Russische Umweltschützer kritisieren Bundesregierung: „Uranlieferungen zwischen Russland und Gronau stoppen“

Russische und deutsche Umweltschützer kritisieren gemeinsam die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im November 2012 genehmigten Urantansporte von Russland quer durch Europa zur Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Das BfS hat bis Ende 2013 zehn Urantransporte per LKW „von Natururan in Form von Uranhexafluorid (UF6)“ genehmigt. Der erste Transport hat laut BfS bereits Ende November 2012 stattgefunden.

„Wir sind über diesen Uran-Deal sehr alarmiert. Warum soll russisches Uran in Gronau angereichert werden? Warum wird Uran per LKW über Tausende von Kilometern transportiert? Die Sicherheitsvorkehrungen für solche Transporte sind in Russland gering. Es besteht immer die Möglichkeit von Unfällen und alleine die Länge der Strecke ist besorgniserregend. Wir bitten das Bundesamt für Strahlenschutz und die Bundesregierung, die Genehmigung sofort zurückzuziehen,“ so Vladimir Slivyak von der russischen Umweltorganisation Ecodefense in Moskau.

Zudem forderte Slivyak von der Bundesregierung ein Ende der Spekulationen um mögliche Atommüllexporte von Deutschland nach Russland.

„In Russland lagern bereits 30 000 Tonnen Uranmüll aus Gronau, die zwischen 1995 und 2009 ins Land gelangten. Weder die Gronauer Betreiber Urenco noch die Bundesregierung kümmern sich um den Uranmüll. 2010 konnte nur sehr knapp der Export von hochradioaktiven Brennelementen aus dem Zwischenlager Ahaus in die stark verstrahlte Atomanlage Majak verhindert werden. Deutschland hat immer wieder konkret Interesse an der Atommülllagerung in Russland, aber Russland darf nicht die Atommüllkippe für deutschen Atommüll werden,“ so Slivyak.

Rashid Alimov von der Umweltorganisation Ecoperestroika in St. Petersburg kündigte an, die Zusammenarbeit mit deutschen Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden zu verstärken, um die russisch-deutschen Atomdeals zu stoppen. Alimov erinnerte daran, dass über St. Petersburg zahlreiche Urantransporte per Schiff zwischen Russland, Deutschland und anderen europäischen Ländern abgewickelt werden.

„Die Zusammenarbeit von Urenco und der russischen Atomindustrie ist weiterhin sehr eng. Es ist sehr fragwürdig, dass die Bundesregierung Importe von Uran aus Russland per LKW für völlig unbedenklich hält und die Genehmigungen des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht gestoppt hat. Offensichtlich soll der Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage Gronau – ungeachtet des offiziellen Atomausstiegs – mit allen Mitteln sichergestellt werden. Dagegen wird es weitere Proteste geben,“ kündigte Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz an.

Russische Umweltschützer unterstützen Gronau-Demo

Sowohl Ecodefense wie auch Ecoperestroika unterstützen den Aufruf zur Demonstration am 9. März vor der Urananreicherungsanlage Gronau (www.fukushima-jahrestag.de). Die Demonstration findet im Rahmen bundesweiter Proteste zum zweiten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima statt.

Bereits am Montag, 21. Januar, wird um 19 Uhr eine Mahnwache vor der Urananreicherungsanlage in Gronau stattfinden, um an den schweren Störfall vom 21. Januar 2010 zu erinnern, als ein Urenco-Mitarbeiter beim Öffnen eines angeblich leeren Uranfasses verstrahlt worden war.

Weitere Infos: www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de

  • Atommüllexporte von Gronau und Jülich verhindern
    7. Januar 2013 – Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und seine Mitgliedsorganisation Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen lehnen die geplante Legalisierung von Atommüllexporten durch die Bundesregierung strikt ab. Sie sehen in der geplanten Novelle des Atomgesetzes das Eingeständnis der Bundesregierung, dass die angeblich sichere Entsorgung der stetig wachsenden Atommüllberge gescheitert ist. Zudem werfen die Anti-Atomkraft-Initiativen der Bundesregierung eine Täuschung der Öffentlichkeit vor.
  • 10 Urantransporte per LKW nach Gronau genehmigt
    3. Januar 2013 – Die münsterländischen Anti-Atomkraft-Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisieren scharf, dass die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau 2013 per LKW aus Russland mit Uran beliefert wird. Aus der aktuellen Genehmigungsliste des Bundesamts für Strahlenschutz geht hervor, dass bis Ende 2013 bis zu zehn Straßentransporte von Russland nach Gronau stattfinden dürfen.

Quelle: PE Aktionsbündnis Münsterland; 11.01.2013

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