklearforum. Mit der nun gewährten Laufzeitverlängerung könne die Einheit bis 2022 am Netz bleiben. Der Betreiber Rosatom beruft sich auf „Nachrüstungen“, die 2012 durchgeführt worden seien.

Am Standort befinden sich drei Reaktoren vom Typ „RBMK-1000“, die Blöcke Smolensk 1 und Smolensk 2 gehören zur zweiten Generation von RBMK, der dritte gehört zur dritten RBMK-Generation. Es handelt sich um „Doppelblock-Anlagen“, es teilen sich dabei zwei Reaktoren ein Gebäude, doch nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde der Bau des 4. Blocks im Sommer 1986 gestoppt. In TSchernobyl war Block 4 – ein RBMK-Reaktor der zweiten Generation – am 26. April 1986 explodiert.

RBMK sind graphitmoderierte Siedewasserreaktoren sowjetischer Bauart. Sie setzen während des Normalbetriebs verglichen mit anderen Konstruktionen wesentlich mehr Radioaktivität frei. Die Emissionen betragen bis zu 2,0 mSv pro Jahr. Ein durchschnittliches westliches Kernkraftwerk gibt pro Jahr eine Strahlendosis von 0,001 mSv bis 0,01 mSv an die Umgebung ab. Aufgrund des hohen Kühlwasserbedarfs von RBMK und der hohen radioaktiven Emissionen im Normalbetrieb wurde ein künstlicher See von 42 Quadratkilometer angelegt. Der Reaktor hat kein Containment, das bei einem Unfall vor dem Austritt von Radioaktivität schützen soll. Der Reaktor enthält viel Graphit. Dieses ist leicht brennbar und schwer zu löschen, es fehlt ein echtes Schnellabschaltsystem. Perspektivisch gibt es bisher keine Lösung für den Rückbau und die Endlagerung des radioaktiven Graphitkerns.

  • Atomkraftgegner betrachten einen Weiterbetireb dieser Hoch-Risikoanlagen schlicht für „Wahnsinn“.

Geplant ist, die drei RBMK-1000-Blöcke von Smolensk in Zukunft zu ersetzen. Eine grundsätzliche Einigung über die sogenannte Phase 2 sei erreicht, meldete die Rosatom in einer Medienmitteilung Ende Dezember 2012. Geplant sind vier Reaktoren vom Typ WWER-1200/491 in Bauform des AES-2006. Wann der Bau beginnen soll, ist aber noch nicht sicher.

  • Atomindustrie: “Gefahr für die Welt” durch russische Atomanlagen jahrelang ignoriert
    26. Juni 2012 – Deutsche Atomkonzerne haben seit Jahren Warnungen der russischen Atomindustrie vor steigenden Störfallzahlen ignoriert. Das berichtet die “Süddeutsche Zeitung”. Putins Generalsekretär hatte 2004 auf einem Geheimtreffen vor einer “Gefahr für die Welt” durch russische Atomanlagen gewarnt. Die Information wurde “streng vertraulich” ignoriert. Atomkraftgegner sehen einen weiteren Beweis dafür, dass unbequeme Nachrichten von der Atomindustrie bewusst verschwiegen werden und fordern die Bundesregierung auzf, die Zuverlässigkeit der Konzerne zu prüfen.
  • Katastrophale Zustände in russischen AKW
    22. Juni 2011 – Ein neuer bisher nicht veröffentlichter Bericht der russischen Atombehörde offenbart wichtige Sicherheitslücken in den Atomkraftwerken Russlands. Konkret geht es um Schutz gegen Naturkatastrophen wie Erdbeben, gegen die die zehn Atomstandorte nur sehr schlecht gesichert sind. Russlands Premier Wladimir Putin hingegen bekräftigt nocheinmal, dass Atomenergie für Russland unverzichtbar ist.

Quellen (Auszug): nuklearforum.ch; 10.01.2013; de.wikipedia.org

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